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Kursrallye mit reduziertem Risiko

Guilio Castelli (Bild: STOXX Ltd.)

Risikofaktor? Die EZB in Frankfurt, direkt am Main gelegen (Bild: Fotolia / eyetronic)


Versucht man, die vergangenen Monate an den Kapitalmärkten mit einem Wort zusammenzufassen, dann waren sie vor allem eines: unvorhersehbar. Bei anhaltend niedrigen Zinsen steht für Anleger trotzdem kaum zur Debatte, den Aktienmärkten fern zu bleiben. Mit intelligenten Indexlösungen können sich Anleger gegen Abwärtsrisiken einfach absichern.

Von Guilio Castelli

Sowohl das Brexit-Referendum als auch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten waren eher Gedankenspiele bis sie letztlich Realität wurden. Neben einem politischen Aufschrei aus weiten Teilen der Welt reagierten auch die Märkte zunächst unruhig, wenngleich binnen weniger Stunden wieder ein normales Niveau erreicht wurde. Die langfristigen Folgen bleiben hingegen ungewiss.

Eine Reihe wichtiger politischer Entscheidungen stehen auch in diesem Jahr wieder ins Haus, die durchaus das Potential haben, die hiesigen Märkte durcheinander zu bringen. Auch wenn die Parlamentswahlen in den Niederlanden für die euroskeptische PVV anders ausgingen als zunächst prognostiziert, so wird bei den noch anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich oder den Bundestagswahlen in Deutschland ein Erfolg der Euroskeptiker noch immer als sehr wahrscheinlich erachtet – mit noch offenen Folgen für das politische Gefüge in Europa und die europäische Wirtschaft.

Veränderungen könnte es 2017 zudem in der Geldpolitik der EZB geben: Die angestrebte Inflation von zwei Prozent im Euroraum wurde Anfang März erreicht. Mario Draghi gerät daher immer weiter unter Druck. Nicht zuletzt haben die ersten Wochen unter der US-Präsidentschaft von Donald Trump gezeigt, dass sich Anleger an turbulente Phasen an den Kapitalmärkten gewöhnen müssen. Viele Experten sprechen seit einiger Zeit bereits von einer „neuen Normalität“. Anlagestrategien, um damit verbundene Risiken zu managen, rücken deshalb immer weiter in den Vordergrund.

Niedrige Korrelationen senken das Risiko

Die Minimum-Varianz-Strategie ist ein Ansatz, mit dem sich Anleger gegen hohe Volatilität absichern können. Sie basiert auf der mit dem Nobelpreis ausgezeichneten modernen Portfoliotheorie des US-Ökonomen Henry Markowitz. Dabei wird über den Vergleich der Kursschwankungen einzelner Titel das Chance-Risiko-Verhältnis von Aktien bestimmt. Daneben ist die Korrelation einzelner Wertpapiere untereinander ein weiterer essentieller Faktor, der die Entwicklung einer Anlage maßgeblich beeinflusst. Nach Markowitz besteht ein Portfolio deshalb idealerweise aus Titeln mit größtmöglicher Unabhängigkeit voneinander, wodurch sich das Anlagerisiko zum Teil deutlich reduzieren lässt. Klumpenrisiken werden so vermieden.

Anleger können diesen Ansatz einfach und kosteneffizient mit Indexprodukten verfolgen. STOXX arbeitet bei der Berechnung seiner Minimum-Variance-Indizes mit Axioma, einem Spezialisten für Risikomanagement, zusammen. Die Indizes zeichnen sich im historischen Vergleich vor allem durch geringere Verluste bei Abwärtsbewegungen gegenüber klassischen Indizes aus, die rein nach Marktkapitalisierung gewichten. Zudem sind sie häufig auch bei Aufwärtsbewegungen im Vorteil. So erzielte der STOXX Global 1800 Minimum Variance Index über die vergangenen fünf Jahre eine durchschnittliche Rendite von 16,8 Prozent, während seine Benchmark, der STOXX Global 1800 Index, 14,8 Prozent erreichte. Die Volatilität lag zudem mehr als zwei Prozentpunkte unter der des breiten Marktindex.

STOXX bietet zwei Varianten bei den Minimum-Variance-Indizes an, die sich in der Nähe zu ihrer Benchmark unterscheiden: Während die reguläre Version eng am jeweiligen Benchmark-Index angelehnt ist, folgt die unconstrained Variante diesem nicht zwangsläufig und gewichtet die dazugehörigen Bestandteile freier. Um dabei flexibel auf Marktentwicklungen reagieren zu können, findet bei den Unconstrained Indizes eine monatliche Überprüfung der Einzeltitel statt. Dies spiegelt sich auch in der jeweiligen Performance wider. So erzielte etwa der EURO STOXX Minimum Variance Unconstrained Index im Zeitraum von fünf Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von 13,5 Prozent, während die Constrained-Variante bei 11,5 Prozent lag. Die breite Benchmark erreichte im gleichen Zeitraum eine jährliche Rendite von 10,9 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Volatilität sank mit dem EURO STOXX Minimum Variance Unconstrained Index gegenüber der Constrained-Version im gleichen Zeitraum um knapp zwei, gegenüber dem breiten Marktindex gar um fast sechs Prozentpunkte.

Mit ausgewählten Indexanlagen können Anleger mit nur einem Produkt anspruchsvolle Lösungen wie den Minimum-Varianz-Ansatz umsetzen. Damit blicken sie etwas gelassener auf die anstehenden politischen Entscheidungen und begegnen der neuen Normalität.

Giulio Castelli ist Head of Product Development bei STOXX Limited.

07.04.2017 | 00:42

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