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Spannende Impulse rund um die Wiener Börse

Auf dem Presse-Talk der RCB: Marianne Kögel, Bernd Maurer, Heike Arbter, Valerie Brunner (alle RCB), Dr. Christoph Boschan (Wiener Börse), v.l.n.r. (Bild: Michael J. Plos)


Der jüngste Presse-Talk der Raiffeisen Centrobank (RCB) unter dem Motto „Die Wiener Börse im Fokus – eine (beinahe) Halbjahresbilanz mit Ausblick“ hat – einem traumhaften Sommerabend zum Trotz – zahlreiche Journalisten in die Räumlichkeiten der Raiffeisen Centrobank AG in der Wiener Innenstadt geführt. Als Key Note Speaker konnte Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, gewonnen werden.

100 Monate Bullenmarkt – der ATX  holt auf: Diesem Motto entsprechend drehte sich Pressegespräch der RCB alles um den Wiener Aktienmarkt. Nach begrüßenden Worten von Valerie Brunner, Vorstand der RCB, gab Bernd Maurer, Chefanalyst der RCB, einen Kapitalmarktausblick. Während ein durchschnittlicher Bullenmarkt rund 60 Monate andauer, befinde sich der S&P 500 mittlerweile seit rund 100 Monaten im Aufschwung. Zu Beginn dieses Zeitraumes – von 2009 bis 2017 – habe sich zwischen den globalen Leitindizes und den Randmärkten eine Lücke aufgetan. Der ATX – international zu den Randmärkten zählend – schließe diese seit 2015. Der Grund hierfür sei naheliegend: „Während unmittelbar nach Ausbruch der Finanzkrise ‚Sicherheit‘ das Maß aller Dinge war, und die verfügbare Liquidität in den amerikanischen Markt und in die größten europäischen Indizes floss, die daraufhin bereits 2013 ihre Höchststände von 2007 überschritten haben, steht der österreichische Markt in den vergangenen beiden Jahren stärker im Fokus. Das hohe Wachstum der osteuropäischen Volkswirtschaften, ein verbessertes Umfeld für die im ATX  hoch gewichteten Finanzindustrie und gute Unternehmensergebnisse tragen diesen Aufschwung und haben zu einer Outperformance des ATX  im Vergleich zum Stoxx600  seit 2015 geführt.

Bernd Maurer führte weiter aus: „Die Bewertungen im ATX  sind mittlerweile angemessen und der Index notiert rund 36 Prozent unter seinem Indexstand von Juli 2007, während die globalen Leitmärkte nur noch wenig Luft nach oben haben.“ Viele Anleger fragten sich angesichts, ob der Zeitpunkt für einen Einstieg in den Aktienmarkt geeignet ist. Für den ATX dürfte dies noch deutlich eher gelten als für die Leitmärkte.

Zertifikate als defensive Veranlagungsalternative im Nullzinsumfeld

Heike Arbter, Head of Structured Products bei der RCB, hat in ihrem Vortrag den Mehrwert von Teilschutz-Zertifikaten gerade diese Problematik betreffend herausgearbeitet. Diese ermöglichen eine renditebringende Veranlagung bezogen auf Aktien oder Indizes mit hohen Sicherheitspuffern, und sind somit für viele Anleger interessant. Als Wiener Emittent fühlt sich die RCB gerade ihrem Heimatmarkt besonders verpflichtet, ist mit rund 65 Prozent Marktanteil im Segment „Structured Products“ größter Anbieten an der Wiener Börse, und wurde für innovative Zertifikate mit „Österreich-Fokus“ vielfach ausgezeichnet. Beim „Zertifikate Award Austria“ konnte heuer nicht nur erneut der Gesamtsieg gefeiert werden, sondern auch der Gewinn der Kategorie „Österreich-Zertifikat des Jahres“ mit einem Express-Zertifikat auf die voestalpine AG.

Für das große Engagement der RCB als Emittent Strukturierter Produkte, aber auch als größter Market Maker und Specialist an der Wiener Börse fand Christoph Boschan anerkennende Worte. Seit nunmehr einem Jahr steht er der Wiener Börse vor, und hat seitdem unter Beweis gestellt, dass er neuen Entwicklungen nicht nur offen gegenüber steht, sondern diese aktiv vorantreibt. Unter dem Titel „Österreich für die Welt – Die Welt für Österreich“ hat er über die aktuelle Positionierung der Wiener Börse, ihre zahlreichen aber teilweise noch wenig bekannten Stärken und die zukünftige Ausrichtung des Handelsplatzes wie gewohnt mitreißend referiert.

Invest Global – Buy Local

Die Wiener Börse ist als Handelsplatz für österreichische Aktien mit weitem Abstand der größte und qualitativ hochwertigste Handelsplatz. Sie bietet eindeutig die besten Zahlen hinsichtlich Marktanteil, Liquidität und Preisstellung in österreichsichen Aktien. Für österreichische Investoren möchte die Wiener Börse „one-stop-shop“ werden. Dass diese nämlich hauptsächlich in ausländische Aktien investieren ist auch nach Auffassung des CEOs richtig – der österreichische Aktienmarkt ist zu klein für ein ausreichend diversifiziertes Portfolio. Der Handel dieser Aktien soll künftig auch über den Handelsplatz der Wiener Börse möglich sein.

Während 133 US-Aktien sowie DJ Industrial Average und NASDAQ 100 seit 31. Mai in Wien bereits handelbar sind werden in naher Zukunft wohl weitere europäische Blue Chips ins Auge gefasst. Während Geschäfts- und Marktentwicklung positiv sind bleiben die politischen Rahmenbedingungen herausfordernd. Zwar findet der CEO der Wiener Börse bei allen Entscheidungsträgern ein offenes Ohr, das Erarbeiten eines Kapitalmarktprogrammes und eine zentrale Ansprechperson (Kapitalmarktbeauftragter) wären jedoch wünschenswert, ebenso wie die (Wieder-)Eröffnung des Dritten Marktes für KMUs um mittelfristig wieder mehr Unternehmen an die Börse zu bringen.

15.06.2017 | 01:01

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