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Sixt: Der Erfolg trägt Orange

Deutschlands größte Autovermietung verdient derzeit mehr Geld als je zuvor. Neben dem klassischen Vermietungsgeschäft profitieren die Bayern besonders von ihrem Leasingangebot. Gerade im Ausland fährt das Familienunternehmen sensationelle Ergebnisse ein. Auch an der Börse zählt das Sixt-Papier zu den Top-Performern.

BÖRSE am Sonntag

Deutschlands größte Autovermietung verdient derzeit mehr Geld als je zuvor. Neben dem klassischen Vermietungsgeschäft profitieren die Bayern besonders von ihrem Leasingangebot. Gerade im Ausland fährt das Familienunternehmen sensationelle Ergebnisse ein. Auch an der Börse zählt das Sixt-Papier zu den Top-Performern.    
 
Rot ist die Farbe der Liebe. Blau steht für Loyalität. Geld symbolisiert Harmonie. Grün gibt den Menschen Hoffnung. Und Orange? Orange verbinden wir mit Erfolg. Mit Sicherheit nicht, wenn es um die spärliche Titelsammlung der niederländischen Nationalmannschaft geht – wohl aber beim Blick auf die Entwicklung von Sixt. Das Papier der größten deutschen Autovermietung zieht es immer steiler nach oben. Während des vergangenen halben Jahres konnte sich der Kurs fast verdoppeln, alleine in den letzten sechs Wochen kletterte die Aktie ungebremst um circa 25 Prozent. Für weiteren nachhaltigen Auftrieb an der Börse könnten die gerade erst veröffentlichten Zahlen für 2014 sorgen. Europas drittgrößte Autovermietung blickt auf das beste Jahr seiner Firmengeschichte zurück. Während der Umsatz mit einem Plus von fast neun Prozent die Bestmarke von 1,8 Milliarden Euro erzielte, legte der Gewinn um satte 16,5 Prozent zu und erreichte den Rekordwert von 110 Millionen Euro. „Das starke Ergebnis für 2014 hat unsere Erwartungen übertroffen. Es ist umso erfreulicher, wenn man das verhaltene konjunkturelle Umfeld in Europa in Rechnung stellt. Mit einer Vorsteuerrendite von 9,5 Prozent des operativen Konzernumsatzes hat Sixt erneut seine Position als einer der weltweit profitabelsten Mobilitätsdienstleister untermauert“, freut sich Erich Sixt, Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär des familiengeführten Unternehmens.
 
Ein besonders großer Anteil am historischen Erfolg der Münchner geht auf das Konto der fortwährenden internationalen Ausdehnung. Außerhalb des deutschen Heimatmarktes kletterte der Umsatz dank neuer Mietstationen um bemerkenswerte 18,0 Prozent auf 489,1 Millionen Euro. Somit beträgt die Auslandsquote inzwischen 44 Prozent. Vor allem in den USA, Frankreich, Großbritannien und Spanien erfreut sich der bayerische Autovermieter immer größerer Beliebtheit. Allerdings schreibt Sixt in den Vereinigten Staaten, dem größten Autovermietungsmarkt der Welt, weiter rote Zahlen. Laut Finanzchef Julian zu Putlitz fiel dort im vergangenen Jahr „ein mittlerer bis höherer einstelliger Millionenbetrag" an. Seit 2011 ist Sixt in den USA aktiv und baut ein kostenintensives, inzwischen 50 Stationen umfassendes Filialnetz auf. Auch in Europa will die deutsche Nummer eins Sixt weiter wachsen. Momentan liegt das über 100-jährige Traditionsunternehmen mit einem Marktanteil von zwölf Prozent allerdings noch weit abgeschlagen hinter dem Branchenprimus Europcar.
 
Neben dem klassischen Vermietungsgeschäft erhofft sich Sixt insbesondere vom Leasing weitere Wachstumsimpulse, um die internationale Expansion fortsetzen zu können. Vor wenigen Wochen gab das bayerische Unternehmen bekannt, dass man einen Börsengang der Leasing-Sparte prüfe, um das Geschäft ausbauen und von anderen Geschäftsfeldern entkoppeln zu können. Die Sparte ist in mehreren Feldern aktiv: Dem Flotten-Leasing und dem Flotten-Management für Großkunden und dem Neuwagen-Leasing für private Kunden und kleine Gewerbekunden. Für die orangefarbene Autovermietung ein durchaus lukratives Wachstumsfeld. Als Attacke auf die Autobanken etwa der Hersteller will Sixt das Privatkundengeschäft zwar nicht verstanden wissen, es könne aber gut sein, dass die Banken dabei Kunden verlören, gab das familiengeführte Unternehmen mit den frechen Werbesprüchen als Markenzeichen bekannt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist dieses Geschäft jedoch eher klein. Für einen Ausbau wäre eine Menge Geld von Nöten, das sich Sixt durch einen Börsengang beschaffen könnte. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus, Details zu den Plänen dürften aus rechtlichen Gründen derzeit nicht verraten werden, ließ Firmenboss Erich Sixt die Öffentlichkeit unlängst wissen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Leasing-Sparte einen Umsatz von rund 563 Mio. Euro.
 
Unabhängig vom möglichen Börsengang der Leasing-Sparte können sich die Aktionäre des SDAX-Mitgliedes über üppige Dividendenzahlungen freuen. Die Ausschüttung soll inklusive Bonus um 20 Prozent auf 1,20 Euro je Stamm- und 1,22 Euro je Vorzugsaktie steigen. Bei den Vorzügen errechnet sich dadurch trotz der massiven Kursgewinne immerhin noch eine Rendite von knapp vier Prozent, die am Tag nach der Hauptversammlung am 24. Juni fließen soll. Steigen soll in diesem Jahr auch der operative Konzernumsatz. Nicht zuletzt wegen eines leicht positiveren Konjunkturumfelds als im Vorjahr ist Sixt für das laufende Geschäftsjahr optimistisch eingestellt. Alle strategischen Wachstumsinitiativen wie die Expansion in den USA und im europäischen Ausland sollen weitergeführt und teilweise noch verstärkt werden. In der Autovermietung geht der bayerische Traditionskonzern von einer leicht wachsenden Nachfrage in Geschäftsreise- und Privatreiseverkehr, allerdings auch von einem Anstieg der Flottenkosten und der operativen Aufwendungen aus. Im Leasinggeschäft wird ebenfalls mit einem leichten Nachfrageanstieg gerechnet. Der Ausblick klingt also nicht schlecht. Gut möglich also, dass Orange auch weiterhin die Farbe des Erfolgs bleibt.

WIM