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Adidas: Es läuft wenig weltmeisterlich



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Olympische Spiele im Winter, die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer – der Pokal dabei in den Händen eines Spielers mit drei Streifen auf dem Trikot. Was begehrt das Herz eines Sportartikelherstellers mehr? Doch der Aktienkurs ist im Verlauf des Jahres dramatisch abgestürzt.
 
Für das fränkische Traditionsunternehmen Adidas fällt das Fazit der ersten neun Monate dieses Jahres sehr durchwachsen aus. Die jüngst veröffentlichten Zahlen fürs dritte Quartal weisen trotz steigender Umsätze erneut einen Gewinnrückgang aus. Der Kurs der Adidas-Aktie verfällt, und kein Ende scheint in Sicht. Notierte das Papier Anfang 2014 noch bei einem Wert von knapp 93 Euro, ist die Adidas-Aktie jetzt für rund 60 Euro zu haben. Ist nun der richtige Zeitpunkt zum Einstieg oder sollte man den Griff ins berühmte fallende Messer tunlichst vermeiden? Zwar wurden einige Schwarzmaler unter den Experten in ihren allzu negativen Erwartungen nicht bestätigt. Doch als Erfolg kann man die aktuellen Quartalszahlen von Adidas nun wahrhaft nicht bezeichnen. Abermals sank der Gewinn-diesmal um elf Prozent auf 282 Millionen Euro. Auch das Betriebsergebnis lieferte mit einem Rückgang von 12,7 Prozent auf 405 Millionen Euro eine Enttäuschung. Immerhin ging es für den Umsatz, der ein Plus von 6,2 Prozent auf 4,12 Milliarden Euro verzeichnen konnte, bergauf. „Nach wie vor sehen wir uns mit beträchtlichen Herausforderungen in unserem Golfgeschäft, einer schwachen Verbraucherstimmung in Russland und ungünstigen Währungsbewegungen konfrontiert", begründete Vorstandschef Herbert Hainer das schwache Ergebnis. Als Konsequenz auf die Russlandkrise fährt der fränkische Weltkonzern seine Expansion dorthin deutlich zurück. Weil der Rubel gegenüber dem Euro immer mehr an Wert verliert und die russischen Kunden angesichts der Wirtschaftskrise nicht mehr so stark in die Läden strömen, sollen im für Adidas drittwichtigsten Markt mit jeweils 30 zusätzlichen Geschäften in diesem und im kommenden Jahr weitaus weniger neue Warenhäuser eröffnet werden als bislang geplant. Dennoch glaubt Hainer trotz der jüngsten Entwicklung weiterhin „fest an das langfristige Potential dieses Markts“. Derzeit betreiben die Herzogenauracher in Russland 1.100 eigene Läden.
 
Während das US-Geschäft, in dem Adidas vor allem durch die abnehmende Begeisterung der Amerikaner am Golfsport weiter beständig an Umsatz verliert und mittlerweile nach dem unangefochtenen Marktführer Nike und dem aufstrebenden Konkurrenten Under Armour nur noch den dritten Rang belegt, ebenfalls Bachschmerzen bereitet, läuft es in anderen Teilen der Welt umso erfreulicher. So stieg der Umsatz im Kernmarkt Westeuropa währungsbereinigt um zehn Prozent, im zukunftsträchtigen chinesischen Markt um 13 Prozent, sowie in Lateinamerika sogar um 16 Prozent. Letzteres Ergebnis unterstreicht den Adidas-Boom auf diesem Kontinent. In den vergangenen zehn Jahren legte der Gesamtumsatz des weltweit zweitgrößten Sportartikelherstellers in Süd-und Mittelamerika um 12,6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu. „Generell ist Lateinamerika definitiv die Region, wo wir das größte Wachstum sehen", freut sich Hainer, der bis 2017 einen Nachfolger aufbauen und sich dann zurückziehen will. Als Favoriten für diesen Posten gelten derzeit die beiden Vorstandsmitglieder Eric Liedtke und Roland Auschel, die nicht zuletzt durch ihre Erfahrung im Unternehmen als erfolgsversprechend gelten.
 
Potential sehen auch viele Analysten in der Aktie der Herzogenauracher, obwohl diese im Jahresverlauf eine katastrophale Entwicklung genommen hat. „Nach den heftigen Kursrutschen scheint Adidas eine unterbewertete Aktie. Meiner Meinung nach ist jetzt eine gute Kaufgelegenheit gekommen“, sagt Rinor Memeti von MemSelftrade. Das Düsseldorfer Bankhaus Lampe hat das Kursziel für Adidas auf 70 fixiert, und somit eine Kaufempfehlung abgegeben. Mit der Bilanz für das dritte Quartal habe der Sportartikelhersteller wie erwartet den Jahresausblick bestätigt, schrieb Analyst Christoph Schlienkamp in einer Studie. Der nun beginnende Aktienrückkauf stütze seine Kaufempfehlung. Er bewerte auch die Bestätigung des Ausblicks für 2015 als positiv. Die NordLB hat das Kursziel für Adidas nach Zahlen von 61 auf 64 Euro angehoben, die Einstufung aber auf „Halten" belassen. Nach neun Monaten seien erste Lichtblicke auszumachen, schrieb Analyst Heino Hammann. Es blieben aber noch viele Baustellen und eine Anpassung an die schwierigeren Marktverhältnisse dürfte erst mittelfristig möglich sein. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Kauf von Adidas-Papieren derzeit vor allem für Anleger geeignet ist, die einen langen Atem mitbringen.
 
Für das Gesamtjahr hat Adidas seine gesenkte Prognose bestätigt. Der Umsatz soll währungsbereinigt im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Der Gewinn dürfte aber wegen des Umbaus im Golfgeschäft auf 650 Millionen Euro zurückgehen. Im kommenden Jahr erwartet das fränkische Traditionshaus eine abflauende Umsatzdynamik, nachdem die Fußballweltmeisterschaft im laufenden Jahr das Geschäft beflügelt hat. Dennoch soll der Gewinn überproportional zulegen. Hainer kündigte jüngst an, die künftige Strategie kommenden März preisgeben zu wollen. Man darf sehr gespannt sein, welche Ideen dem zuletzt zunehmend unter Druck geratenen langjährigen Vorstandschef einfallen.

WIM

09.11.2014 | 09:21

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