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Bilfinger Berger: Nägel mit Köpfen!

Bilfinger Berger


Das Dienstleistungsgeschäft gilt schon seit einigen Jahren als Wachstumstreiber für den Bau- und Dienstleistungskonzern. Robust, hohe Margen und eine gute Planbarkeit sorgen für stabile Geschäfte. Der Bereich wurde entsprechend sukzessive ausgebaut. Dazu gehörten immer wieder Akquisitionen. Jüngst machte Bilfinger Berger weiter Nägel mit Köpfen.

Für rund 350 Mio. Euro will das Unternehmen die österreichische Dienstleistungsgruppe MCE kaufen. Sie ist auf die Planung, Errichtung und Wartung von Anlagen der Prozessindustrie und der Energiewirtschaft ausgerichtet und erzielte 2008 bei einer Leistung von rund 900 Mio. Euro ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von rund 45 Mio. Euro. Die Finanzierung erfolgt überwiegend durch eine geplante Kapitalerhöhung, die im Verhältnis 4:1 zu einem Bezugspreis von 30,60 Euro durchgeführt werden soll. Firmenlenker Herbert Bodner rechnet mit Bruttoerlösen von rund 270 Mio. Euro. Die Aufnahme von Schulden zur Finanzierung erwartet er nicht.

Margenstarkes Segment

Wie der Chef von Bilfinger Berger erläuterte, passt MCE hervorragend zu den vorhandenen Serviceeinheiten und stärkt die eigene führende Position als Anbieter für Industrie- und Kraftwerksdienste. Dabei gibt es seinen Worten zufolge nur wenige Überlappungen, sodass keine einschneidenden Personalmaßnahmen nötig sind. Er betonte ferner, dass der Kauf ein wichtiger Schritt zur Stärkung des Dienstleistungsgeschäfts ist. In diesem Segment bietet der Konzern seinen Kunden, vor allem aus der Prozessindustrie (Petrochemie, Öl und Gas), umfassende Leistungen zur Wartung, Instandhaltung und Modernisierung von Produktionsanlagen. Dabei profitiert er eigenen Angaben zufolge von einem weltweiten Trend, technische Services an spezialisierte Firmen auszugliedern. Zum Portfolio gehören ferner Wartung, Instandhaltung, Wirkungsgradsteigerung und Lebensdauerverlängerung von Kraftwerksanlagen. Die steigende Energienachfrage, der wachsende Rehabilitationsbedarf und höhere Umweltschutzanforderungen sorgen hier für aussichtsreiche Perspektiven. Abgerundet wird das Dienstleistungsangebot durch Services rund um die Immobilie wie Wartung, Betrieb komplexer Gebäudetechnik oder das Portfolio- und Assetmanagement ganzer Immobilienbestände.

Umbau schreitet voran

Das Dienstleistungsgeschäft ist seit Jahren das entscheidende Wachstumsfeld von Bilfinger Berger. Auch in der Krise zeigte es sich robust. Kein Wunder, dass der Konzern diesen Bereich konsequent ausbaut. Erst im September hatte er mit einer Mehrheitsübernahme den Eintritt in das französische Dienstleistungsgeschäft geschafft. Er kaufte 80% der Anteile am Industriedienstleister LTM, der in etwa eine Jahresleistung von 40 Mio. Euro erbringt. Mit den beiden jüngsten Käufen schreitet somit der geplante Umbau vom Bau- zum Dienstleistungskonzern weiter voran. Schon 2010 dürfte die Leistung der Dienstleistungen höher sein als im klassischen Baugeschäft, erläuterte Konzernchef Herbert Bodner jüngst. 2008 entfielen noch rund 55% auf den klassischen Bau (Ingenieurbau, Hoch- und Industriebau), die Services kamen auf etwa 45%. Im ersten Halbjahr 2009 hat sich das Verhältnis bereits weiter auf 51,5% (Bau) zu 48,5% (Dienstleistungen) verschoben.

Grundlegende Überprüfung

Das Zurückfahren der Bauaktivitäten klingt plausibel, vor allem nach den jüngsten Rückschlägen. Dazu gehörte ein Streit um ein Straßenbauprojekt in Katar, weshalb der Konzern Anfang September seine Gewinnprognosen für 2009 senkte. Wegen offener Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe ist ein langwieriger Rechtsstreit vor lokalen Gerichten zu erwarten, deren Ausgang laut Vorstand trotz einer eindeutigen rechtlichen Situation ungewiss ist. Daher wurde eine Rückstellung von 80 Mio. Euro gebildet, die das Ergebnis im dritten Quartal belasten wird. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern deshalb nun mit einem EBIT von 210 bis 230 Mio. Euro, während er bislang 250 Mio. Euro angepeilt hatte. Angesichts dieses neuerlichen Rückschlags kündigte Bilfinger Berger zudem an, den Umfang des Baugeschäfts einer grundlegenden strategischen Überprüfung unterziehen zu wollen. Geplant ist demnach eine deutliche Reduzierung dieses Bereiches. Details hierzu sind laut Vorstand zur Vorlage des Neunmonatsberichts Mitte November zu erwarten. Wie er aber bereits betonte, ist ein völliger Ausstieg nicht beabsichtigt, allerdings dürfte das Baugeschäft künftig sehr viel kleiner sein.

Abhängigkeit vom Bau verringern

Die Strategie ist somit klar: Bilfinger Berger stärkt weiter das wachstums- und gewinnträchtige Dienstleistungsgeschäft und ist bestrebt, die Abhängigkeit vom Bau deutlich zu verringern. Eine logische Konsequenz, läuft es in Letzterem doch seit Jahren eher schleppend. Pannen, wie beim Bau der U-Bahn in Köln oder einem Straßenbauprojekt in Norwegen, und auch der kriselnde deutsche Hochbau belasten. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen wider. Auf den Bau entfallen zwar bislang noch die meisten Umsätze, er trägt aber nur wenig zu den Gewinnen bei. Im ersten Halbjahr entfielen von 119 Mio. Euro Konzern-EBIT nur 23 Mio. Euro auf den Bau, während die Dienstleistungen 100 Mio. Euro beisteuerten. Verschwinden wird die Bausparte aber nicht, da sie das Dienstleistungssegment ergänzt. Zudem versteht sich der Konzern als Multi Service Group, die ganzheitliche Lösungen in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und Industrieservice anbietet.

Weitere Zukäufe

Im Dienstleistungsbereich stehen die Zeichen dabei auf Wachstum, und neben organischem soll es durch Übernahmen weiter forciert werden. Die nötigen Gelder könnten durch die geplanten Maßnahmen im Bau, wozu auch Verkäufe gehören könnten, zur Verfügung gestellt werden. Sie dürften zudem genutzt werden, um auch die Investitionen in die renditestarken privatwirtschaftlichen Betreiberprojekte zu erhöhen. In dem Geschäftsfeld managt das Unternehmen Projekte der Verkehrsinfrastruktur (Brücken, Tunnel, Straßen) und des öffentlichen Hochbaus (Schulen, Krankenhäuser, Gefängnisse, Verwaltungsgebäude). Sie werden von Bilfinger Berger geplant, entwickelt, finanziert, gebaut und anschließend betrieben. Ein Bereich der angesichts klammer öffentlicher Kassen ebenfalls Wachstum verspricht.

Fazit:

Bilfinger Berger setzt seine Strategie konsequent fort, den Service-Bereich auszubauen und die Abhängigkeit vom Bau zu verringern. Eine einleuchtende Taktik, wirft das Dienstleistungsgeschäft doch mehr Profit ab. Ein Trend, der sich auch künftig fortsetzen dürfte. Für langfristig orientierte Investoren ist die Aktie somit interessant. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass kurzfristig die jüngst angekündigte Kapitalerhöhung im Zuge der MCE-Übernahme den Kurs belastet. Dies könnte allerdings auch eine Kaufgelegenheit darstellen.

Die Strategie ist somit klar: Bilfinger Berger
stärkt weiter das wachstums- und gewinnträchtige
Dienstleistungsgeschäft und ist bestrebt, die
Abhängigkeit vom Bau deutlich zu verringern.
Eine logische Konsequenz, läuft es in Letzterem
doch seit Jahren eher schleppend. Pannen,
wie beim Bau der U-Bahn in Köln oder einem
Straßenbauprojekt in Norwegen, und auch der
kriselnde deutsche Hochbau belasten. Dies spiegelt
sich auch in den Zahlen wider. Auf den Bau
entfallen zwar bislang noch die meisten Umsätze,
er trägt aber nur wenig zu den Gewinnen bei.
Im ersten Halbjahr entfielen von 119 Mio. Euro
Konzern-EBIT nur 23 Mio. Euro auf den Bau,
während die Dienstleistungen 100 Mio. Euro
beisteuerten. Verschwinden wird die Bausparte
aber nicht, da sie das Dienstleistungssegment ergänzt.
Zudem versteht sich der Konzern als Multi
Service Group, die ganzheitliche Lösungen in
den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und
Industrieservice anbietet.

20.10.2009 | 00:00

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