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Caterpillar: Hoffnung auf Sand gebaut?



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Firmenlenker Jim Owens sprach zwar von einer weiterhin sehr unsicheren wirtschaftlichen Situation, sieht jedoch Zeichen einer Stabilisierung, die seinen Worten zufolge hoffentlich die Grundlage einer Erholung ist. Er begründete seine optimistische Einschätzung mit einer Verbesserung der Kreditvergabe durch die Banken und den globalen Konjunkturprogrammen, die nun zu wirken begännen. Es sind also wieder einmal die globalen Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft, die auch bei Caterpillar die Karre aus dem Dreck holen sollen. Auf den ersten Blick stehen die Chancen dafür auch gar nicht mal so schlecht.

Weltweit führend

Schließlich baut die Nummer 1 bei Baggern, Bulldozern und anderen Großgeräten für Bau, Bergbau, Land- und Holzwirtschaft sowie Industriegasturbinen, Diesel- und Erdgasmotoren schon seit mehr als 80 Jahren mit an der globalen Infrastruktur. Die Maschinen des Konzerns sollten daher auch nun fleißig eingesetzt werden. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob wegen der Konjunkturpakete nun so schnell im großen Stil neue Maschinen gekauft werden. Die Unternehmen, die die vielen Infrastrukturprogramme umsetzen, werden sicher zuerst auf ihre bestehenden Fuhrparks zurückgreifen. Ein neuer Boom dürfte daher wohl nicht so schnell einsetzen. Dennoch könnten die Maschinen aus dem Hause Caterpillar nun wieder stärker gefragt sein als zuletzt. Dies gilt nicht nur für den Bau. Auch die in den vergangenen Wochen anziehenden Rohstoffpreise könnten die Investitionsbereitschaft im Bergbau wieder erhöhen, für den der Konzern ebenfalls kräftiger Helfer anbietet. Zwar sind auch hier wohl keine riesigen Sprünge zu erwarten. Insgesamt dürften jedoch die genannten Effekte einen stützenden Einfluss auf die Ergebnisse haben.

Schweres Jahr

Dies wäre doch schon immerhin etwas, schließlich befindet sich der Konzern, wie der Vorstand zuletzt immer wieder betonte, in einem der herausforderndsten und schwersten Jahre der Firmengeschichte. Der Blick auf die jüngsten Quartalszahlen zeigt die Gründe. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schrumpfte der Umsatz wegen der anhaltend schwachen Nachfrage von 13,62 auf 7,98 Mrd. US-Dollar. Ein deutlicher Rückgang um 41%. Die Erlöse aus dem Verkauf von Maschinen und Motoren brachen dabei um 43% auf 7,25 Mrd. USDollar ein. Im Finanzierungsgeschäft verringerten sich die Einnahmen um 13% auf 721 Mio. US-Dollar. Bereits im ersten Quartal waren die Konzernumsätze zum Vorjahr mit 22% deutlich eingebrochen.

Wieder mit Gewinn

Immerhin gelang der Gesellschaft nun wieder der Sprung zurück in die Gewinnzone. Während im Auftaktquartal noch ein Verlust von 112 Mio. US-Dollar angefallen war, wozu maßgeblich außerordentliche Kosten von 558 Mio. US-Dollar für den Abbau von Stellen verantwortlich waren, verbuchte Caterpillar nun einen Überschuss von 371 Mio. US-Dollar. Allerdings lag er damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,11 Mrd. US-Dollar. Das Ergebnis je Aktie (EPS) verringerte sich entsprechend von 1,74 auf 0,60 US-Dollar. Ohne die weiteren Kosten von 85 Mio. US-Dollar für den anhaltenden Abbau von Arbeitsplätzen lag das EPS bei 0,72 USDollar. Der Konzern hatte im Rahmen seines 2005 eingeführten Krisenmanagements schnell auf die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagiert und Werke geschlossen. Insgesamt wurden seit Ende 2008 gut 17.000 feste Stellen abgebaut und weiteren 17.000 Zeitarbeitern gekündigt, um die Kosten zu senken und die Produktion an die deutlich gesunkene Nachfrage anzupassen. Zur Strategie gehört außerdem die Verminderung der eigenen Lagerbestände, um die Finanzkraft zu stärken. Für das Gesamtjahr plant Caterpillar einen Abbau um etwa 3 Mrd. US-Dollar. Nach 789 Mio. USDollar im ersten und mehr als 800 Mio. US-Dollar im zweiten Quartal wurden sie bereits mit gut 1,6 Mrd. US-Dollar gesenkt.

Deutlich optimistischer

Mit den erreichten Fortschritten bei den Einsparungen und dem im Vergleich zum ersten Quartal wieder erzielten Gewinn ist Caterpillar damit nun wieder deutlich optimistischer für das Gesamtjahr. Der Konzern hob die Schätzung für das EPS von 0,50 auf eine Spanne zwischen 0,40 und 1,50 US-Dollar an. Ohne die Kosten für den Stellenabbau von 700 Mio. US-Dollar oder 0,75 US-Dollar je Aktie soll ein EPS zwischen 1,15 und 2,25 US-Dollar herausspringen. Beim Umsatz geht er von einem Wert zwischen 32 und 36 Mrd. USDollar aus, nach 51,32 Mrd. US-Dollar im Vorjahr. Für das laufende Quartal deutete der Vorstand dabei an, dass hier womöglich die niedrigsten Umsätze anfallen, weil die Händler ihre Lagerbestände weiter abbauen dürften. Sie hatten bereits im ersten Halbjahr ihre Vorräte um etwa 1,5 Mrd. US-Dollar abgebaut. Bis Jahresende könnten es 3 Mrd. US-Dollar werden. Mut macht dem Konzern aber unter anderem, dass die Nachfrage der Kunden inzwischen wieder anzogen hat.

Fazit

Trotz der deutlichen Einbrüche bei Umsatz und Profit im zweiten Quartal zum Vorjahreszeitraum zeigten sich die Investoren jüngst hoch erfreut. Sie griffen wegen des optimistischen Ausblicks beherzt zu und trieben den Aktienkurs damit kräftig nach oben. Ein großes Maß an Hoffnung wurde eingepreist und die Anleger setzen darauf, dass sich die gesteigerte Zuversicht des Vorstands, der zuletzt einige Anzeichen für eine Stabilisierung der Endkundennachfrage ausmachte, sich auch in den künftigen Ergebnissen niederschlägt. Ob dieser Optimismus kurz- bis mittelfristig begründet ist, wird sich erst zeigen müssen. Noch ist die Wirtschaftskrise nicht ausgestanden und die Zuversicht ist nicht gerade auf einem soliden Fundament gebaut, auch wenn es zuletzt immer häufiger zuversichtlichere Aussagen von Volkswirten und Analysten gab, die davon sprachen, dass nun die Talsohle erreicht ist. Diese Annahme scheint zuletzt auch die Rally an den Aktienmärkten genährt zu haben und könnte sie vielleicht auch noch weiter antreiben. Dies gilt dann sicherlich auch für die Papiere von Caterpillar. Entsprechend könnten spekulative Käufe in Erwägung gezogen werden, scheint der Kurs nun die Hürde von 40,96 US-Dollar (Zwischenhoch von Mai) geknackt zu haben. Als erstes Kursziel könnte nun das Hoch von Anfang Januar bei fast 47 US-Dollar in den Fokus rücken. Allerdings sollte bei Long-Investments eine dem eigenen Risiko entsprechende Absicherungsstrategie nicht fehlen, denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die aktuelle Hoffnung auf Sand gebaut ist.

04.11.2009 | 00:00

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