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Daimler schaltet auf Angriff

Vorhang auf für eine helle Zukunft? Spannende Zeiten bei Daimler(Foto: Daimler).

Den Stern wieder zum Glänzen bringen: Das ist Daimlers Ziel nach einem schwachen Jahr 2018.


2018 war ein Bremsklotz für den Stuttgarter Automobilhersteller Daimler. Doch dieses Jahr scheint der Premiumanbieter den Weg auf die Überholspur wieder zu finden. Der Einsatz moderner Technologien und die Eröffnung einer neuen aufsehenerregenden Produktionsstätte im Wachstumsmarkt Russland geben Daimler Rückenwind. Zudem feiert das Unternehmen an der Börse beachtliche Erfolge.

Voller Stolz sprach Dieter Zetsche von einem „neuen Kapitel in der Geschichte“ seines Unternehmens als der Daimler-Chef im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Kremlchef Wladimir Putin in der Nähe von Moskau Anfang April das erste Mercedes-Benz-Werk Russlands feierlich eröffnete. Der Stuttgarter Automobilhersteller schafft durch seine über 250 Millionen Euro teure Produktionsstätte Arbeitsplätze für mehr als 1000 Beschäftigte, und sorgt damit für Aufbruchsstimmung im wirtschaftlich gebeutelten größten Land der Welt. Als „strategisches Investment“ betrachtet Daimler sein neues Werk, das sich durch modernste und innovative Industrie 4.0-Technologien auszeichnet und die Herstellung von E-Klasse und SUV-Modellen ermöglicht. Es soll den Wachstumsmarkt Russland, der vor dem Sinken des Ölpreises und der damit verbundenen Eintrübung der Wirtschaftslage als hoffnungsvoller Kandidat für den größten Absatzmarkt in Europa galt, stärken, und Daimlers Vormachtstellung als Nummer-1-Premiummarke im Riesenreich weiter ausbauen. 2018 verkauften die Schwaben knapp 38.000 Fahrzeuge nach Russland, bereits in diesem Jahr erwartet man sich ein Plus.

Daimler blickt auf schwaches Jahr zurück

Und genau diesen zusätzlichen Rückenwind bei den Verkaufszahlen der Automobile kann Daimler derzeit besonders gut gebrauchen, nachdem das Unternehmen vergangenes Jahr allen voran aufgrund der Schwäche bei der Pkw-Tochter Mercedes-Benz Cars erhebliche Gewinneinbrüche erleiden musste. Um 22 Prozent sank das Ergebnis (vor Steuern und Zinsen) auf 11,1 Milliarden Euro. Der Markt hatte einen geringeren Einbruch erwartet. Unterm Strich verdiente Daimler 7,6 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr entsprach. Wenngleich der Umsatz um 2 Prozent auf 167,3 Milliarden Euro kletterte, war 2018 auch aufgrund der Diesel-Diskussion, des neuen Abgastestverfahrens WLTP sowie des weltweiten Handelsstreits kein einfaches Jahr für die Schwaben. „Für Daimler war 2018 ein Jahr mit starkem Gegenwind“, konstatiert Zetsche. Umso mehr hofft der scheidende Vorstandschef, dass die Zahlen fürs erste Quartal 2019, deren Veröffentlichung am 26. April ins Haus stehen, eine neuerliche Trendwende einleiten.

An der Börse den Turbo gezündet

An der Börse hat diese bereits eingesetzt. Während das Daimler-Papier ziemlich genau ein Jahr lang von Januar 2018 bis Januar 2019 nur gefallen war, hat es sich seither um gut ein Viertel verteuert und steuert das Etappenziel von 60 Euro an. Doch die Aktionäre freuen sich nicht nur über ansteigenden Kursen, sondern auch über eine Dividende in Höhe von 3,25 Euro, die im Anschluss an die Hauptversammlung am 22. Mai ausgeschüttet wird, und einer Rendite von 6,0 Prozent entspräche. Bei einem Gewinn je Aktie von 6,78 Euro ist das Papier zudem äußerst defensiv bewertet, das Eigenkapital beziffert sich bei einer Markkapitalisierung von 56 Milliarden Euro auf 66 Milliarden Euro und weist somit einen relativ hohen Wert auf. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht davon aus, dass der derzeitige Aufwärtstrend anhält und hat folglich das bereits erreichte Kursziel von 52 auf nun 63 Euro angehoben. Der Einsatz neuer Technologien und das Eingehen strategischer Partnerschaften stimmen den Analysten besonders optimistisch. Generell trauen die Experten den Stuttgarter einiges zu und so ergibt sich aus den 24 Analysebewertungen der vergangenen 12 Monate ein Durchschnittskursziel von 59,41 Euro. Lediglich 6 Analysten raten zum Aktienverkauf.

Zukunft Elektromobilität

Um auch in Zukunft durchzustarten und die hohen Erwartungen der Anteilseigner und Analysten zu erfüllen, investiert Daimler verstärkt in Elektromobilität. Der Bau einer Batteriefabrik im Stammwerk Untertürkheim steht exemplarisch für diesen Weg. Zudem plant Daimler für seine Elektro-Baureihe ein weltweites Netz von neun Batteriefabriken für über eine Milliarde Euro zu errichten. Die erste davon ist bereits im sächsischen Kamenz in Betrieb. Neben dem E-Smart und dem vollelektrischen Stadtbus E-Citaro soll künftig besonders ein vollelektrisches SUV, das noch in diesem Jahr herausgebracht werden soll, für Furore sorgen und dem teilweise ökofeindlichen Image Daimlers entgegenwirken. Im Geländewagen-Format soll die EQC genannte Limousine über 300 PS sowie eine Reichweite von 400 Kilometern verfügen. Doch nicht jeder bei Daimler scheint von der Elektro-Offensive des Konzerns überzeugt zu sein: „Die Batterie ist wahnsinnig wichtig für uns, aber man darf sich auch nicht nur auf ein Standbein verlassen", warnt der Betriebtsratchef Michael Häberle und fügt hinzu: „Ich weiß nicht, ob wir es uns leisten können, nur den Mainstream Batterie zu forcieren und wir uns dann unter Umständen in der Frage Wasserstoff abhängen lassen." Mit Bedenken aber kennt sich Daimler nur allzu gut aus. Schließlich ist der Konzern auch das politische und wirtschaftliche Wagnis mit Russland eingegangen. Zetsche sagte hoffnungsfroh: „Mercedes-Benz glaub an Russland.“ Offenbar auch an den Elektromotor. Die spannende Frage wird sein, ob die Aktionäre (wieder) an Daimler glauben.

Wim Weimer

Wim Weimer

05.04.2019 | 11:59

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