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Fünf Dividendenkönige im DAX: lukrativ – und gefährlich?

Ein Schloss als Firmensitz und jede Menge Schotter: Munich Re, wie sich die gute alte Münchner REück jetzt nennt... (Bild: Munich Re)


2017 wurden weltweit Dividenden in Höhe von 1,3 Billionen US-Dollar ausgezahlt. 2018 dürften es noch einmal deutlich mehr werden. Diese Ausschüttungen werden für Anleger immer mehr zur willkommenen Zins-Alternative. Doch Experten warnen: Steigende Dividenden bedeuten meist auch weniger Investitionen. Sind die fünf Ausschüttungs-Champions im DAX zugleich Hochrisikoaktien?

Immer mehr Konzerne schütten immer mehr Dividende aus. Waren es 2011 global betrachtet noch 954 Milliarden Dollar, sind es inzwischen 1,3 Billionen. Allein im Vergleich zum Vorjahr entspricht der Wert für das Jahr 2017 einer Steigerung von 7,7 Prozent. Ein Viertel der Summe entfällt auf europäische Titel. Allein im Dax wurden 2017 Dividenden im Wert von 31,6 Milliarden Euro ausgezahlt. Ebenfalls ein Rekordwert. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen sind solch hohe Ausschüttungen viel wert, machen die Anlage in Aktien in einem wieder volatileren Umfeld zusätzlich attraktiv. „Die hohe Differenz zwischen Dividenden- und Staatsanleiherenditen spricht gerade hier bei uns in Europa für eine Bevorzugung der Dividendenstrategie“, meint Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege beim weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock.

Geht es nach einer Studie von DSW, FOM und Dividenden-Adel soll 2018 gleich das nächste Rekordjahr werden. Im Dax sollen die Ausschüttungen um 11,5 Prozent auf 35,8 Milliarden Euro anwachsen, im MDax um acht Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Alle deutschen Indizes zusammen genommen erwarten die Experten für das laufende Jahr eine Dividenden-Summe von 52,6 Milliarden Euro. Schuld daran seien der Konjunkturboom und die niedrigen Zinsen, glaubt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW: „Hier kein Geld zu verdienen, ist nahezu unmöglich.“ Ganz vorn mit dabei dürften einmal mehr fünf Werte sein, die bereits 2017 um die Dax-Dividenden-Krone kämpften.

Platz 5: Bayer

Platz Fünf geht mit vier Euro je Aktie an den Leverkusener Pharmariesen Bayer. Für Aktionäre sicher eine willkommene Ausschüttung, war der Aktienkurs im Zuge des Monsanto-Deals doch zuletzt arg unter die Räder gekommen. Im Früher 2015 noch über 146 Euro wert, fiel der Bayer-Kurs innerhalb von 14 Monaten um mehr als 40 Prozent auf 85 Euro je Papier. Es folgten ein paar Monate der Erholung, in denen sogar die Marke von 120 Euro wieder durchbrochen werden konnte. Als sich dann aber sowohl EU- als auch US-Kartellamt zierten die Monsanto-Übernahme durchzuwinken, ging es wieder nach unten. Vor kurzem dann, folgte doch das „Ja“ der Wettbewerbshüter, was Anleger mit leichten Zukäufen quittierten. 99,40 Euro ist die Aktie somit derzeit wert. Wird die Monsanto-Integration zum Erfolg, entspricht dies sicher einer günstigen Einstiegsgelegenheit. Die Analystenmehrheit ist zuversichtlich. Alles in allem scheine die Monsanto-Übernahme auf einem guten Weg zu sein, kam es von der Deutschen Bank.

Platz 4: Continental

Der Autozulieferer und Reifen-Krösus Continental folgt auf Rang vier. Für das Jahr 2017 erhalten Aktionäre eine Dividende in Höhe von 4,50 Euro. Damit heben die Hannoveraner jene bereits zum sechsten Mal in Folge an. Für die Aktie selbst lief es in letzter Zeit dagegen nicht so gut. Markierte sie Anfang 2018 mit 251 Euro noch ein neues Rekordhoch, rutsche der Kurs im Zuge weltweiter Marktturbulenzen, dem Handelsstreit mit den USA und einer Gewinnwarnung wegen Belastungen in der Reifensparte auf 219,30 Euro ab. Das entspricht einem deutlich Minus von mehr als 13 Prozent. Der Großteil der Analysten zeigt sich deshalb allerdings nur wenig besorgt. Er sehe dies nur als temporäreren Rückschlag, schrieb Kepler Cheuvreux-Experte Thomas Besson und beließ sein Kursziel bei 250 Euro. Das Gewinnwachstum dürfte trotz dieses eher schwachen Jahresstarts in den kommenden Quartalen wieder zunehmen, ist auch Analysten-Kollege Marc-Rene Tonn von Warburg Research optimistisch. Er stellt sogar ein Kursziel von 285 Euro in den Raum.

Platz 3: Linde

Ähnlich dem Kurs-Schicksal von Bayer hat auch der Industriegase-Konzern Linde mit einer Mega-Fusion zu kämpfen. Auch hier lassen sich die Kartellbehörden Zeit. Das schien Anleger zuletzt nervös zu machen. Der Kurs fiel innerhalb von drei Monaten um 17 Prozent von 212 auf 176,40 Euro. Unter Analysten herrscht derweil eine vergleichsweise positive Stimmung. Er rechne mit einem erfolgreichen Abschluss des Deals, wenn auch bestimmt unter harten Auflagen, schrieb DZ-Bank Analyst Peter Spengler in einer Studie. Wie bei der Bayer-Monsanto-Fusion dürften die Kartellämter auf Verkäufe von Linde und Praxair pochen, damit deren Marktmacht nach einem Zusammenschluss nicht zu groß wird. Winken die Wettbewerbshüter den Deal durch, muss man bei dem neuen Großkonzern aber wohl nicht lange nach Wachstumspotenzial suchen. Das zumindest glaubt die Deutsche Bank, warnte gleichzeitig aber auch vor möglichem Gegenwind im Gas-Geschäft durch negative Währungseffekte. Alles andere als negativ dürften Aktionäre derweil die stattliche Dividende in Höhe von sieben Euro sehen, welche sich aus der eigentlichen Dividende von 3,90 Euro und einer einmaligen Sonderausschüttung in Höhe von 3,10 Euro im Zuge der Praxair-Fusion zusammensetzt.

Platz 2: Allianz

Mit acht Euro je Aktie einmal mehr ganz vorne mit dabei ist Europas größter Erstversicherer, die Allianz. Die Münchner haben ein gutes Börsenjahr 2017 hinter sich. Innerhalb von zwölf Monaten war der Kurs um 23 Prozent von 161 auf 198 Euro gestiegen. Damit hat man den ohnehin schon gut performenden Dax klar geschlagen. Der Start ins neue Jahr verlief – nicht zuletzt der Schwäche des Gesamtmarktes geschuldet – holprig. Nach einem kleinen Einbruch und anschließender Erholung ist eine Allianz-Aktie nun 192 Euro wert. Die Analysten scheinen sich auf der Suche nach weiterem Aufwärtspotenzial schwer zu tun, raten mehrheitlich dazu, die Aktie erst einmal nur zu „halten“. Grundsätzlich aber bringe der jüngste Kursrückgang der Versicherungswerte attraktive Einstiegsmöglichkeiten mit sich, urteilte Baader Bank-Analyst Daniel Bischof. Die Kapitalmarktzinsen böten allerdings weiterhin Risiken, warnte Goldman Sachs-Experte Johnny Vo. Er empfiehlt das Allianz-Papier zwar immer noch zum Kauf, senkte sein Kursziel allerdings von 220 auf 215 Euro. Doch auch wenn der Kurs kurz- bis mittelfristig stagnieren sollte, die hohe Dividende bleibt auf jeden Fall ein Kaufgrund.

Platz 1: Münchner Rück

Unangefochtener Dax-Dividendenkönig bleibt mit 8,60 Euro je Aktie auch 2017 die Münchner Rück. Das macht die Aktie trotz der immer wieder auftretenden Kursschwankungen – beispielsweise durch größere Schäden in der alljährlichen Hurrikan-Saison – attraktiv. Vor allem auch, da sich die Dividenden in den kommenden Jahren noch weiter erhöhen könnte. Im Vergleich zu 2017 dürften die Münchner ihre Ausschüttungen bis zum Jahr 2020 um rund 40 Prozent steigern, glaubt Commerzbank-Analyst Michael Haid. Mit Blick auf die eher defensive Bilanz des Versicherungs-Konzerns sieht er die Aktie zudem attraktiv bewertet. Hinzu kommen Preissteigerungen. Der bereits bestehende, moderat positive Preistrend dürfte sich in der nächsten Erneuerungsrunde Anfang Juli fortsetzen, schätzte Barclays-Analyst Ivan Bokhmat zuletzt in seiner Branchenstudie. Und dann wäre da ja auch noch das milliardenschwere Aktienrückkauf-Programm, das die Münchner bis 2019 fortsetzen wollen. Derzeit ist eine Aktie der Munich Re 198 Euro wert. Damit liegt sogar das bisherige Rekordhoch von zirka 205 Euro aus dem Jahr 2015 wieder in Reichweite.

Nicht alles Gold, was glänzt

Nicht nur die fünf präsentierten Dax-Aktien sind aufgrund ihrer Dividende beliebt. Hohe Ausschüttungen sind schon immer ein nicht gerade unwesentlicher Kaufgrund für eine Aktie. Dass jene über alle Branchen hinweg zuletzt immer weiter anstiegen und es allem Anschein nach auch 2018 wieder tun werden, dürfte Anlegern daher mehr als willkommen sein. Bleibt nur eine ebenfalls nicht gerade unwesentliche Frage übrig: Wäre das viele Geld langfristig gesehen nicht besser in den Unternehmen selbst investiert? Muss es wirklich immer mehr Dividende sein?

BlackRock-Experte Herrmann warnt: „Die Ursachen für den warmen Geldregen sind nicht ausschließlich positiv zu bewerten.“ Neben dem aktuell starken globalen Wachstum sei eine Vielzahl von Unternehmen angesichts eines weit fortgeschrittenen Zyklus zurückhaltend in Bezug auf neue Investitionsobjekte. Obwohl die Ausschüttungsquote rückläufig sei, laute die Logik bildlich gesprochen oft: „Warum soll ich mir als Unternehmen jetzt noch eine weitere Fabrikhalle auf mein Firmengelände stellen, wenn die Nachfrage bei Fertigstellung vielleicht gar nicht mehr vorhanden ist.“ Es sei dementsprechend nachvollziehbar, dass Unternehmen lieber einen signifikanten Teil ihrer erwirtschafteten Gewinne ausschütten. In nachhaltiges Wirtschaftswachstum werde so aber nicht investiert, schreibt Herrmann.

Das Fazit ist kurz und bündig: Dividendenwerte scheinen also nicht nur lukrativ zu sein, was sie aufgrund der Ausschüttungen fast wie zu den guten alten Zeiten der einträglicher festverzinslicher Papiere zweifellos sind. dividenenwerte können auch Zeitbomben im Depot sein, denn die Konzernstrategie dahinter kann gefährlich sein.

20.04.2018 | 11:12

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