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Die Kultmarke liegt im Trend


Levi´s-Anleger haben allen Grund zur Freude. Nach der fulminanten Rückkehr an die Börse, präsentiert die Blue-Jeans-Ikone nun eine starke Quartalsbilanz. Dennoch sollte der horrende Aktienpreis im Blick behalten werden.

Seit dem Börsen-Comeback vor drei Wochen, stieg die Aktie um knapp 30 Prozent. Nachdem der Modekonzern zwischenzeitlich privatisiert worden war, kehrte er nach über 30 Jahren wieder an die New York Stock Exchange zurück. Blickt man auf die Entwicklung seit dem Börsengang, zeigt sich ein beachtlicher Aufschwung. Ausgegeben wurde die Aktie am 21. März für 17 Dollar, mittlerweile ist das Papier über 20 Dollar wert.

Trotz der optimistischen Zahlen, gibt es auch warnende Stimmen zu Levi´s. Vor allem mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis mahnen Analysten zur Vorsicht. „Auf Basis des Börsenkurses von 22,5 US-Dollar, der im Handelsverlauf des 28. März markiert wurde, kommen wir da schon auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30. Das ist für ein durchschnittliches Gewinnwachstum von sechs Prozent, erzielt in einer weltweiten Wachstumsphase, für ein konjunktursensibles Unternehmen eindeutig zu hoch“, betont der Analyst Ronald Gehrt. Für Kritiker ist die Bewertung des Unternehmens demnach zu hoch. Konkurrenten wie Gap mit den Marken Old Navy oder Banana Republic oder die VF Corporation, die unter anderem Lee Jeans, Eastpak und Timberland beherbergt, verzeichnen zurzeit ein KGV um 15 beziehungsweise rund 25. Verglichen mit der Blue-Jeans-Ikone werden diese Unternehmen also deutlich günstiger bewertet.

Die Quartalszahlen von Levi´s weisen jedoch ein Wachstum auf. Wird der Zeitraum von Anfang Dezember vergangenen Jahres bis Ende Januar 2019 betrachtet, stieg der Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar an. Der bereinigte Gewinn schoss von 83 Millionen Dollar auf 151 Millionen in die Höhe. Dieser satte Zuwachs von über 80 Prozent lässt sich aufgrund hoher Kosten im vergangenen Jahr begründen. „Wir haben unser sechstes Quartal infolge mit zweistelligem Umsatzwachstum in konstanter Währung abgeschlossen", lobte Chip Bergh, Präsident und Chief Executive Officer des Unternehmens, die aktuelle Quartalsbilanz.

Noch vor einigen Jahren, spekulierten die Medien über den langsamen Niedergang der Topmarke. Von rückläufigen Umsätzen, schlechtem Marketing und faden Hosenmodellen war die Rede. Davon ist heute wenig zu spüren – Levi´s ist „in“. Influencer machen weltweit Werbung für den Jeans-Hersteller Levi Strauss, kurz Levi´s. Über die Präsens in den sozialen Medien werden vor allem junge Kunden auf die Produkte aufmerksam. Neben einer Investition in das Onlinegeschäft, setzt der Konzern zudem auf den Ausbau des Filialnetzes.

Die Wurzeln des Traditionsunternehmens gehen auf einen bayerischen Auswanderer zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich Löb Strauss, im Zuge des kalifornischen Goldrauschs, auf den Weg nach Amerika. Heute gilt er als Miterfinder der Blue-Jeans.

Nachdem das Unternehmen Mitte der 90er mit einem Erlös von rund sieben Milliarden Dollar auf dem Höhepunkt war, ging es bergab. Die Konkurrenz der Billiganbieter führte zu Schulden und Entlassungen. Inzwischen kann Levi´s jedoch wieder solide Gewinne verzeichnen. Im vergangenen Geschäftsjahr (bis 25. November 2018) verdiente das Unternehmen unterm Strich 285 Millionen Dollar. Die Erlöse betrugen 5,6 Milliarden Dollar, nach 4,9 Milliarden im Vorjahr.

Wie lange die Levi´s Produkte jedoch noch „in“ sind ist schwer abzuschätzen. „Levi´s agiert in der Textilbranche, die in den letzten Jahrzehnten nicht zu den Wachstumsbranchen gehörte. Dass die Marke Kult ist, ist eine Sache, aber es handelt sich eben auch um Produkte, die man, wenn man diesen Preis nicht zahlen will oder kann, auch billiger bekäme“, so Gehrt. Dass Konsumenten den Preis für Markenprodukte nicht mehr zahlen, zeigt beispielsweise der insolvente Modekonzern Gerry Weber. Gerade weil die Modebranche dem ständigen Wandel unterliegt, warnt der Analyst: „Auf diesem Kursniveau ist Levi´s teuer und damit sehr spekulativ.“

Von Caroline Bingenheimer

12.04.2019 | 09:58

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