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Social Chain schafft den Befreiungsschlag



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Der Tech-Crash der vergangene neun Monate hat E-Commerce-Aktien besonders hart getroffen. Die ersten Titel wie Amazon oder Shopify sind im Comeback-Modus. Bei der Aktie von Social Chain sahen die Prognosen trübe aus. Doch nun kommt der Titel besonders kräftig zurück

E-Commerce-Aktien waren seit November 2021 nichts für schwache Nerven. Reihenweise purzelten die Kurse, teilweise so heftig, dass Börsianer bereits von einem „Blutbad“ sprachen. Lange Zeit galten E-Commerce-Unternehmen als die großen Corona-Profiteure und kletterten von einem Hoch zum nächsten, doch dann kamen die gewaltigen Gewinnmitnahmen. Selbst die Aktien des Marktriesen Amazon stürzten binnen eines halben Jahres von 165 Euro auf 96 Euro ab. Shopify erlebte ein Kurs-Massaker von 151 Euro Mitte November auf 28,61 Euro Mitte Juni. Die Aktie von Mercado Libre, die im vergangenen Herbst noch 1650 Euro kosteten gab es Mitte Juni für weniger als 600 Euro. Auch e-Bay sackte von knapp 70 Euro in der Spitze auf unter 40 Euro ab.
 
Doch seit zwei Monaten hat der Markt gedreht. Plötzlich sind E-Commerce-Aktien wieder gefragt und verbuchen sprunghafte Kursgewinne. Das Comeback erklärt sich zum einen aus den übertriebenen Korrekturen, zum andern weil die Kerngeschäfte trotz der Weltkrisen solide weiter wachsen. So meldet Amazon, das mit allerlei Problemen mit seiner Beteiligung am E-Autohersteller Rivian kämpft, für das zweiten Quartal 2022 über alle Betriebszweige hinweg einen Erlös von 121,2 Milliarden Dollar. Das bedeutet für den Onlinehändler ein Wachstum gegenüber dem Vorjahresquartal Q2 2021 von beachtlichen zehn Prozent.

Das Blutbad hat es auch unter den deutschen E-Commerce-Aktien von Zalando bis Social Chain gegeben.

Hierzulande spielt der Ukraine-Krieg und die Kaufzurückhaltung vieler Konsumenten nach dem Kriegsausbruch ein zusätzlich belastende Rolle. Investoren sind daher besonders kritisch. Doch bei Social Chain scheint nun ein Befreiungsschlag gelungen. Die Aktie ist alleine am vergangenen Freitag um 20 Prozent empor geschnellt. Von den Tiefständen unter 5 Euro hat sich der Titel binnen kurzer Zeit fast verdoppelt. Und Börsenhändler erwarten, dass sich das in den nächsten Wochen fortsetzen könnte.

Bei dem Unternehmen sind die beiden Promi-Investoren Georg Kofler und Ralf Dümmel (ein Millionenpublikum kennt die beiden über die TV-Sendung „Höhle der Löwen“)

Mit-Gesellschafter und treiben das Geschäft voran. Nun haben sich die beiden eine beherzte Portfoliobereinigung beschlossen. Dabei werden - nicht zimperlich - die Firmen RAVENSBERGER Matratzen GmbH, Carl Wilhelm Clasen GmbH, DEF Media GmbH und bytepark GmbH „kurzfristig veräußert“. Die Social Chain will nicht mehr um jeden preis umsatzwachsen, die will vor allem die Gewinne steigern.  Das Unternehmen verkündet nun als Hauptziel „Profitabilität“.
An der Börse kommt dieser Paukenschlag sehr gut an. Zumal der neue Finanzvorstand Andreas Schneider ankündigt, dass man trotz der Verkäufe im Gesamtjahr 2022 einen Umsatz von 415 Millionen Euro erwarte. Vor allem aber sagt Schneider: „Trotz des schwierigen Umfeldes rechnen wir mit einer positiven EBITDA-Marge vor Adjustierungen von 4 bis 5 Prozent für das Gesamtjahr.“ Sollte das auch nur annähernd so kommen, dann wäre die Aktie derzeit massiv unterbewertet - also greifen spekulative Gemüter plötzlich zu.

An der Börse wird die Offenheit der neuen Führung geschätzt.

Der Vorstandsvorsitzende Wanja Oberhof erklärt in einer Aktionärsinformation unverblümt: „Natürlich haben auch wir als substanziell investierte Unternehmer den Aktienkurs zur Kenntnis genommen. Die aktiven Hauptaktionäre, allen voran unser Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Georg Kofler, die ehemaligen Gesellschafter der DS Gruppe und ich haben bei der letzten Kapitalerhöhung bei 46,40 EUR mit knapp 20 Millionen EUR weiter in die Social Chain AG investiert. Wir bleiben der Gesellschaft langfris- tig verbunden, weil wir überzeugt sind, dass wir mit den verschiedenen Standbeinen und dem Fokus auf Social Commerce gut für die Zukunft aufgestellt ist. Aktuell steht unser Marktsegment an der Börse stark unter Druck, aber wir sind sicher, dass wir dem Markt beweisen können, dass wir solide und profitabel wachsen werden.“

Die doppelte Botschaft lautet. Die prominenten Gesellschafter bleiben - entgegen mancher Unkenrufe - nicht nur an Bord, sie haben selber weiter investiert. Otto-Normalanleger fragt sich daher nun: Wenn ein Star-Investor und TV-Löwe wie Georg Kofler für 46,40 Euro die Aktie kauft, wieso sollte man sie dann nicht jetzt für 10 Euro ebenfalls ins Depot legen?

BAS

15.08.2022 | 11:18

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