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US-Justiz setzt Facebook unter Druck


Laut der New York Times haben Bundesanwälte aus den USA eine Untersuchung gegen den Facebook-Konzern eingeleitet, weil die Netzwerkplattform Geräteherstellern Zugriff auf Nutzerdaten gewährt hat. Kurz nachdem die Aktie wieder in die Spur gefunden hat, gerät der Konzern erneut unter Druck. Was Anleger jetzt wissen sollten

Keine Freundschaft: Facebook und die Behörden. Das soziale Netzwerk missbrauche seine marktbeherrschende Stellung und muss das Sammeln von Nutzerdaten über andere Dienste und Seiten deshalb ändern. Das hat das Bundeskartellamt bereits im Februar entschieden. Jetzt steht der Konzern auch im Visier der US-Justiz. Bundesanwälte in New York ermitteln strafrechtlich gegen den Tech-Giganten. Grund ist mal wieder der von den Behörden als mangelhaft eingestufte Umgang mit den Nutzerdaten. Über zehn Jahre habe der Konzern private Daten an zahlreiche Endgeräthersteller weitergegeben. Betroffen sind insbesondere Smartphonehersteller – aber auch Amazon, Apple, Microsoft und Sony. Insgesamt sollen es mehr als 150 Unternehmen sein.

Eine Grand Jury, die in einem nicht öffentlichen Verfahren prüft, ob die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise eine Anklage rechtfertigen, hat dem New-York-Times-Bericht zufolge Informationen von mindestens zwei Firmen angefordert. Da amerikanische Grand-Jury-Verfahren generell nicht öffentlich sind, gibt es weder Angaben zur bisherigen Dauer der Facebook-Ermittlungen noch zum konkreten Strafbestand. Klar ist aber, dass Facebook bereits 2007 eine Schnittstelle, die „Device-Integrated-API“ veröffentlicht hatte. Diese erlaubte es Geräteherstellern auf die Facebook-Daten der rund 2,2 Milliarden Mitgliedern zuzugreifen. Laut dem Unternehmen, seien die Gerätehersteller aber nicht „Dritte“, sondern „Service Provider“ – eine Deklaration, die Datenweitergabe an konzernfremde Unternehmen legalisiere. Facebook sicherte zu, bei den Ermittlungen der US-Justiz zu kooperieren: „Wir arbeiten mit Ermittlern zusammen und nehmen diese Tests ernst. Wir haben öffentliche Aussagen gemacht, Fragen beantwortet und zugesagt, dass wir dies auch weiterhin tun werden.“

Zudem kommt, dass einer der engste Mitarbeiter von Facebook-Chef Mark Zuckerberg das Handtuch schmeißt – ausgerechnet der Kronprinz des Unternehmens, der hinter Geschäftsführerin Sheryl Sandberg die Nummer drei im Unternehmen war. Die Hintergründe des überraschenden Abgangs sind unklar, würden aber mit Streitigkeiten über die weitere Konzernstrategie zu tun haben, heißt es aus Unternehmenskreisen. Anleger waren von der Nachricht nicht begeistert. Die Konsequenz: der Kurs gab deutlich nach. Die Bullen freuten sich, nutzten die vorrübergehende Schwäche als Kaufgelegenheit und schickten die Papiere damit wieder nach oben.

Dabei hatte das laufende Jahr mit der Bekanntgabe der vierten Quartalszahlen aus 2018 so gut begonnen. Facebook begeisterte seine Anleger: 6,68 Milliarden Dollar Rekordgewinn. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von rund 61 Prozent. Dieser Vergleich ist aber nicht ganz aussagekräftig, weil der Konzern im Vorjahr eine einmalige Abgabe aus Auslandsgewinnen im Zuge der US-Steuerreform leisten musste. Aussagekräftiger sind die Umsatz- und Nutzerzahlen des Weihnachtsquartals im Jahresvergleich. Diese sind um 30 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar gestiegen. Auch die Zahl monatlicher aktiver Nutzer wuchs binnen drei Monaten um etwa 50 Millionen auf insgesamt 2,32 Milliarden. Damit nutzen rund 2,7 Milliarden Menschen mindestens eine Facebook-App. Anleger, deren Erwartungen vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen verhältnismäßig zurückhaltend waren, zeigten sich erfreut. Die Aktie kletterte nachbörslich um fast neun Prozent du ist derzeit für rund 160 Dollar zu haben. Der Umsatz von Facebook sei deutlich besser als erwartet ausgefallen, sagt Heather Bellini, Analystin bei Goldman Sachs.

Zu einem gesunden Aufwärtstrend gehören Rücksetzer und kleine Zwischenkorrekturen dazu. Experten sehen derzeit noch keine Gefahr, dass der seit Wochen anhaltende Aufwärtstrend wegen des steigenden Drucks der Behörden gefährdet wäre. Erst wenn der Kurs die magische Marke bei 160 Dollar nach unten brechen würde, wäre der Trendbruch klar und deutlich erkennbar, meint ein Analyst von Lynx. Solange die Bullen die Papiere oberhalb dieser Linie halten, bestünden weiterhin gute Einstiegsgelegenheiten. Sollte die Anklage der US-Justiz allerdings ernste Konsequenzen auf das Geschäftsmodell, nämlich die Datenweitergabe an konzernfremde Unternehmen, haben, könnte Mark Zuckerberg ein Problem bekommen. Denn dann würde das Online-Netzwerk Werbekunden – die wohl eigentlichen Kronprinzen des Unternehmens - aufgrund rechtlicher Restriktionen verlieren.

Florian Spichalsky

21.03.2019 | 13:42

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