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US-Riesenfonds steigt bei Flatex-DEGIRO ein 



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FlatexDEGIRO ist zu Europas größten Online-Broker aufgestiegen. Doch eine Ermahnung der Bafin ließ den Kurs im Dezember absacken. Nun nutzen offenbar große Investoren die niedrigen Kurse zum Schnäppchenkauf

Der amerikanische Finanzkonzern T. Rowe Price hat kurz vor dem Jahreswechsel ein größeres Aktienpaket bei der deutschen FlatexDEGIRO gekauft. Dies geht aus einer offiziellen Mitteilung „nach Paragraf 40 des Wertpapierhandelsgesetzes“ hervor, die nötig wird, wenn ein Investor mehr als 3 Prozent des Aktienkapitals übernimmt. T Rowe Price hat nach den Zukäufen nun offenbar 6,49 in Aktien und Instrumenten.

Die amerikanische Gruppe aus Baltimore ist einer der größten Kapitalanleger der Welt mit 1,34 Billionen Dollar „Assets under Management“ (Stand Ende November 2022).

Das 1937 gegründete Unternehmen T. Rowe Price ist seit Jahrzehnten auf Investitionen in „Growth Stocks“ spezialisiert. Der amerikanische Finanzriese sucht global nach günstigen Einstiegschancen in wachstumsstarke Unternehmen. Bei FlatexDEGIRO hat man in den USA nun offenbar eine Investitionsgelegenheit ausgemacht.

Das deutsche Fintech hat sich in den vergangenen Jahren zu Europas größtem Online-Broker gemausert.

Von 2019 bis 2021 hat sich die Zahl der abgewickelten Transaktionen von 12 Millionen auf 91 Millionen mehr als versiebenfacht, ´das verwahrte Kundenvermögen wurde von 14,5 Milliarden Euro auf über 40 Milliarden Euro fast verdreifacht. Bis Ende September 2022 sind die Kundenaccounts von 390.000 im Jahr 2019 auf 2,4 Millionen gewachsen. FlatexDEGIRO erwartet nach letzten Zahlen für das Gesamtjahr 2022 Umsatzerlöse in Höhe von 380 Millionen Euro und eine EBITDA-Marge von 37 Prozent.

Die eigentlich sehr guten Zahlen sind an der Börse bislang nicht honoriert worden, weil das Unternehmen im Dezember bekannt geben musste, dass die Bafin den Broker streng geprüft und eine Rüge ausgesprochen hat. Die deutsche Aufsichtsbehörde betrachtet FlatexDEGIRO nicht mehr als "kleines und nicht-komplexes" Institut, was zu erhöhten regulatorischen Anforderungen führt, begleitet von einem höheren Aufsichtsniveau. Kurzum: Das Fintech wird fortan wie eine Großbank betrachtet und geprüft. Aktionäre reagierten verunsichert auf die Nachricht, der Aktienkurs fiel zwischenzeitlich auf Kurse von unter 5,70 Euro.

Diese niedrige Bewertung führt nun aber offenbar dazu, dass Schnäppchenjäger zuschlagen. Der Aktienkurs hat sich von seinen Tiefs leicht erholt und liegt jetzt wieder über 6 Euro. Die Nachricht von T. Rowe Price aber eröffnet ein völlig neues Spekulationsszenario. Wenn so große Adressen sich Pakete sichern, könnte FlatexDEGIRO auch als ein Übernahmekandidat gelten.      

BAS
 

 

28.12.2022 | 14:03

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