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Vier US-Tech-Riesen – sind sie bereits unantastbar?

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Sie gehören zu den wertvollsten und mächtigsten Konzernen der Welt. Milliardengewinne beinahe so selbstverständlich wie ein heißer Sommer in Kalifornien. Und steigende Börsenkurse? Anleger haben sich seit vielen Jahren an sie gewöhnt. Apple, Google, Facebook oder Amazon scheinen oft nicht nur unantastbar, in vielerlei Hinsicht sind sie es wirklich. Ein Leben ohne sie ist längst unvorstellbar – und die Marke mit dem Apfel ist kurz davor, als erster Konzern die Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar zu erreichen.

Von Oliver Götz

Was war der Aufschrei groß, als Mitte März öffentlich wurde, dass Cambridge Analytica unerlaubterweise an Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern gelangt war. Das, was man sich eigentlich längst hätte denken können – und viele dachten es ja auch – war eingetreten. Und dann gleich in solch einem Ausmaß. Tagelang schaute einen in der Folge das Gesicht von Mark Zuckerberg aus Zeitungen, Fernsehbildschirmen und – die Ironie lässt grüßen – Facebook an. Auf einmal schien sein Lebenswerk an einem äußerst seidenen Faden zu hängen. Innerhalb weniger Tage verlor Facebook mehr als 70 Milliarden Dollar an Börsenwert, der Aktienkurs rauschte um 18 Prozent in die Tiefe. Und zog einen Großteil der US-Tech-Branche gleich mit. Google-Mutter Alphabet traf es mit einem Minus von vierzehn Prozent in der zweiten März-Hälfte am härtesten.

Der Datenskandal hatte sie zum ersten Mal in erkennbare Gefahr gebracht, die Unantastbarkeit der FAANG-Konzerne, zu denen neben den Schwergewichten Facebook, Google, Apple und Amazon auch der Streaming-Dienst Netflix gehört. Immer öfter wird ihnen auch noch ein sechster Buchstabe hinzugefügt. FAANG+M heißt das dann. Oder eben: FAANG plus Microsoft.

Anleger zeigten sich verunsichert. Vor allem, da unter Analysten schon lange eine lebhafte Debatte darüber geführt wird, wann die amerikanischen Technologie-Werte wohl an ihre Wachstumsgrenzen kommen und mit Marktsättigungen zurechtkommen müssen. Dann präsentierten Facebook, Google und Co. Ende April und Anfang Mai ihre Zahlen für das erste Quartal 2018. Und die Begeisterung kam zurück. Die Kurse, sie stiegen wieder. Eindrucksvoller und schneller als Mark Zuckerberg, Larry Page, Tim Cook und Jeff Bezos konnte man sie nicht zurückgewinnen, die eigene Unantastbarkeit. Der Grund: An ihren Produkten und Dienstleistungen kommt man heutzutage kaum noch vorbei. Sie erleichtern uns den Alltag so sehr, dass ein Datenskandal offenbar nicht ausreicht, um auf sie zu verzichten.

1.) Facebook – Herrscher über die Kommunikation

Zu Mark Zuckerbergs Imperium gehört schließlich nicht nur das soziale Netzwerk, sondern auch Instagram und WhatsApp. Gemeinsam mit dem Facebook-Messenger gehören diese Apps zu den zehn, die weltweit die meisten Downloads melden. Die Kalifornier beherrschen damit einen Großteil der modernen und digitalen Kommunikation des Menschen. Facebook als Gesamtkonzern zu ignorieren bedeutet damit also gleichzeitig nichts anderes als das Ignorieren eigener Interessen. Und das macht keiner gern. Vor allem wenn dabei „nur“ Daten missbraucht werden. Ein Aufschrei sollte schon sein, aber danach scheint die Sorge um die eigene Gläsernheit offenbar recht schnell wieder zu verschwinden. Geld verliert man ja schließlich keines.

Und damit verdienen es die genannten Konzerne weiter in gewohnter Regelmäßigkeit. Die Anzeigenumsätze von Facebook kletterten im ersten Quartal 2018 um 50 Prozent in die Höhe, der Gesamtumsatz um knapp 50 Prozent auf 11,97 Milliarden Dollar. Der Gewinn sprang sogar um 63 Prozent auf 4,98 Milliarden Dollar nach oben, was letztlich einem von 1,69 Dollar je Aktie entspricht. Analysten hatten im Schnitt nur mit 1,35 Dollar gerechnet – und wurden damit eindeutig eines besseren belehrt. Darüber hinaus zählte Facebook in den ersten drei Monaten des Jahres 70 Millionen neue Mitglieder, meldete zudem einen Anstieg der Firmenreichweite um 13 Prozent und eine neue monatliche Rekordnutzerzahl in Höhe von 2,2 Milliarden. Sogar auf dem größtenteils als gesättigt geltenden US-Markt stieg die Zahl um eine Million Menschen auf 185 Millionen.

2.) Google – Daten, Daten und kein Ende

Ähnlich gut wie bei  Zuckerbergs interaktivem Bilderbuch lief es bei Google, der Mega-Suchmaschine von Alphabet. Auch hier hatten sich die Analysten verschätzt, Umsatz und Gewinn stiegen auf 31 Prozent, respektive 9,4 Milliarden Dollar. Dass entspricht Zuwächsen von 26 und 73 Prozent. Dass der Gewinn so üppig ausfiel, hängt zum Teil an positiven Bilanzierungseffekten und an Donald Trumps Steuerreform – aber auch dessen ungeachtet ist er astronomisch hoch. Für Google wohl ohnehin wichtiger: Die Zahl der bezahlten Klicks auf Werbeanzeigen stieg um 59 Prozent. Da scheint es verschmerzbar, dass die Einnahmen pro Klick um knapp 20 Prozent zurückgingen.

Google zu ignorieren dürfte derweil mindestens genauso schwierig sein, wie die Dienste von Facebook abzulehnen. Im Internet ohne die Suchmaschine suchen? Wer es einmal probiert hat, dürfte ein „mangelhaft“ notieren, vielleicht gerade so „ausreichend“. Definitiv macht man es sich damit nicht leichter. Youtube bei der Videosuche außen vor lassen? Möglich, die Ergebnisse sprechen dann aber auch eine eindeutige Sprache. Ohne GoogleMaps auf dem Smartphone ans Ziel kommen? Für immer mehr Menschen eine gewagte Herausforderung.

3.) Amazon – Aktienkurs ist explodiert

Relativ unsicher war die Geldanlage lange Zeit in Form von Amazon-Aktien, denn Jeff Bezos schrieb mit seinem Konzern zugunsten höherer Umsätze über Jahre hinweg rote Zahlen. Als er 2016 dann den Sprung in die Gewinnzone schaffte und seither Quartal um Quartal Profite erwirtschaftet – auch und vor allem durch ein starkes Cloud-Geschäft – ist Bezos der Mann und Amazon der Konzern der Stunde. Die Aktie von Amazon stieg seitdem um mehr als 300 Prozent von 507 auf 1.580 US-Dollar. Bezos wurde damit einhergehend zum reichsten Menschen der Welt.

Im ersten Quartal 2018 lag der Umsatz bei 51 Milliarden Dollar. Und damit um 43 Prozent höher als im Jahr zuvor. Der Nettogewinn verdoppelte sich gar auf 1,6 Milliarden Dollar. Großen Anteil daran hatte Tochter AWS und damit das bereits angesprochene Cloud-Geschäft. Hier stieg der operative Gewinn auf 1,4 Milliarden Dollar. Ein Großteil der Amazon-Profite und damit wohl auch ein Großteil der Kurzuwächse in den letzten beiden Jahren gehen damit auf diese Sparte zurück. Für Amazon ist sie ein wichtiger Schritt hin zur Unantastbarkeit. Oder wie das Handelsblatt schrieb: „Der Masterplan des rastlosen Jeff Bezos zur Weltbeherrschung beginnt mit beängstigender Präzision aufzugehen.“

4.) Apple – Aktie auf Höhenflug, die Billion rückt näher

Wie Kundenbindung funktioniert, das wusste auch Steve Jobs. Es gibt Menschen, die behaupten: Wer Marketing verstehen will, muss Jobs verstehen. Oder besser gesagt das, was er der Welt in Wort und Schrift hinterlassen hat. Apple jedenfalls profitiert bis heute von Jobs Ideen und Strategien. Produkte und Dienstleistungen des Konzerns sind so intelligent miteinander vernetzt oder aufeinander aufgebaut, dass nicht wenige Menschen auch noch folgendes sagen: Einmal Apple, immer Apple. Das gibt dem Silicon-Valley-Urgestein eine Marktmacht, die ihresgleichen sucht. Das neue iPhone X kostet inzwischen mehr als 1.000 Dollar. Dennoch war es laut CEO Tim Cook im abgelaufenen Quartal in jeder Woche die meistverkaufte Smartphone-Variante von Apple. Durch den hohen Preis des Luxus-iPhones verteuerte sich der Durchschnittspreis für Apples smartes Telefon auf 728 Dollar. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag dieser noch bei 655 Dollar.

Von Analysten waren deutlich schwächere Verkäufe erwartet worden, womit Apple schlussendlich klar die Umsatz- und Gewinnschätzungen übertraf. Aller Befürchtungen mit Blick auf Handelsstreitigkeiten, Konkurrenz aus China und der einsetzenden Marktsättigung für Smartphones zum Trotz hat Apple im ersten Quartal 2018 nicht nur den Umsatz um 16 Prozent auf 61,6 Milliarden Dollar, sondern auch den Gewinn um 25 Prozent auf 13,8 Milliarden Dollar gesteigert. Anleger schickten den Kurs daraufhin um mehr als zehn Prozent auf ein neues Rekordhoch von 183,83 US-Dollar nach oben. Die Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar ist damit so nah wie nie. Einer Dividendenanhebung um 16 Prozent auf 0,73 Dollar und einem neuen Aktienrückkaufprogramm im Wert von 100 Milliarden Dollar als zusätzlichem Schmankerl sei Dank. Apple bleibt damit vor allem an der Börse unantastbar und scheint in volatilen Zeiten immer mehr zur vergleichsweise sicheren Anlage zu werden.

Die glorreichen Vier

In der Tat ist es beängstigend, wie viel Macht Amazon, Apple, Google und Facebook inzwischen angehäuft haben. Bereits jetzt beherrschen sie ihre jeweiligen Märkte nach Belieben. Dabei häufen sich Cash-Summen an, mit denen sich fast jeder Konkurrent einfach aufkaufen ließe, hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz möglich werden oder mit denen man seine Aktionäre kurzerhand mit Rückkaufprogrammen in Milliardenhöhe belohnen kann. Die Aktienkurse könnten trotz der hohen Bewertungen also durchaus noch weiter steigen, die Unantastbaren noch unantastbarer werden. Niemals vergessen allerdings sollte man die Chinesen. Dort, im Reich der Mitte, lauert derzeit wohl die einzige wirklich ernstzunehmende Konkurrenz. Und die könnte langfristig deutlich mehr anrichten, als ein Datenskandal. Mark Zuckerberg jedenfalls, ist schon längst wieder von den Titelseiten verschwunden.

12.05.2018 | 19:52

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