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Vossloh: bleibt in der Spur!



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„Wir bleiben optimistisch und gehen weiterhin davon aus, dass die Nachfrage nach Schieneninfrastruktur und innovativen Schienenfahrzeugen zunehmen wird“, betonte Firmenchef Werner Andree bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen. Er bestätigte außerdem die Prognosen für 2009 und 2010 und begründete dies mit dem weiter gestiegenen Auftragsbestand, der bis ins Jahr 2010 hineinreicht. Konkret standen Ende März Bestellungen mit einem Volumen von 1,18 Mrd. Euro in den Büchern und damit 4,2% mehr als vor einem Jahr. Bei den Auftragseingängen verbuchte das Unternehmen sogar einen Zuwachs von 32,6% auf 339,1 Mio. Euro. Erst jüngst hatte das spanische Unternehmen „Valencia Stadtbahnen“ für einen dreistelligen Millionenbetrag geordert.

Stabiler Umsatz

Der Umsatz im Auftaktquartal blieb mit einem leichten Plus von 0,2% auf 288,9 Mio. Euro nahezu stabil. Neben saisonalen Einflüssen führte der Konzern den nur leichten Zuwachs auf eine verhaltene Nachfrage in einzelnen Regionen zurück. Außerdem hieß es, dass ein Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum nur eingeschränkt aussagefähig ist, da damals wegen der Fertigstellung größerer Projekte besonders hohe Umsätze erzielt wurden. Verantwortlich für das dennoch gute Abschneiden war vor allem die Sparte Rail Infrastruktur, in der der Konzern Schienenbefestigungssysteme (Vossloh Fastening Systems) sowie Weichen, Steuerungs- und Kontrollsysteme (Vossloh Switch Systems) herstellt. Während die Erlöse mit Schienenbefestigungen dank eines guten Inlandsgeschäft sowie der Abarbeitung von Aufträgen aus China um 76,1% auf 56 Mio. Euro kletterten, verbuchte das Segment Switch Systems einen Rückgang um 17,5% auf 96,5 Mio. Euro, was unter anderem an den schwachen Geschäften in Nordamerika lag. Insgesamt erzielte die Sparte Rail Infrastruktur damit ein Umsatzplus von 3,2% auf 152,1 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich um 4,6% auf 25,2 Mio. Euro. In der zweiten Konzernsäule Motive Power & Components, in der Vossloh moderne Diesellokomotiven und Züge für den Personennahverkehr sowie Instandhaltungsdienstleistungen und die Vermietung von Lokomotiven anbietet, gab es hingegen rückläufige Ergebnisse. Der Umsatz schrumpfte von 141 auf 136,6 Mio. Euro, das EBIT verringerte sich um 12,1% auf 9,4 Mio. Euro.

Steigende Gewinne

Insgesamt konnte der Konzern beim EBIT jedoch ein kleines Plus von 0,7% auf 30,5 Mio. Euro verbuchen. Zudem lag die EBIT-Marge mit 10,6% knapp über dem Niveau des ersten Quartals 2008 von 10,5%. Deutlich höhere Zinserträge sorgten ferner dafür, dass der Nachsteuergewinn mit 4,6% auf 20,3 Mio. Euro überproportional zulegte. Zwar waren die Zuwächse bei den Erträgen nur marginal, aber Vossloh verbuchte wenigstens Steigerungen und der Konzern ist damit im Vergleich zu vielen anderen deutschen Industriefirmen, die rückläufige Gewinne verbuchen mussten, eine Ausnahme. Der Gesellschaft kommen dabei die Besonderheiten des Marktes zugute. Projekte in Schieneninfrastruktur sind meist langfristig angelegt und oft staatlich finanziert. Vor dem Hintergrund der weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme, mit denen vielerorts auch die Infrastruktur ausgebaut werden soll, dürfte Vossloh davon zusätzlich profitieren. Insgesamt sollte der Konzern damit wohl gut durch die aktuelle Wirtschaftsflaute kommen.

Weiteres Wachstum

Die anhaltende Zuversicht über die weitere Geschäftsentwicklung spiegelt sich auch bei den Investitionen wider. Vossloh modernisiert und baut einerseits die eigenen Standorte weiter aus. Zudem steckt man Geld in die Weiterentwicklung der Produkte, wie beispielsweise im Bereich Lokomotiven. Zuletzt verstärkte man sich außerdem durch den Kauf des polnischen Weichenherstellers KolTram für 21,8 Mio. Euro, der 2008 Umsätze von etwa 20 Mio. Euro erzielte. Erklärtes Ziel ist es, trotz aller weltwirtschaftlichen Turbulenzen weiter zu wachsen.

Prognosen bekräftigt

Dieses Ziel spiegelt sich auch in den kräftigen Prognosen wider. Für das laufende und das nächste Jahr peilt der Konzern Umsatzzuwächse von 6,5% und 6,1% an. Lagen die Einnahmen 2008 bei 1,21 Mrd. Euro, dürften sie damit auf 1,29 bzw. 1,37 Mrd. Euro klettern. Gleichzeitig soll das EBIT von 137,7 Mio. Euro im vorigen Jahr auf 138 Mio. Euro (2009e) sowie 151 Mio. Euro (2010e) verbessert werden. Beim Nachsteuergewinn rechnet Vossloh für 2009 mit einem Rückgang gegenüber den um Sondereffekte bereinigten Vorjahreswert von 7,1% auf 86 Mio. Euro, was laut Unternehmen an einer höheren Steuerquote liegen dürfte. 2010 wird dann ein Plus von 11,6% auf 96 Mio. Euro erwartet. Die Prognosen für das Ergebnis je Aktie (EPS) liegen bei 6,37 Euro (2009e) und 7,11 (2010e) Euro. Voraussetzung für das Erreichen der Ziele ist nach Firmenangaben jedoch, dass sich die Nachfrage in Nordamerika im weiteren Jahresverlauf belebt und es in China zu Folgeaufträgen kommt. In der Volksrepublik hatte das Unternehmen bereits einen Großauftrag für Schienenbefestigungen gewonnen, der aktuell abgearbeitet wird. In den nächsten Wochen wird eine neue Ausschreibung erwartet. Analysten sprechen von einem möglichen Volumen von 200 bis 250 Mio. Euro.

FAZIT

Nachdem Vossloh im vergangenen Jahr seine ambitionierten Ziele klar übertreffen und neue Spitzenwerte bei den Ergebnissen einfahren konnte, scheinen die Weichen auch für künftiges profitables Wachstum gestellt. Basis dafür ist die seit 2008 konsequente Fokussierung auf die zwei starken und zukunftsträchtigen Geschäftsbereiche, die einerseits von der weltweiten Renaissance der Schiene und andererseits von den vielerorts aufgelegten Konjunkturprogrammen profitieren sollten. Aus fundamentalen Gesichtspunkten bleibt die Aktie somit ein vielversprechendes Investment für langfristige Investoren. Charttechnisch betrachtet bildete das Papier nach einer kräftigen Erholung vom Korrekturtief im November 2008 seit Jahresbeginn eine sich verengende Konsolidierungsformation aus. Sollte nun ein nachhaltiger Ausbruch nach oben gelingen, wäre dies als technisches Kaufsignal zu werten und könnte zunächst Potenzial bis in den Bereich von 86,50 Euro eröffnen. Anschließend wäre dann auch ein Anstieg bis zum bisherigen Allzeithoch von Mai 2008 bei 99,49 Euro denkbar. Eine Verletzung der unteren Begrenzung der Konsolidierungsformation wäre indes negativ zu bewerten, sodass eine Absicherung knapp darunter sinnvoll ist.

06.11.2009 | 00:00

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