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AmSurg: auch ein Profiteur von Obamas Gesundheitsreform?

Die US-Gesundheitsreform ist beschlossen. Nach langem Ringen nahm sie in der vergangenen Woche die parlamentarischen Hürden und Präsident Barack Obama will das Gesetz mit der umfassendsten Sozialreform seines Landes der letzten Jahrzehnte nun bald unterschreiben. Als Profiteure gelten Klinikbetreiber, wie die teilweise oft auszumachenden ersten positiven Kursreaktionen zeigen. Auch die Aktie von AmSurg legte zunächst zu, gab dann aber wieder nach. Allerdings könnte der Betreiber von Zentren für ambulante Chirurgie ebenfalls vom neuen Gesetz profitieren. Er macht aber auch sonst einen vielversprechenden fundamentalen Eindruck.

BÖRSE am Sonntag

Die Gesellschaft wurde 1992 mit dem Zweck gegründet, Zentren für ambulante Chirurgie (ambulatory surgery centers, kurz ASCs) zu entwickeln, zu akquirieren und in Zusammenarbeit mit Gemeinschaftspraxen von Ärzten zu betreiben. Angesiedelt sind diese vergleichsweise kleinen Einrichtungen typischerweise direkt in oder in der näheren Umgebung von Ärztegemeinschaften, die sich auf bestimmte Fachgebiete fokussiert haben. Jedes von AmSurg betriebene ACS ist dabei auf wenige unkomplizierte chirurgische Eingriffe, oft auf nur einen einzigen, spezialisiert und technisch ausgestattet, was für eine bessere Planbarkeit, einen höheren Patientendurchsatz und damit eine bessere Auslastung sorgt. Außerdem können Personal, medizinische Geräte und Materialien effektiver eingesetzt werden. In Konsequenz aus diesen Faktoren sind die Behandlungskosten nach Angaben der Gesellschaft in der Regel geringer als in Kliniken und herkömmlichen ambulanten Einrichtungen mit mehreren Fachgebieten und das bei qualitativ gleich guter Patientenversorgung.

Wunsch der Ärzte

Geboren wurde dieses einleuchtend klingende Geschäftsmodell bei der Vorgängergesellschaft. Sie stand Ärzten bei der Entwicklung und Umsetzung von spezialisierten ambulanten chirurgischen Einrichtungen beratend zur Seite und half außerdem bei der Zertifizierung durch die öffentliche und bundesstaatliche Krankenversicherung der USA (Medicare). Diese Ärzte äußerten wiederholt den Wunsch nach einem Geschäftspartner für die ambulanten chirurgischen Praxen, der bei Finanzierung und Management hilft und einen Teil des Risikos übernimmt. Daraus entwickelte sich schließlich die Geschäftsidee, und AmSurg gilt als Pionier für das Konzept von spezialisierten ambulanten chirurgischen Zentren. Ende 2009 war der Konzern mehrheitlich an 202 operativ tätigen ASCs beteiligt.

Perfekte Symbiose

Jedes davon ist entsprechend dem Spezialgebiet der Ärzte und den angebotenen Eingriffen ausgestattet. Fokussiert hat sich die Gesellschaft auf Einrichtungen, die kleine chirurgische Operationen und Eingriffe im Verdauungstrakt (Darmspiegelung, andere endoskopische Untersuchungen), an den Augen (Laserbehandlungen, operative Behandlung grauer Star), am Skelett (Kniespiegelung, Operationen bei Karpaltunnelsyndrom) sowie an Hals, Nase und Ohren (Mandelentfernung) vornehmen. In der Regel ist eine ambulante Praxis etwa 270 bis 400 Quadratmeter groß und beinhaltet zwei oder drei Operationssäle sowie die dazu gehörenden Bereiche (Rezeption, Vorbereitungs- und Aufwachraum, Verwaltung) und führt im Jahr etwa 3.000 bis 6.000 Eingriffe durch. Die Partner von AmSurg konzentrieren sich dabei in erster Linie auf die Patienten, während die Gesellschaft vor allem für einen reibungslosen operativen Ablauf sorgt und für Finanzen, Verwaltung und Marketing zuständig ist. Beide Partner bilden somit eine perfekte Symbiose, mit der sich außerdem gutes Geld verdienen lässt.

Starke Zahlen

Seit dem Börsengang 1997 ist die Gesellschaft jedes Jahr profitabel gewachsen und steigerte Umsatz sowie Ergebnis je Aktie (EPS). So auch im Geschäftsjahr 2009. Der Umsatz stieg zum Vorjahr um 11,4% auf 668,8 Mio. US-Dollar. Beim Nachsteuergewinn legte der Konzern um 8,6% auf 181,9 Mio. US-Dollar zu. Zieht man den Gewinnanteil der Minderheitsaktionäre ab, bleiben für die Aktionäre von AmSurg 52,2 Mio. US-Dollar Profit übrig, gut 11% mehr als im Vorjahr. Daraus ergibt sich schließlich ein Gewinn je Aktie von 1,71 US-Dollar, nach 1,55 US-Dollar 2008. Diese Zahlen können sich sehen lassen. Dies gilt umso mehr beim Blick auf die Margen. Operativ waren es 2009 fast 34%. Legt man den Gewinn vor Abzug der Minderheitenanteile zugrunde, warf das Geschäft etwa 27% ab. Auch im Vergleich mit den Wettbewerbern, insbesondere klassischen Klinikbetreibern, braucht sich die Gesellschaft nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Bei den operativen Margen liegt AmSurg klar vor den deutlich nach Umsatz größeren Betreibern von Krankenhäusern Community Health Systems, Universal Health Services und Tenet Healthcare, die 2009 jeweils weniger als 10% auswiesen. Aber nicht nur hier kann AmSurg punkten, sondern auch in Sachen finanzieller Substanz. Während die Gesellschaft eine Eigenkapitalquote von etwa 48% hat, sind es beispielsweise bei Community Health Systems 13,9% und bei Tenet Healthcare sogar nur 8%. Damit nicht genug, auch bewertungstechnisch zeigt AmSurg bessere Werte als die Konkurrenz.

Günstig bewertet

Das KGV (2010) von 12,8 liegt deutlich unter den Branchendurchschnitt von 17,7. Ähnlich sieht es beim Kurs-Buchwert-Verhältnis aus. Auch hier ist die Aktie von AmSurg mit 1,33 günstiger als die Wettbewerber mit durchschnittlich 3,53. Umso verwunderlicher ist es, das die Aktie in der vergangenen Woche schlechter abschnitt als beispielsweise die Papiere von Community Health Systems, Universal Health Services und Tenet Healthcare. Dabei sollte doch auch AmSurg von der US-Gesundheitsreform profitieren, schließlich gilt es die riesigen Kosten für das US-Gesundheitswesen im Zaum zu halten. Dies ist künftig wohl noch nötiger, da mit der Reform nun noch höhere Ausgaben anfallen. Mit ihrem Geschäftsmodell könnte die Gesellschaft daher ein gefragter Anbieter sein.

Fazit

AmSurg besetzt eine interessante Nische im US-Gesundheitssektor. Fokussiert auf kleine spezialisierte ambulante chirurgische Praxen, die in Zusammenarbeit mit Ärztegemeinschaften betrieben werden, zeichnet sich das medizinische Angebot durch eine hohe Effizienz und niedrige Kosten bei gleichzeitiger Gewährleistung einer hohen Behandlungsqualität aus. Damit bietet die Gesellschaft eine Alternative zum teureren Aufenthalt in Kliniken. Gerade vor dem Hintergrund riesiger Kosten im US-Gesundheitswesen, das durch die jüngst verabschiedete Reform, noch größere Ausgaben haben wird, scheint das Geschäftsmodell von AmSurg daher sehr vielversprechend und langfristig aussichtsreich. Das Unternehmen dürfte daher wohl seinen stetigen profitablen Wachstumskurs der vergangenen Jahre fortsetzen. Abgerundet wird das fundamental positive Bild durch eine im Vergleich zur Branche günstige Bewertung sowie solide Bilanzkennziffern.

Zwar blieb bislang im Gegensatz zu den anderen börsennotierten Wettbewerbern eine positive Reaktion auf die Verabschiedung der US-Gesundheitsreform aus, dies könnte aber daran liegen, dass die Konkurrenten zumeist eine höhere Marktkapitalisierung haben und daher eher im Fokus der Investoren stehen. Sollte der Sektor nun jedoch genauer unter die Lupe genommen werden, könnte AmSurg als deutlich profitablerer und zudem günstigerer Wert stärker in den Fokus rücken. Insgesamt betrachtet ist die Aktie somit aus fundamentaler Sicht ein langfristiger Kauf. Sollte nun auch der mittelfristige Abwärtstrend überwunden werden, spricht außerdem die Charttechnik für eine Longposition.