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CSL: Australische Wunderpille?

Die Aktie des australischen Biopharmakonzerns beeindruckt mit einer starken Performance. Allein seit Jahresbeginn stieg sie um rund 71%. Seit dem Zwischentief von September 2011 hat sich der Kurs sogar mehr als verdoppelt. Grund genug, die Firma einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

BÖRSE am Sonntag

Mit Wunderpillen hat die Gesellschaft nichts zu tun. Und auch die Kursentwicklung wurde nicht durch solche aufgeputscht. Das gleich einmal vorab. Dennoch ist die Performance in den vergangenen Monaten beeindruckend. Mit dem Zuwachs von bis dato rund 71% im Börsenjahr 2012 schlägt die Aktie von CSL den australischen Leitindex S&P/ASX 200 um Längen. Dieser liegt bislang 12,2% vorne. Der Preis des Firmenpapiers zeigt jedoch nicht erst seit Jahresbeginn nach oben. Seit September 2011, als mit 26,12 australische Dollar (AUD) ein Zwischentief markierte wurde, was ein so niedriges Niveau darstellte wie seit März 2007 nicht mehr, ist die Tendenz aufwärts gerichtet. Es bildete sich ein steiler Aufwärtstrend, der den Kurs jüngst auf mehr als 55,00 AUD katapultierte, womit sich die Phase immer neuer Kursrekorde fortsetzte, die im August mit dem Überschreiten des bisherigen Allzeithochs von Mai 2008 startete.

Gewinnziel überraschend angehoben

Wenn keine Wunderpillen im Spiel sind, muss es andere Gründe für die starke Performance geben. Und die gibt es auch. Dazu gehören derzeit glänzend laufende Geschäfte und daraus resultierende zuversichtliche Aussichten. In der Vorwoche hob der Konzern überraschend seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2012/13 (bis Ende Juni) an, was zu einem satten Kurssprung führte. Hatte sich CSL im August einen Anstieg des Nachsteuergewinns um 12% als Ziel gesetzt, soll dieser auf Basis konstanter Wechselkurse nun um ungefähr 20% zulegen. Und das auch trotz zunehmend herausfordernder Wettbewerbsbedingungen. Noch stärker als der Profit soll angesichts des laufenden Aktienrückkaufprogramms das Ergebnis je Aktie (EPS) wachsen. Firmenlenker Dr. Brian McNamee begründete die Anhebung des Gewinnziels mit gut laufenden Geschäften, insbesondere in der Sparte CSL Behring, die mit Abstand die dicksten Umsätze und Profite einfährt. Im Geschäftsjahr 2011/12 steuerte sie fast 85% zu den Erlösen und rund 97% zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bei. Und damit sind wir bei der Geschäftstätigkeit.

Blutplasmaderivate

CSL gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Plasmaderivaten. Die Gesellschaft beliefert mit ihren Produkten den Weltmarkt und produziert den Angaben zufolge nahezu ein Fünftel aller weltweit auf der Basis von Blutplasma hergestellten Arzneimittel. Diese werden in Indikationsgebieten wie Gerinnungsstörungen, Immundefekten, Wundheilung und Intensivmedizin angewendet. Die umsatzstärkste und gewinnträchtigste Tochter des australischen Konzerns, die in den USA ansässige CSL Behring geht auf die 1904 von dem deutschen Bakteriologen und Serologen Emil von Behring in Marburg (Hessen) gegründeten Behringwerke zurück, die als erste Firma Proteine aus Blutplasma für Therapiezwecke nutzbar machte. In den Besitz der Australier kamen Teile der einstigen Behringwerke, die in verschiedenen Gesellschaften zu Beginn der 1990er-Jahre aufgingen, 2004 mit der Übernahme der Firma Aventis Behring. Zuvor hatten CSL im Jahr 2000 das Zentrallaboratorium Blutspendedienst SRK (ZLB) aus der Schweiz übernommen, das Medikamente aus Blutplasma herstellte. 2001 folgte der Kauf von 47 Plasma-Sammelstationen und Laboreinrichtungen in den USA. Aus diesen Zukäufen wurde schließlich der Geschäftszweig CSL Behring geformt, der heute Fertigungsstätten, Plasmasammelzentren sowie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Europa, Japan und in den USA betreibt. Die Mutterfirma CSL (Commonwealth Serum Laboratories) wurde wiederum 1916 als australisches Staatsunternehmen zur Herstellung von Impfstoffen gegründet. Es startete 1952 mit der Produktion von Blutplasma. 1991 wurde die Privatisierung der Firma eingeleitet, die 1994 in dem Börsengang mündete. Neben dem Kerngeschäft, der Gewinnung und Herstellung von Plasmaderivaten sowie darauf fußenden Arzneimitteln, produziert CSL außerdem Impfstoffe und Antisera zur Behandlung von giftigen Schlangen- oder Spinnenbissen. Zu erwähnen ist auch, dass der Konzern den Impfstoff GARDASIL, zu dessen Entwicklung er in Kooperation mit dem US-Pharmariesen Merck & Co. beigetragen hat, in Australien und Neuseeland exklusiv vermarktet und an den weltweiten Erlösen Tantiemen erhält.

Kein Schnäppchen

Im Geschäftsjahr 2011/12 erzielte CSL Umsätze von 4,62 Mrd. US-Dollar. Dies entsprach einem Wachstum zum Vorjahr von 12,7%. Das EBIT stieg um 9,9% auf 1,27 Mrd. US-Dollar. Nach Steuern wurden 1,02 Mrd. US-Dollar und damit 11,5% mehr verdient. Das EPS nahm von 1,70 auf 1,97 US-Dollar zu. Legt man das für das laufende Geschäftsjahr erwartete Wachstum des Profits von 20% zu Grunde, dürfte das EPS bei Erreichen dieses Ziels auf mindestens 2,36 US-Dollar klettern. Daraus resultiert ein KGV (2012/13e) von derzeit mehr als 23. Durch weitere Aktienrückkäufe könnte sich die Bewertung zwar noch etwas verringern, dennoch scheint die Aktie kein Schnäppchen mehr zu sein und angesichts des steilen Kursanstiegs in den vergangenen Monaten schon reichlich heiß gelaufen. An der Börse wird jedoch die Zukunft gehandelt und hier scheinen die Investoren nicht nur für das laufende Geschäftsjahr zuversichtlich, sondern auch darüber hinaus.

Fantasie gerechtfertigt?

Schließlich forscht und entwickelt die Gesellschaft ständig neue Biopharmazeutika. Basis dafür ist ein starkes operatives Kerngeschäft, das das nötige Kapital abwirft. In den vergangenen Jahren hat sich dadurch eine viel versprechende Produktpipeline entwickelt. Vor allem für Fantasie dürfte jedoch die Aussicht auf potenzielle Wirkstoffe zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit sorgen. Bislang sind alle Versuche der weltweiten Pharmaindustrie fehlgeschlagen, Mittel zu entwickeln, die die Krankheit selbst behandeln und nicht nur die Begleitsymptome lindern. Zuversicht versprühen nun jedoch erste kleine Studienerfolge des US-Pharma-und Medizintechnikkonzerns Baxter, der ebenfalls stark im Geschäft mit Blutplasma ist und aus diesem Antikörper separiert. Mit solchen menschlichen Antikörpern könnte vielleicht Alzheimer behandelt werden. Die ersten Studienergebnisse sind ermutigend. Darauf aufbauend fußt nun die Zuversicht, dass bei fortschreitenden Erfolgen sich auch CSL ein Stück von dem Kuchen abschneiden könnte. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Fantasie, die auch einen großen Anteil an der Kursentwicklung der vergangenen Monate hat, gerechtfertigt ist.

Fazit

CSL ist in einem viel versprechenden Bereich der Pharmaindustrie tätig und verdient mit seinen Biopharmazeutika gutes Geld. Die gerade erst angehobene Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr unterfüttert die positive Ergebnissituation. Die Entwicklung neuer Produkte bietet zudem Spielraum für anhaltend profitables Wachstum. Zu diesen insgesamt guten Aussichten gesellt sich die Fantasie, dass der Konzern von eventuell aus menschlichen Antikörpern gewonnenen Wirkstoffen, die sich zur Behandlung von Alzheimer eigenen, profitieren könnte. Diesbezüglich sind zwar schon viele Vorschusslorbeeren im Kurs enthalten, dennoch könnten Long-Positionen erwägenswert sein. Sie wären jedoch sehr spekulativer Natur angesichts der großen Risiken und der in den Kursen enthaltenen recht vagen Alzheimer-Fantasie.