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Daldrup & Söhne: Klein, aber mit großem Potenzial!

Die Versorgung mit günstiger und sauberer Energie ist ein zentrales Zukunftsthema. In diesem Zusammenhang spielt die Geothermie, also die Nutzung der in der Erdkruste vorhandenen Wärmeenergie, bislang kaum ein Rolle. Nach Ansicht einiger Experten zu Unrecht. Sie birgt demnach großes Potenzial, wird aber zumeist noch unterschätzt. Mehr und mehr findet aber ein Umdenken statt, und die Nutzung dieser Energiequelle könnte künftig stärker zunehmen. Dazu werden zum Teil sehr tiefe Bohrungen in der Erde benötigt. Und hier kommt die kleine Firma Daldrup & Söhne ins Spiel.

BÖRSE am Sonntag

Die 1946 gegründete Gesellschaft ist eigenen Angaben zufolge in Deutschland und zunehmend auch im benachbarten europäischen Ausland der führende Anbieter von Bohr- und Umweltdienstleistungen. Gegliedert ist das Geschäft in vier Bereiche. Traditionelle Tätigkeit ist der Brunnenbau zur Gewinnung von Trink-, Brauch-, Heil-, Mineral-, Kesselspeise- und Kühlwasser sowie Thermalsole. Daldrup & Söhne verfügt hier eigenen Angaben zufolge über eine hohe bohrtechnische Expertise und kann eine Vielzahl von Verfahren anbieten. In der Sparte Environment, Development and Services (EDS) bietet das Unternehmen die hydraulische Sanierung von kontaminierten Standorten (Deponien, ehemalige Bergwerke, Atomendlager usw.). Im Segment Rohstoffe und Exploration hilft die Gesellschaft beim Aufspüren fossiler Energieträger sowie mineralischer Rohstoffe durch Erkundungs- und Aufschlussbohrungen.

Erdwärme wird angezapft

Inzwischen größte und wohl auch vielversprechendste Säule ist jedoch die Geothermie. Daldrup & Söhne führt hier Bohrdienstleistungen durch. Zum einen geht es dabei um die oberflächennahe Geothermie. Hier erfolgt die Entnahme der Wärmeenergie (meist 8 bis 25 Grad Celsius) in der Regel über Erdwärmekollektoren, Erdwärmesonden, Erdwärmekörbe oder erdgebundene Betonbauteile und wird direkt zum Heizen und Kühlen genutzt. Gebohrt wird hier in Tiefen von bis zu 400 Meter. Spezialist ist man aber vor allem im Bereich der Tiefengeothermie, in der bis zu 6.000 Meter tief gebohrt wird. Dadurch lassen sich die dort vorhandenden Temperaturen von bis zu 200 Grad Celsius (teilweise auch mehr) in der Erdkruste zur Erzeugung von Wärme, aber auch Strom nutzen.

Viele Vorteile

Die Vorteile der Geothermie liegen klar auf der Hand. Ist die Erdwärme angezapft, ist sie dauerhaft nutzbar und hat praktisch bei der Nutzung keine Schadstoffemissionen. Wird Elektrizität erzeugt, eignet sie sich auch zur Deckung der Grundlast, was bei anderen erneuerbaren Energieformen wie der Windkraft oder der Photovoltaik nicht der Fall ist, da der Wind nicht immer weht und die Sonne nicht immer scheint. Außerdem „verschandeln“ Geothermieanlagen nicht die Umwelt oder haben negative Randerscheinungen wie die Schlagschatten bei Windrädern. Zwar gibt es auch Risiken (Absinken des Grundwasserspiegels, Wasser oder Bodenverschmutzungen, Erderschütterungen), diese lassen sich durch eingehende Untersuchungen im Vorfeld, Sicherheitskonzepte sowie eine sachgerechte Handhabung aber auf ein Minimum reduzieren. Insgesamt eignet sich die Geothermie somit als Ersatz für fossile Energiequellen, wodurch die Abhängigkeit von Energieimporten sowie Preiskapriolen verringert werden könnte. Trotz dieser Pluspunkte wurde die Geothermie in Deutschland lange Zeit kaum beachtet. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren verbessert. Dazu gehören bessere Fördergesetze oder die ehrgeizigen Ziele des Bundesumweltministeriums für den schnellen Ausbau der Tiefengeothermie. Hinzu gesellt sich der technische Fortschritt, der die Wirtschaftlichkeit erhöht hat. Insgesamt ist die Geothermie somit attraktiver geworden.

Gute Werbung

Dies spürt auch Daldrup & Söhne. 2009 wuchs der Geschäftsbereich Geothermie kräftig und steuerte 80% zur Gesamtleistung des Konzerns bei, nach 44% im Vorjahr. Zum Anstieg hat die Inbetriebnahme der beiden neuen Hightech-Tiefbohranlagen DS 10 und DS 20 beigetragen. Zu Ersterer gab es jüngst neue Nachrichten. Das Unternehmen meldete den Abschluss des im August 2009 gestarteten Tiefengeothermieprojekts der Erdwärme Grünwald GmbH in Laufzorn/Oberhaching. In rund elf Monaten führte das Unternehmen die Bohrarbeiten bis in eine Tiefe von mehr als 4.500 Meter mängel- und störungsfrei aus. Wie es weiter hieß, herrscht beim Auftraggeber große Zufriedenheit hinsichtlich der Ergebnisse aus dem sogenannten Zirkulationstest. Demnach wurden die Prognosen zu Projektbeginn mit einer Fließrate von rund 100 Litern pro Sekunde und einer Temperatur von etwa 120 Grad Celsius mit geförderten circa 130 bis 140 Litern pro Sekunde bei einer Temperatur von 125 bis 130 Grad Celsius weit übertroffen. Diese Parameter und eine geringere Absenkung des Ruhewasserspiegels als erwartet beim Langzeitpumpversuch weisen laut Daldrup & Söhne auf einen hohen Produktivitätsindex und damit auf eines der besten aller Geothermieprojekte in Deutschland hin.

Vielversprechendes Geschäftsmodell

Für das Unternehmen ist dieser Erfolg erneut gute Werbung und es fügt eine weitere Referenz beim Bohren in Tiefen von mehr als 4.000 Metern zu den bereits vorhandenen hinzu. Dies sollte zu weiteren Aufträgen von Industriekunden, Energieversorgern und Kommunen führen und die bereits gut gefüllten Orderbücher weiter anschwellen lassen. Ende 2009 zählte Daldrup & Söhne Aufträge mit einem Volumen von rund 75 Mio. Euro (+50% zum Vorjahr), was den Angaben zufolge eine hohe Auslastung weit über das Jahr 2010 hinaus gewährleistet. Die insgesamt drei Tiefbohranlagen werden im laufenden Jahr daher fast durchgängig im Einsatz sein. Im Segment Geothermie will die Gesellschaft künftig aber nicht nur die Bohrungen niederbringen. 2009 gründete das Unternehmen mit RWE Innogy ein 50/50-Joint Venture zur Entwicklung, Planung sowie zum Bau von Geothermiekraftwerken. Die von beiden Partnern entwickelten Anlagen sollen künftig durch eigenständige Projektgesellschaften realisiert und schließlich auch betrieben werden. Kurzum, Daldrup & Söhne hat sein Geschäftsmodell auf eine insgesamt vielversprechende Basis ausgeweitet und will künftig auch Strom und Wärme in eigenen geothermischen Kraftwerken erzeugen und vermarkten.

Sehr gute Perspektiven

Für die derzeit noch recht kleine Firma gibt es somit sehr gute Wachstumsperspektiven. Bereits im Geschäftsjahr 2009 hat Daldrup & Söhne kräftige Steigerungen verbucht. Die Gesamtleistung kletterte um 55,3% auf 39,5 Mio. Euro und erreichte damit einen neuen Rekord. Die Leistung setzte sich zusammen aus Umsätzen von 24,1 Mio. Euro und im Vergleich zum Vorjahr erhebliche Bestandserhöhungen von 15,5 Mio. Euro, die aus noch nicht abgerechneten Bohraufträgen resultierten. Dies führte zu Bewertungsabschlägen auf den Bestand der teilfertigen Leistungen, was den Überschuss zum Vorjahr von 4,03 auf 3,8 Mio. Euro schmälerte, letztendlich aber nur eine Ergebnisverlagerung in das Folgejahr bedeutet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte indes um 18,2% auf 7,8 Mio. Euro zu.

Fazit

Die Daldrup & Söhne AG ist im Bereich Geothermie in einem zukunftsträchtigen und aussichtsreichen Bereich tätig, der großes Wachstumspotenzial verspricht. Neben dem Geschäftsmodell überzeugt die Firma auch mit ihren Ergebnissen und einer gesunden Bilanz, ist sie doch kaum verschuldet. Vor allem für langfristige Investoren könnte die seit November 2007 börsennotierte Aktie daher interessant sein und die aktuelle Korrektur eine gute Einstiegsgelegenheit bieten.