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Daldrup & Söhne: Wird es jetzt kuschelig?

Der Bohrspezialist und Investoren sind in den vergangenen Monaten nicht so richtig warm miteinander geworden. Indiz dafür ist die schlechte Performance der Aktie. Offenbar heizte das Geschäftsmodell die Kursfantasie und damit die Kauflaune der Anleger noch nicht genug an. Daldrup & Söhne bleibt jedoch ein aussichtsreiches Investment und das niedrige Kursniveau könnte eine gute langfristige Einstiegsgelegenheit bieten.

BÖRSE am Sonntag

Vom Zwischenhoch im Februar 2012 hatte sich der Kurs bis zum Tief Mitte November mehr als halbiert. Seither scheint das Interesse jedoch gestiegen, wie die Zuwächse in den vergangenen vier Wochen von insgesamt mehr als 30% implizieren. Aus charttechnischer Sicht ist der langfristige Abwärtstrend aber weiterhin intakt, sodass die jüngste Erholung bislang nur als Gegenimpuls in dieser übergeordneten Bewegung zu werten ist. Die Aufwärtstendenz könnte aber noch ein gutes Stück anhalten, wurde jüngst doch die Abwärtstrendlinie (Verbindung der Zwischenhochs von Juli 2011 und Februar 2012) überwunden, was als spekulatives Kaufsignal interpretiert werden kann. Ein Ziel könnte nun das Zwischenhoch von Juli bei 14,64 Euro sein. Sollte es geknackt werden, ist die Region von etwa 16,00 bis 18,70 Euro eine potenzielle Anlaufstelle, in der neben horizontalen Hürden die übergeordnete Abwärtstrendlinie verläuft. Erst wenn dieser Bereich gemeistert wurde, kann von einem Trendwechsel gesprochen werden.

Chancen durch Zukunftstrends

Aus fundamentaler Sicht könnte jedoch auch das aktuelle Kursniveau für Long-Positionen sprechen, bietet es doch derzeit gute langfristige Einstiegschancen. Schließlich hat das Unternehmen ein verheißungsvolles Geschäftsmodell. Allerdings überzeugte es die Investoren noch nicht nachhaltig, wie die schlechte Kursentwicklung impliziert. Das liegt vielleicht auch daran, dass Geothermieprojekte sehr anspruchsvoll sind und es mitunter zu Verzögerungen kommt. Das ändert aber nichts an den chancenreichen Perspektiven. Schließlich setzt das 1946 gegründete, auf Bohrdienstleistungen spezialisierte Unternehmen auf Zukunftstrends wie Wasser, Umweltdienstleistungen und Rohstoffe. Es baut Brunnen zur Wassergewinnung, erbringt umwelttechnische Dienstleistungen wie die hydraulische Sanierung von kontaminierten Standorten und errichtet beispielsweise Gas-Absaugbrunnen zur Gewinnung von Deponiegas sowie Grundwassergüte-Messstellen, hilft aber auch beim Aufspüren fossiler Energieträger sowie mineralischer Rohstoffe.

Geothermie mit Fantasie

Die größte Fantasie birgt jedoch die Geothermie, mit der man auf ein zentrales Thema der nächsten Jahrzehnte setzt: günstige und saubere Energie. Der Vorteil dieser Energiequelle ist die uneingeschränkte Grundlastfähigkeit bei der Stromerzeugung, lässt sie sich doch im Gegensatz zu Wind- oder Sonnenenergie kontinuierlich nutzen. Außerdem ist sie unerschöpflich und hat praktisch keine Schadstoffemissionen. Die handfesten Argumente für die Geothermie sorgten in den vergangenen sechs Jahren in Deutschland dafür, dass sich die geothermische Wärmebereitstellung fast verdreifachte. Dennoch spielt Erdwärme am gesamten Energiemix kaum eine Rolle. Das Potenzial ist jedoch enorm, was künftig für einen zunehmenden Stellenwert sorgen dürfte. Gleiches gilt für die geothermische Stromerzeugung, die bislang noch geringer vertreten ist. Helfen sollten auch die gesicherten regulatorischen Rahmenbedingungen (Erneuerbare-Energien-Gesetz) sowie der technische Fortschritt, der die Wirtschaftlichkeit der Geothermie verbessert.

Führender Bohrspezialist

Um die Energiequellen der Erde anzuzapfen, müssen teilweise sehr tiefe Löcher gebohrt werden. Dabei gibt es Risiken (Absinken des Grundwasserspiegels, Wasser oder Bodenverschmutzungen, Erderschütterungen), die sich durch eingehende Untersuchungen im Vorfeld, Sicherheitskonzepte sowie sachgerechte Handhabung aber auf ein Minimum reduzieren lassen. Daldrup & Söhne ist Spezialist für solche anspruchsvollen Bohrungen und hat sich seit Gründung viel Fachwissen erarbeitet. Eigenen Angaben zufolge ist die kleine Firma heute in Deutschland und zunehmend auch im benachbarten europäischen Ausland führend auf diesem Gebiet. Sie führt Bohrdienstleistungen im Auftrag Dritter durch und realisiert ganze schlüsselfertige geothermische Heiz- und Kraftwerksprojekte. Künftig will Daldrup & Söhne aber nicht nur für andere bohren und bauen, sondern auch selbst Energie (Strom und Wärme) erzeugen und vermarkten, um so sichere und kontinuierliche Rückflüsse zu erzielen.

Eigene Kraftwerke

Erklärtes Ziel ist es, sich vom reinen Bohrdienstleister zum mittelständischen Energieversorger zu mausern. Die Strategie klingt sinnvoll, deckt der Konzern damit doch die gesamte Wertschöpfungskette in der Tiefengeothermie ab. Die ersten Einnahmen aus einem eigenen Kraftwerk sollen ab Ende 2013 fließen, nachdem man den Fertigstellungstermin Sommer 2013 für das Projekt Taufkirchen aufgrund der bohrbedingten Verzögerungen nach hinten verschieben musste. Mit dem Bau des Kraftwerks will man noch Ende 2012 beginnen und es soll dann Ende 2013 in Betrieb gehen. Vielleicht hat auch diese Verzögerung mit zu der schlechten Kursperformance in den vergangenen Monaten beigetragen. Zudem belasten die Anlaufkosten für dieses Projekt das Konzernergebnis. Im ersten Halbjahr 2012 fielen dafür Aufwendungen in Höhe von 1,5 Mio. Euro an. Ferner könnte der Umstand, dass die Projektgesellschaft GeoEnergie Taufkirchen zurzeit alternative Finanzierungsmöglichkeiten bis zu 30 Mio. Euro evaluiert, für Unsicherheit sorgen, wenngleich Daldrup & Söhne betont, dass die Gesamtfinanzierung von Beginn an so konzipiert ist, dass diese voll mit Eigenmitteln der Gesellschafter abgedeckt werden kann und die Projektgesellschaft somit ausreichende Mittel hat, um die nächsten Bauphasen des Kraftwerkprojekts planmäßig weiter voranzutreiben. An dem Projekt ist der Konzern derzeit mit rund 45% beteiligt.

Volle Bücher

Neben Taufkirchen ist Daldrup & Söhne derzeit mit weiteren Tiefengeothermie-Projekten beschäftigt. Hinzu kommen weitere Aufträge für Bohrdienstleistungen. Insgesamt hat die Gesellschaft somit derzeit gut zu tun. Davon zeugt auch der Auftragsbestand von derzeit insgesamt rund 80 Mio. Euro, der laut Firmenangaben einer Reichweite bis ins erste Quartal 2014 hat. Für das laufende Geschäftsjahr wurde bei Vorlage der Halbjahreszahlen Ende September zwar die Prognose für die Gesamtleistung von bisher 58 auf 50 Mio. Euro (Vorjahr: 47 Mio. Euro) gesenkt, die EBIT-Marge wird aber weiterhin bei 10% gesehen.

Fazit

Der Bohrspezialist setzt mit seinem Geschäftsmodell auf die Zukunftstrends Wasser, Umweltdienstleistungen, Rohstoffe und insbesondere Geothermie. Letzteres sorgt vor allem für Wachstumsfantasie. Auf diesem Gebiet hat sich das Unternehmen Expertenstatus erarbeitet. Die Strategie, die gesamte Wertschöpfungskette von Erdwärme-Kraftwerken abzubilden und somit auch Einnahmen aus dem Verkauf von Strom und Wärme aus eigenen Kraftwerken zu generieren, ist konsequent und plausibel, verspricht dies doch besser planbare Einnahmen. Sollte das Projekt Taufkirchen wie geplant 2013 ans Netz gehen, wäre dies ein wichtiger Schritt, der die sich bietenden Wachstumsperspektiven unterfüttern würde. Anleger, die an die Zukunftschancen für Geothermie glauben, könnten das aktuelle Kursniveau daher für langfristige Käufe nutzen.