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EON: Lichtblick am Ende des Tunnels?

Seit den Geschehnissen rund um Fukushima ist der Düsseldorfer Energieriese nur noch ein Schatten seiner selbst. Vom alten Glanz ist wenig übrig. Die jüngsten Quartalszahlen bestätigten gnadenlos die Krisen-Lage. Doch plötzlich weckt das Eon-Papier Fantasien bei den Anlegern: Der Abschied vom schwierigen Stromgeschäft in Südeuropa wird immer konkreter. Zudem gelingen auch Verkäufe in den USA.

BÖRSE am Sonntag

Seit den Geschehnissen rund um Fukushima ist der Düsseldorfer Energieriese nur noch ein Schatten seiner selbst. Vom alten Glanz ist wenig übrig. Die jüngsten Quartalszahlen bestätigten gnadenlos die Krisen-Lage. Doch plötzlich weckt das Eon-Papier Fantasien bei den Anlegern: Der Abschied vom schwierigen Stromgeschäft in Südeuropa wird immer konkreter. Zudem gelingen auch Verkäufe in den USA.   
 
Äußerst deutliche Worte fand vor wenigen Wochen ein Franzose namens Henri Proglio, als dieser in einem Zeitungsinterview mit der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ nach seiner Einschätzung zur Situation bei den deutschen Energiegiganten RWE und EON gefragt wurde. „Die Unternehmen RWE und Eon sind unter riesigem Druck. Eines ist mehr oder weniger tot, das andere in einer schwierigen Situation", ließ der damalige CEO des weltweit zweitgrößten Stromerzeugers, Électricité de France, die Öffentlichkeit wissen. Apokalyptischer kann man es kaum formulieren. Allerdings zeigt ein Blick auf die Entwicklung der beiden Aktienkurse, dass die drastische Analyse von Proglio natürlich nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Im Gleichschritt geht es für die Jahrzehntelang als bombensicheres Investment geschätzten Papiere der zwei nordrhein-westfälischen Großkonzerne bergab. Vor fast sieben Jahre konnten beide noch ihre Allzeithochs feiern. Seitdem haben RWE und EON rund 70 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Ein schier bespielloser Verfall.
 
Die jüngsten Quartalszahlen hatten nicht das Zeug, diesen auch nur ansatzweise zu stoppen. Zwar sank der EON-Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahr "nur" um sieben Prozent auf 6,6 Milliarden Euro und fiel damit besser aus, als Analysten erwartet hatten. Doch ausgerechnet die als vielversprechend eingestuften Zukunftsmärkte Brasilien, Türkei und Russland- hier suchen die Düsseldorfer sozusagen ihr Heil auf der Flucht vor der Energiewende im Heimatmarkt- enttäuschten. In der Türkei gerät das Geschäft zunehmend ins Stocken, in Brasilien kam es beim Bau eines neuen Kraftwerks zu Verzögerungen, und in Russland brach der Gewinn um ein Fünftel auf 400 Millionen Euro ein. Als Grund gab  Finanzchef Klaus Schäfer gestiegene Preise und allen voran den Verfall des Rubels an.
 
Der Plan, die Auslandstöchter könnten das wettmachen, was in Deutschland an Geschäft wegfällt, scheint derzeit also nicht aufzugehen. Im Gegenteil: Das Ausland entwickelt sich zunehmend zu einem weiteren Problem. Gerade recht kommt da die Nachricht, EON habe einen Käufer für das problematische Geschäft in Spanien- wegen der Wirtschaftsschwäche wurde dort die Stromnachfrage zunehmend geringer-gefunden. Demnach sind die australische Bank Macquarie und einem kuwaitischen Staatsfonds dazu bereit, 2,5 Milliarden Euro dafür zu bezahlen. Die Düsseldorfer beschäftigen in Spanien rund 1200 Mitarbeiter. Der Konzern betreibt Kraftwerke und Ökostromanlagen mit einer Leistung von rund vier Gigawatt. Der Marktanteil im Stromvertrieb ist mit rund 630.000 Kunden indes überschaubar. Bereits Mitte vergangener Woche konnte der Aktienkurs von den Spekulationen über einen möglichen Geschäftsabschluss profitieren und die Aktie zählte zu den Tagesgewinnern im DAX. Man darf nun gespannt sein, wie stark die Impulse durch den Milliarden-Deal in den kommenden Wochen sein werden. Zudem dürften verbindliche Angebote für das zwei Milliarden Euro schwere Italien-Geschäft, die EON vorliegen sollen, bei den Anlegern für noch mehr Fantasien sorgen.
 
Das frische Geld aus dem Verkauf großer Geschäftsteile in Südeuropa können die Düsseldorfer gut gebrauchen. EON dürfte es zum Schuldenabbau nutzen. Am Ende des dritten Quartals lasteten auf dem Konzern Nettoschulden von rund 31 Milliarden Euro. Aus diesem Grund wurde auch ein massives Sparprogramm durchgeführt. Von den 11 000 Arbeitsplätzen, die EON im Rahmen des Programms EON 2.0 bis 2015 abbauen will, sind inzwischen 10 000 Stellen abgehakt. Mit den verbleibenden 1000 Mitarbeitern sei laut Konzernangaben der Abgang bereits vertraglich fixiert. Der größte Teil der Stellen fiel wie geplant in Deutschland weg. Das Ziel, 1,2 Milliarden Euro in diesem Jahr einzusparen, sei bereits nach drei Quartalen geschafft, hieß es zuletzt.
 
Darüber hinaus trägt die Veräußerung von zwei Windparks in den USA ebenfalls positiv zum Ziel bei, die Schulden zu reduzieren. Jeweils 80 Prozent  der Anteile an Anlagen in den Bundesstaaten Texas und Indiana mit einer Gesamtleistung von 405 Megawatt konnten an das kanadische Unternehmen Enbridge abgegeben werden. Die Düsseldorfer bleiben dabei Betreiber der Anlagen und behalten 20 Prozent der Anteile. Den genauen Kaufpreis nannte Eon nicht. In dem Vertrag würden die Windparks allerdings mit insgesamt 650 Millionen US-Dollar bewertet. Zwar zeigte das Papier von EON vergangene Woche nach all den positiven Nachrichten über Verkäufe eine starke Reaktion. Allerdings wird sich der Konzern mittel- bis langfristig nicht durch Verkäufe von Unternehmensanteilen als erfolgreich darstellen können. Das kann nicht die alleinige Strategie sein. Wenn es also nicht bald mit dem Kerngeschäft aufwärts geht, dürfte sich Proglios Prognose über kurz oder lang bewahrheiten. Wenngleich dieser bisher offen ließ, welcher der beiden deutschen Energieriesen bereits so gut wie „tot“ sei.