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Evotec: Bahnt sich hier ein Kaufsignal an?

Die Aktie der Biotech-Firma legte in den vergangenen Wochen recht dynamisch zu. Es gab einige positive Nachrichten. So auch jüngst. Aus charttechnischer Sicht versucht sich der Kurs nun an der Hürde von 2,95 Euro. Gelänge ein nachhaltiger Ausbruch, kann dies als charttechnisches Kaufsignal interpretiert werden.

BÖRSE am Sonntag

Die Aktie der Biotech-Firma legte in den vergangenen Wochen recht dynamisch zu. Es gab einige positive Nachrichten. So auch jüngst. Aus charttechnischer Sicht versucht sich der Kurs nun an der Hürde von 2,95 Euro. Gelänge ein nachhaltiger Ausbruch, kann dies als charttechnisches Kaufsignal interpretiert werden.

Im Verlauf des bisherigen Börsenjahres gab es zwar von März bis Juni eine heftigere Korrektur, diese wurde inzwischen aber wieder ausgemerzt. Das Evotec-Papier liegt damit 2012 bislang rund 25% im Plus. Vielleicht ist noch mehr drin. Charttechnisch betrachtet zeigt sich seit Juni eine dynamische Aufwärtsbewegung. Sie wurde zwar zwischenzeitlich unterbrochen, Mitte September jedoch wieder aufgenommen. Nun hat der Kurs das Zwischenhoch von März dieses Jahres erreicht. Hatte er bereits in der Vorwoche kurzzeitig drüber gelugt, kletterte er auch in der vergangenen Woche darüber. Für einen nachhaltigen Ausbruch reichte die Kraft bislang zwar noch nicht. Ein solcher bleibt jedoch nach wie vor denkbar und würde bei Eintreten für ein spekulatives Kaufsignal sprechen. Ein sich daraus ergebendes erstes potenzielles Kursziel könnte dann das Zwischenhoch von Januar 2011 bei 3,48 Euro sein.

Meilenstein erreicht

Für das offensichtliche Kaufinteresse in den vergangenen Wochen dürften die positiven Unternehmensnachrichten verantwortlich sein. Auch jüngst gab es Erfreuliches. Die auf Wirkstoffforschung und Wirkstoffentwicklung spezialisierte Gesellschaft hat bei ihrer Zusammenarbeit mit Novartis einen präklinischen Meilenstein erreicht. Bei dieser Forschungskooperation hilft Evotec dem schweizerischen Pharmakonzern dabei, neue Wirkstoffe zu identifizieren und diese in die Phase der präklinischen Entwicklung voranzutreiben. Im Anschluss daran wird Novartis die Verantwortung für alle klinischen Aktivitäten übernehmen, wie auch für die Herstellung und die spätere Vermarktung der Wirkstoffe. Als Gegenleistung für die eigenen Beiträge bei Forschung und Entwicklung hat Evotec eine Vorabzahlung und Forschungszahlungen erhalten. Darüber hinaus hat die Gesellschaft Anspruch auf potenzielle Meilensteinzahlungen, die sich insgesamt auf mehr als 28 Mio. US-Dollar summieren können, sowie auf eine Umsatzbeteiligung. Angaben, wie hoch die Zahlung für den nun erreichten Meilenstein ist, gab es nicht. Für den Vorstand ist das Erreichen allerdings eine weitere Anerkennung, die deutlich macht, dass Evotec gemeinsam mit seinen Partnern in der Lage ist, Wirkstoffe in die klinische Entwicklung voranzubringen.

Fokus auf risikoärmerem Kerngeschäft

Auf solchen Wirkstoffforschungsallianzen liegt seit dem 2009 eingeleiteten Strategiewechsel wieder der Schwerpunkt. Seinerzeit hatte sich Evotec größtenteils von der risikoträchtigen Forschung und Entwicklung eigener Medikamente verabschiedet. Das Unternehmen senkte die dafür vorher ausgegebenen Ausgaben massiv und behielt nur die am weitesten fortgeschrittenen Kandidaten. Sie werden zudem mit Partnern weitergeführt, die diese Entwicklungsprogramme finanzieren. Das risikoärmere Kerngeschäft, die Suche nach Wirkstoffen für Pharma- und Biotechnologiekonzerne, steht somit wieder im Mittelpunkt. Ein plausibler Schritt. Im Rahmen dieser Tätigkeit bietet Evotec weltweit unabhängige und integrierte Dienstleistungen, angefangen bei der Identifizierung von Wirkstoffkandidaten bis hin zur klinischen Entwicklung. Der Vorteil dieses Geschäftes ist, dass es nicht so risikobehaftet ist wie die kostenintensive Entwicklung eigener Medikamente. Es gilt zudem als Geschäft mit Zukunft.

Zukunftsträchtig

Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Pharmabranche steht vor großen Herausforderungen angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks sowie der Tatsache, dass viele etablierte Medikamente ihren Patentschutz verlieren. Dies führt zu Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, wozu auch Einsparungen bei der eigenen Forschung und Entwicklung gehören. Entsprechend werden diese Tätigkeiten vermehrt an Dienstleister ausgelagert, meist in Form von langjährigen Verträgen. Hinzu kommt, dass mittels Biotechnologie identifizierte Wirkstoffe auf dem Vormarsch sind. Von all diesen Trends profitieren Firmen, die gezielt nach Wirkstoffen suchen und diese Suche als Outsourcing-Dienstleistung anbieten oder gefundene potenzielle Wirkstoffkandidaten für Präparate in Form von Kooperationen und Entwicklungspartnerschaften vermarkten.

Neue Kunden und Erfolge

Evotec ist auf diesen Gebieten stark positioniert und hat sich seit der Gründung 1993 umfangreiches Know-how erarbeitet. Zudem bekommen die Partner Zugang zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie einer modernen Hightech-Infrastruktur, die ständig auf den neuesten Stand gebracht wird. Alles ziehende Argumente, was sich auch daran zeigt, dass immer wieder neue Kunden gewonnen werden können. So wurde zuletzt Anfang Oktober mit der Bayer Pharma AG eine neue strategische, auf fünf Jahre angelegte Allianz geschlossen. Die Vorauszahlung liegt bei 12 Mio. Euro. Bei Erreichen bestimmter Meilensteine sowie bei einer Vermarktung sind laut Evotec weitere Zahlungen möglich, die sich insgesamt auf bis zu rund 580 Mio. Euro summieren könnten. Zuvor im September hatte die US-Gesundheitsbehörde „National Institutes of Health (NIH)“ ihren Vertrag zur Verwaltung ihrer Substanzbibliothek um zehn Jahre verlängert. Das Auftragsvolumen liegt bei insgesamt rund 60 Mio. Euro. Abgesehen von neuen Kunden sprechen auch die immer wieder erzielten Forschungserfolge eine deutliche Sprache. So wurde jüngst nicht nur in der Kooperation mit Novartis ein Meilenstein erreicht. Ende September meldete Evotec ebenfalls einen solchen in der Forschungsallianz mit Boehringer Ingelheim und bekam dafür 2,5 Mio. Euro.

Starke Zahlen

Bleibt der Blick auf die Finanzzahlen. Auch hier sieht es weiterhin vielversprechend aus und der Strategiewechsel scheint weiterhin Früchte zu tragen. Die Gesellschaft setzte im zweiten Quartal ihren Wachstumskurs fort. Im ersten Halbjahr insgesamt erhöhte sie damit den Umsatz um 26% auf 42 Mio. Euro. Positiv sieht es auch bei den Erträgen aus, die bei Evotec von Quartal zu Quartal aufgrund der erfolgsbasierten Meilensteinzahlungen üblicherweise stark schwanken. Nach den Verlusten im ersten Quartal folgten im zweiten Gewinne. Im ersten Halbjahr legte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) daher von 0,9 auf 1,3 Mio. Euro zu, trotz signifikanter Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten sowie weiterer Investitionen der 2011 begonnenen Initiative zur Modernisierung der Infrastruktur an allen Standorten. Bei Vorlage der Halbjahreszahlen bekräftigte der Vorstand zudem die Prognosen für das Gesamtjahr. Den Umsatz will die Firma demnach zum Vorjahr weiterhin von 80,1 auf 88 bis 90 Mio. Euro erhöhen. Außerdem will sie das Vorjahres-EBIT von 5,2 Mio. Euro übertreffen.

Fazit

Die jüngsten Nachrichten aus dem Unternehmen bezüglich neuer Forschungserfolge sowie neuer Kooperationen, aber auch die guten Halbjahreszahlen unterfüttern den Eindruck, dass Evotec nach dem Strategiewechsel 2009 ein tragfähiges Geschäftsmodell besitzt und wieder auf einen nachhaltig profitablen Wachstumskurs eingeschwenkt ist. Außerdem sind die Zukunftsaussichten angesichts des Trends im Pharmasektor zur Auslagerung von Forschungsdienstleistungen vielversprechend, weshalb die Aktie ein aussichtsreiches Investment bleibt. Sollte daher das oben skizzierte Long-Signal zustande kommen, scheinen auch aus charttechnischer Sicht spekulative Käufe erwägenswert.