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IBM: Zum 100. Geburtstag in Bestform

Nach einem überraschend positiven Quartalsbericht legte die IBM-Aktie in den vergangenen Tagen deutlich zu und erklomm ein neues Rekordhoch. Aus technischer Sicht eröffnet sich dadurch für den Dow-Titel weiteres Potenzial, wenn die Aktie auch kurzfristig etwas überhitzt ist. Aus fundamentaler Sicht hat IBM mittelfristig durchaus Chancen, den intakten Aufwärtstrend fortzusetzen.

BÖRSE am Sonntag

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2012 (Ende Juni) lief das Geschäft des amerikanischen IT-Konzerns IBM besser als erwartet. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12% auf 26,7 Mrd. US-Dollar. Mit einem Plus von 8% auf 3,66 Mrd. US-Dollar legte der Überschuss unterproportional zu. Trotzdem waren die Anleger erleichtert über den Zwischenbericht. Denn der IT-Gigant erhöhte nicht nur die Gewinnprognose für das Gesamtjahr, er berichtete auch über hohe Zuwachsraten in den von der Wirtschaftskrise gebeutelten Staaten Amerikas und Europas: Im Gefolge des Dow-Titels gewannen auch deutsche Branchenvertreter wie zum Beispiel SAP und Infineon hinzu, da IBM wegen seiner breiten Ausrichtung positiv auf den ganzen Sektor ausstrahlte. DZ-Bank-Analyst Thorsten Reigber meinte dazu: „Die Zahlen sollten den Bedenken, dass sich die weltweite IT-Nachfrage abschwächen könnte, entgegenwirken können.“

Starke Zuwächse in den Industriestaaten

Besonders beruhigend für Investoren dürfte die Tatsache sein, dass IBM nicht nur in den boomenden Schwellenländern, sondern auch in den Krisengebieten Europa und USA den Absatz spürbar steigerte. Gegenüber dem zweiten Quartal 2010 stiegen die Erlöse in Amerika um 10% auf 11,2 Mrd. US-Dollar und der Region Europa/Mittlerer Osten/Afrika sogar um 16% auf 8,6 Mrd. US-Dollar. Währungsbereinigt hätte die Zuwachsrate zwar nur 3% betragen. Aber viele Anleger hatten bestenfalls auf eine Stagnation gehofft. Doch IBM profitiert enorm vom Investitionsbedarf der Unternehmen und der rasanten Expansion des Internets. Der Konzern bietet nur auf den ersten Blick die gesamte Palette des IT-Sektors an. De facto konzentriert sich IBM vor allem auf das Geschäft mit Firmen, die PC-Sparte hat IBM schon 2004 an den chinesischen Computerhersteller Lenovo verkauft. Am meisten verdient der IT-Gigant ohnehin in der Servicesparte, die im zweiten Quartal mit 15,1 Mrd. US-Dollar weit über die Hälfte des Umsatzes einbrachte. Ein großer Vorteil des Dienstleistungsgeschäfts ist die Langfristigkeit der Verträge: Alle Aufträge zusammen umfassen ein Volumen von 144 Mrd. US-Dollar, 15 Mrd. US-Dollar mehr als vor einem Jahr.

Gewinnprognose angehoben

Mit Software (6,2 Mrd. US-Dollar) und Technologie (4,7 Mrd. US-Dollar) setzte IBM zwar weniger um, erwirtschaftete aber hervorragende Gewinnspannen, sodass die Bruttomarge im Konzern von 45,6% auf 46,4% zunahm. Nach Kosten, Zinsen und Steuern blieben davon 13,7% hängen, etwas weniger als vor einem Jahr. Dennoch hob Vorstandschef Samuel Palmisano das Ertragsziel an: „Während IBM sein zweites Jahrhundert beginnt, setzen wir unseren Transformationsprozess fort. Nach dem starken Start ins laufende Jahr rechnen wir nun für 2011 mit einem operativen Ergebnis je Aktie von 13,25 US-Dollar.“ Bisher war das Unternehmen von 13,15 US-Dollar ausgegangen. Auf Basis der offiziellen Rechnungslegung nach GAAP setzte Palmisano die Gewinnprognose von 12,73 auf 12,87 US-Dollar je Anteilschein herauf. Dieses Ergebnis enthält auch nicht operative Ergebnisbestandteile wie zum Beispiel Abschreibungen auf Firmenwerte. Der Unterschied ist aber weit geringer als bei anderen Hightech-Gesellschaften, weil bei IBM überteuerte Akquisitionen selten sind. Schließlich bezahlt der Konzern Akquisitionen in der Regel nicht mit Aktien, sondern mit Bargeld. Dagegen kauft IBM ständig Aktien zurück. Allein im zweiten Quartal verschlang das Programm 4 Mrd. US-Dollar. Dadurch reduzierte sich die Anzahl ausgegebener Anteilscheine auf voll verwässerter Basis (inklusive Optionen) um über 75 Mio. Stück. Deshalb legte auch das Ergebnis je Aktie im gleichen Zeitraum mit fast 15% stärker zu als der Konzernüberschuss. Trotzdem verfügt IBM über erhebliche Liquiditätsreserven: Per 30. Juni erreichte die Cash-Position 11,8 Mrd. US-Dollar, der eine Finanzverschuldung von 29,8 Mrd. US-Dollar gegenübersteht – nicht viel bei einer Bilanzsumme von 113,5 Mrd. US-Dollar.

Solide finanziert, global ausgerichtet

Ein direktes Schuldenproblem hat der Konzern nicht. Doch die ungelöste Staatsschuldenkrise könnte sogar einen Börsenriesen wie IBM belasten, dessen Marktkapitalisierung bei rund 217 Mrd. US-Dollar liegt. Für die USA zeichnet sich wenigstens eine Übergangslösung ab, die die unkalkulierbaren Folgen einer Insolvenz der weltgrößten Wirtschaftsmacht vermeidet. In der Europäischen Union herrscht noch wenig Einigkeit über eine nachhaltige Sanierung überschuldeter Länder, um den Euro zu retten. Die Turbulenzen an den Devisenmärkten dürften sich daher in den kommenden Monaten häufen. Ein Verfall des US-Dollar gegenüber dem Euro scheint in den kommenden Monaten aber wenig wahrscheinlich. Längerfristig droht jedoch eine Fortsetzung der Dollar-Schwäche, sollte das riesige Budgetdefizit nicht zügig eingedämmt werden oder die US-Notenbank Fed ihre Nullzinspolitik aufgeben. Davon würde jedoch ein global agierendes Unternehmen wie IBM eher profitieren, weil die im Ausland erzielten Erträge durch die Umrechnung in Dollar an Wert gewinnen würden.

Derlei Szenarien sind Zukunftsmusik. Erst einmal freuten sich Investoren und Banken am Quartalsbericht des Konzerns. Die Deutsche Bank zum Beispiel erhöhte daraufhin ihr Kursziel von 200 auf 210 US-Dollar und rät zum Kauf. Skeptischer urteilte das französische Institut Société Générale: Bei einem Kursziel von 165 US-Dollar lautet die Empfehlung der Analysten „Halten“. Aktuell notiert der Dow-Titel mit 184,90 US-Dollar (umgerechnet 128,40 Euro). Aus fundamentaler Sicht lassen sich beide Einschätzungen vertreten: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2012 von nicht einmal 13 ist im Branchenvergleich niedrig. Allerdings verfügt IBM in den Industriestaaten bereits über eine derart starke Position, dass der Marktanteil kaum deutlich auszuweiten ist. Weitere Aktienrückkäufe werden zwar den Kurs stützen. Aber die Dividendenrendite wird wohl klar unter der 2-Prozent-Marke verharren. Aus charttechnischer Sicht fällt die Bewertung leichter: Die IBM-Aktie befindet sich in einem intakten mittelfristigen Aufwärtstrend und zeigt eine beeindruckende Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt. Kurzfristig ist der Titel allerdings überkauft, weshalb Investoren mit einer Konsolidierung der erreichten Kursgewinne rechnen sollten. Immerhin stieg die Notiz seit dem Tief im Herbst 2008 um mehr als 150%.

Fazit

Die IBM-Aktie ist unter Ertragsaspekten nicht teuer und bietet zudem ein ansehnliches Wachstum. Aus charttechnischer Sicht hat der Blue Chip gute Chancen auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Anleger, die wegen der Schuldenkrise eher mit einer Seitwärtsbewegung in den kommenden Monaten rechnen, dürften mit einem Discount-Zertifikat eine höhere Performance erzielen als mit der Aktie. Die Seitwärtsrendite beträgt bei einer Laufzeit bis Juni 2012 fast 9%.