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Itron: Intelligente Messtechnik für schlaue Netze

Die Debatteüber die künftige Energiepolitik geht angesichts der nach wie vor prekären Lage bei der japanischen AKW-Ruine weiter. Wenn es nicht nur bei Diskussionen bleibt, könnte sich der Trend zu einer effizienteren und ressourcenschonenderen Energieversorgung beschleunigen, um den künftig steigenden Energiebedarf abzudecken sowie einen Teil der riskanten Stromerzeugung aus Atomenergie zu kompensieren und vielleicht gar ganz zu ersetzen. Neben dem vermehrten Einsatz von alternativen Energiequellen wie den erneuerbaren Energien sowie der Tendenz weg von der zentralen hin zur dezentralen Versorgung sind ferner schlaue Stromnetze, sogenannte Smart Grids, nötig. Um solche aufzubauen, braucht es wiederum etliche Komponenten. Eine könnte der US-Konzern Itron liefern.

BÖRSE am Sonntag

Intelligente Stromnetze gelten als Voraussetzung für ein effizienteres Energiemanagement, da sie das Zusammenspiel von Erzeugung, Speicherung, Netzmanagement und Verbrauch in einem System integrieren. Durch diese kommunikative wechselseitige Verknüpfung lassen sich Einsatz und Bedarf von Energie effizienter verwalten, was den Verbrauch verringert und somit Kosten und zudem auch Emissionen schmälert. So ist es beispielsweise möglich, die Stromerzeugung besser an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Denkbar ist ferner, dass sich Geräte und Maschinen in Industrie und privaten Haushalten, die nicht im Dauereinsatz sind, wie daheim die Waschmaschinen, erst dann einschalten, wenn es Überkapazitäten bei der Stromversorgung gibt. Eventuell kann dies auch mit günstigeren Tarifen versüßt werden und so entsprechende Anreize schaffen.

Weltmarktführer

Bei den Stromabnehmern ist dazu eine intelligente Schnittstelle zum Netz nötig, die den Verbrauch misst und entsprechende Daten sammelt und diese dann auswertet, verarbeitet und weiterleitet. An einer solchen intelligenten Messtechnik arbeitet der US-Konzern Itron. Entstanden durch Akquisitionen und Zusammenschlüsse reichen seine Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurück. Er kann entsprechend auf lange Erfahrungen im Bereich Verbrauchsmessung zurückblicken. Das Unternehmen kennt sich jedoch nicht allein mit der Messung des Stromverbrauchs aus. Auch bei Wasser, Gas und Wärme ist eine präzise und zuverlässige Messung bei Produktion und Verbrauch wichtig. Ferner sind Systeme zur Fernablesung immer gefragter. All dies bietet Itron und der Konzern bezeichnet sich heute selbst als führender Technologielieferant für die Energie- und Wasserversorgungsindustrie, ist eigenen Angaben zufolge sogar Weltmarktführer für intelligente Messgeräte sowie für Datenerfassungssysteme und Software-Lösungen. Die weltweit rund 8.000 Kunden nutzen die Technologien der Gesellschaft demnach, um die Herausforderungen einer optimalen Nutzung und Versorgung mit Energie, Wasser und Wärme zukunftssicher zu meistern. Zum Sortiment gehören somit nicht nur Elektrizitäts-, sondern auch Gas-, Wasser- und Wärmezähler sowie Datenerfassungs- und Kommunikationssysteme für das Zählerdatenmanagement mit dazugehörigen Software-Anwendungen. Im Projektmanagement bietet die Gesellschaft außerdem Installations- und Beratungsdienstleistungen.

Zähler für fast alles

Im Bereich Elektrizität entwickelt, produziert und vertreibt Itron elektronische Zähler und Systeme für fast alle Anwendungsfälle – Wechsel- und Drehstromzähler für einfache oder komplexe Tarifstrukturen sowie für manuelle oder vollautomatische Datenerfassung. Neben einfachen Modellen zur reinen Verbrauchserfassung in privaten Haushalten gibt es Zähler mit erweitertem Funktionsumfang zum effizienten Management der Ressourcen in Industrie und Gewerbe. Präzisionszähler und Systeme für das Netzwerk-Monitoring und Lastmanagement runden das Sortiment ab. Neben den elektronischen Lösungen besitzt der Konzern mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Entwicklung elektromechanischer Elektrizitätszähler und bietet Ausführungen für praktisch jeden Anwendungsfall.

Zukunftstrend Smart Grid

Die Zukunft dürfte aber bei den elektronischen Zählern liegen, die für den Einsatz in Smart Grids weiterentwickelt werden. Dabei arbeitet Itron auch mit anderen Unternehmen zusammen. Beispielsweise gibt es seit September 2010 eine strategische Allianz mit dem Netzwerkspezialisten Cisco Systems, um einen neuen Standard bei der intelligenten Stromvernetzung zu implementieren. Itron nimmt dazu Ciscos Internetprotokoll-Technik in Lizenz und integriert diese in die eigenen Messgeräte. Außerdem vertreibt Itron künftig Cisco-Hardware an Kunden, die Smart-Grid-Installationen wünschen. Der Einsatz des Internetprotokolls soll den Angaben zufolge die Modernisierung der Stromnetze beschleunigen, weil es dann nur einen Standard gibt. Ebenfalls seit September 2010 arbeitet Itron mit dem deutschen Elektrotechnikspezialisten Hager Group im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zusammen, um gemeinsam intelligente Messtechnik für den deutschen Markt zu entwickeln. Langfristig sollen dann neue Modullösungen über Kommunikationsmodule mit Haustechnikgeräten und mit intelligenten Stromnetzen verknüpft sein.

Weichen werden gestellt

Itron stellt somit ganz klar die Weichen und positioniert sich für die künftigen Anforderungen durch den erwarteten Einsatz intelligenter Stromnetze. Die starke, führende Marktposition sowie die lange Erfahrung bei den klassischen und heute vermehrt eingesetzten elektronischen Zählern sollten dem Unternehmen dabei zugutekommen. Wachstumschancen ergeben sich aber nicht nur durch den erwarteten Trend hin zu den Smart Grids. Von den weltweit insgesamt etwa 2,7 Mrd. Strom-, Gas- und Wasserzählern sind erst ungefähr 9% automatisiert, was für die bestehenden elektronischen Lösungen von Itron enormes Potenzial bietet. Der Konzern sollte somit künftig weiter profitabel wachsen. 2010 kletterte der Umsatz um 33,9% auf 2,26 Mrd. US-Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte von 24,2 auf 175,7 Mio. US-Dollar zu. Unter dem Strich verdiente die Gesellschaft 104,8 Mio. US-Dollar, nachdem im Vorjahr noch ein kleiner Verlust von 2,3 Mio. US-Dollar angefallen war. Für 2011 rechnet man mit einem Umsatz zwischen 2,15 und 2,3 Mrd. US-Dollar. Ferner soll das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) zwischen 3,95 und 4,40 US-Dollar liegen. Im Vorjahr waren hier 3,89 US-Dollar angefallen.

Fazit

Itron bietet bereits heute ein umfangreiches Portfolio im Bereich intelligenter Messtechnik sowie die dazu passenden ausgeklügelten Datenerfassungs- und Software-Systeme. Das weltweite Potenzial für diese genaueren und effizienteren Lösungen zur Verbrauchsmessung und Analyse ist enorm, was für anhaltend gute Geschäfte spricht. Aufbauend auf der weltweit führenden Marktposition bei Elektrizitäts-, Gas-, Wasser- und Wärmezählern positioniert sich der Konzern für den zu erwartenden Wachstumstrend im Bereich Smart Grid und entwickelt die dafür nötigen intelligenten Messtechniken, auch in Zusammenarbeit mit Partnern wie Cisco Systems. Möglicherweise könnte die aktuelle Debatte um die künftige Energiepolitik die Entwicklung in diesem Bereich beschleunigen. Entsprechend sind spekulative Käufe der Itron-Aktie erwägenswert. Unterstützung könnte es von der Charttechnik geben. Das Mitte März kurzzeitige Unterschreiten der Unterstützung bei 52,02 US-Dollar war wohl nur ein Fehlsignal. Der Kurs konnte sich davon zuletzt nach oben absetzen. Allerdings ist der Abwärtstrend seit dem Zwischenhoch von April 2010 weiterhin intakt, was entsprechend eine restriktive Absicherungsstrategie verlangt.