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Mr. and Mrs. Perfect

| Oliver Götz

Schönheitsbehandlung.
Eine Spritze, und eine Falte weniger - Beauty-Eingriffe liegen im Trend. (Foto: picture alliance / Shotshop | Addictive Stock, S.L.)

Während traditionelle Kosmetikmarken schwächeln, erlebt ästhetische Medizin einen Boom. Botox, Kollagen und Hyaluron werden Teil der Beauty-Routine.

Ein paar Falten weniger, die Nase etwas schmaler, die Haut straffer. Das globale Selbstoptimierungs-Geschäft boomt. Für immer mehr Menschen gehört die sogenannte ästhetische Medizin inzwischen zur Beauty-Routine wie sonst Eyeliner und Lipgloss. Die Zahl der weltweit durchgeführten ästhetischen Behandlungen hat sich Daten des internationalen Fachverbands ISAPS nach zwischen 2014 und 2021 mehr als verdoppelt – von 14,1 auf über 30,5 Millionen Eingriffe. Nach Schätzungen von Fortune Business Insights soll das weltweite Marktvolumen des Sektors von rund 28,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf fast 90 Milliarden Dollar im Jahr 2034 steigen. Das entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von fast 14 Prozent. Während klassische Kosmetikhersteller mit einem anspruchsvollen Konsumumfeld kämpfen, hat sich medizinische Ästhetik zum strukturellen Wachstumsmarkt entwickelt. Dabei geht es längst um mehr als die klassische Schönheits-Operation, im Fokus stehen vermehr kleinere Eingriffe. Besonders gefragt sind Verfahren, die schnell, vergleichsweise unkompliziert und mit wenig Ausfallzeit verbunden sind. Botulinumtoxin, Hyaluronsäure-Filler, chemische Peelings oder moderne Methoden zur Hauterneuerung und -straffung liegen im Trend. So sinkt auch die Hemmschwelle für Eingriffe. Nicht-invasive Verfahren sind schneller, diskreter und gesellschaftlich akzeptierter als klassische Schönheitsoperationen. Schönheit, Gesundheit und Selbstoptimierung wachsen so zunehmend zusammen. Und das verändert nicht nur Aussehen, sondern auch die Kosmetik-Branche und den Sektor an der Börse. Wer auf den Trend setzen will, findet eine ganze Reihe größerer und kleinerer Player, häufig spezialisiert auf einzelne Nischen.

Galderma: Der Haut-Spezialist

Einer der führenden Konzerne kommt aus der Schweiz. Galderma deckt von ästhetischen Injektionen und Fillern über medizinische Hautpflege bis hin zu verschreibungspflichtigen Dermatologieprodukten nahezu die komplette Haut-Ästhetik ab.

Das Geschäft wächst kräftig. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Galderma den Umsatz – Wechselkurseffekte herausgerechnet – um 24,6 Prozent auf 3,13 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis lag im ersten Halbjahr um über 40 Prozent höher. Besonders stark entwickelte sich die medizinische Dermatologie, aber auch das Geschäft mit ästhetischen Injektionen legte zweistellig zu. Direkt profitiert Galderma vom Boom der GLP-1-Abnehmmedikamente, wie Wegovy oder Mounjaro. Wer schnell viel abnimmt, kämpft häufig mit einfallender Haut und greift entsprechend auf die Produkte der Schweizer zurück. Für das laufende Geschäftsjahr hat Galderma die Umsatzprognose angehoben.

Die Aktie ist kein Geheimtipp mehr. Galderma, seit 2024 in Zürich gelistet, hat sich zu einem der vielversprechendsten europäischen Wachstumswerte im Gesundheits- und Beautybereich entwickelt. Nach starkem Lauf bleibt allerdings die hohe Bewertung ein Thema. Zudem musste das Unternehmen zuletzt einen Rückschlag bei der US-Zulassung seines Botox-Konkurrenzprodukts Relfydess hinnehmen.

M1 Kliniken: Der Skalierer

Deutlich kleiner und eher stark in der Nische, ist die deutsche M1 Kliniken. Unter der Marke M1 Med Beauty betreibt das Unternehmen Fachzentren für ästhetische Medizin und setzt dabei auf standardisierte Abläufe, hohe Behandlungszahlen und vergleichsweise günstige Preise.

Das Konzept scheint aufzugehen. In Europa ist M1 Kliniken der führende Anbieter, was vollintegrierte schönheitsmedizinische Leistungen angeht. Aktiv ist man in insgesamt zehn Ländern mit fast 60 eigenen Zentren. Im Geschäftsjahr 2025 kletterte der Umsatz des Beauty-Segments um 11,2 Prozent auf 102 Millionen Euro. Noch stärker entwickelte sich das Ergebnis: Das EBIT sprang um 41,5 Prozent auf 28,3 Millionen Euro, die operative Marge erreichte 27,8 Prozent. Unternehmensweit kletterte der Umsatz um 7,4 Prozent auf etwas über 364 Millionen Euro, das Ebit um knapp 30 Prozent auf 34,6 Millionen Euro.

Die Aktie hat allerdings zuletzt einen Rückschlag erlebt. Nach Kursen von über 19 Euro Anfang Juli lag sie Ende Juli nur noch bei rund 17 Euro. Für langfristige Anleger könnte gerade die geplante Expansion interessant sein: M1 will die Zahl der Standorte international weiter ausbauen und den Beauty-Umsatz bis 2029 auf 200 bis 300 Millionen Euro steigern, sprich im Positiv-Szenario verdreifachen.

Evolus: Der Botox-Konkurrent

Evolus konzentriert sich auf den Selbstzahler-Markt der ästhetischen Medizin und tritt vor allem mit seinem Botulinumtoxin-Produkt Jeuveau sowie der neuen Filler-Linie Evolysse gegen bereits etablierte Anbieter an. Im Fokus dabei: die sogenannte „Casual Beauty“, sprich schnelle, ambulante Injektionsbehandlungen, statt chirurgische Eingriffe. Damit ziel Evolus sehr spezifisch auf das ab, was aktuell trendet.

2025 erzielte Evolus mit 297,2 Millionen Dollar den sechsten Umsatzrekord in Folge und wuchs erneut zweistellig. Im vierten Quartal gelang erstmals ein operativer Gewinn. Für 2026 stellt das Management einen Umsatz von 327 bis 337 Millionen Dollar in Aussicht und rechnet mit weiterer operativer Hebelwirkung.

Damit ist Evolus die vielleicht klassischste Wachstumswette unter den hier aufgelisteten fünf Titeln. Für Anleger hängt viel davon ab, ob es dem Unternehmen gelingt, sich dauerhaft Marktanteile im lukrativen Injectables-Geschäft zu sichern. Der Aktie fehlt der große Ausbruch noch.

AbbVie: Der Botox-Gigant

Wer mehr auf einen etablierten Pharma-Riesen setzen möchte, landet bei AbbVie. Das Unternehmen ist vor allem wegen seiner Immunologie- und Onkologieprodukte bekannt – aber auch wegen Botox, dem wohl bekanntesten Produkt der ästhetischen Medizin.

AbbVie hatte Botox im Zuge der Übernahme von Allergan übernommen und profitiert von einer stetigen, wiederkehrenden Nachfrage. Das ist ein wichtiger Unterschied zu klassischen Schönheitsprodukten: Botox muss regelmäßig aufgefrischt werden. Aus einem einmaligen Kauf wird damit ein wiederkehrendes Geschäft.

An der Börse ist AbbVie wesentlich weniger eine reine Beauty-Wette als Galderma oder Evolus. Das Pharmaportfolio sorgt für eine breitere Umsatzbasis und macht die Aktie entsprechend defensiver. Ende Juli bewegten sich die Papiere in der Nähe ihres Jahres- und damit auch Rekordhochs. 2025 stiegen die Einnahmen um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 61,16 Milliarden US-Dollar. Damit gehört AbbVie zu den größten Pharmakonzernen der Welt.

Beauty Tech Group: Der Home-Beauty-Wert

Der fünfte Kandidat setzt schließlich auf einen Trend, der die Branche noch einmal grundlegend verändern könnte: Beauty-Behandlungen wandern ins heimische Badezimmer. Die britische The Beauty Tech Group entwickelt Geräte für die kosmetische Anwendung zu Hause, darunter LED-Masken und Technologien zur Hautbehandlung. Zu den bekanntesten Marken gehören CurrentBody Skin, ZIIP Beauty und Tria Laser.

Das Geschäft wächst rasant. 2025 stieg der Umsatz um 39,4 Prozent auf 141 Millionen Pfund, das bereinigte EBITDA sogar um fast 64 Prozent auf 37,5 Millionen Pfund. Seit Oktober 2025 ist das Unternehmen an der Londoner Börse notiert.

Die Aktie ist die jüngste und vielleicht auch spekulativste der fünf Beauty-Papiere. Anleger kaufen hier die Hoffnung, dass sich medizinisch inspirierte Beauty-Technologien ähnlich selbstverständlich in den Haushalten etablieren wie elektrische Zahnbürsten oder Fitnessgeräte.

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