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Nemetschek: Bau schlau!

Über rund 50 Prozent Wertzuwachs seit Jahresbeginn können sich die Aktionäre von Nemetschek freuen. Jüngst erreichten die Anteile des Spezialsoftware-Herstellers erneut Kursrekorde. Nachrichten gab es zwar nicht, Investoren kaufen dennoch. Das verwundert nicht: Neben charttechnischen Argumenten weiß die Firma fundamental zu punkten und überzeugt mit langfristig aussichtsreichen Perspektiven.

BÖRSE am Sonntag

Gebäude zu errichten ist kostspielig. Bauherren sind daher bestrebt, ihr eingesetztes Kapital so effizient wie möglich zu nutzen. Nemetschek hilft. Die Firma zählt sich zu den weltweit führenden Softwareherstellern für die Architektur-, lngenieur- und Baubranche (AEC). Mit ihren Produkten will sie eine Brücke zwischen der komplexen Welt der Informationstechnologie und dem integrierten Prozess des Planens, Bauens und Nutzens von Bauwerken schlagen. Sie bietet dazu einzelne Produkte für die verschiedensten Aufgaben bei Bauvorhaben sowie durchgängige Lösungen, mit der Kunden in allen Projektphasen unterstützt werden können, angefangen von der Idee über die Realisierung bis zum Betrieb. Oberstes Ziel sind dabei reibungslose Arbeitsabläufe aller Beteiligten und damit eine optimierte Wirtschaftlichkeit. Visualisierungs-Software für Architektur, Film, Animation und Werbung rundet das Sortiment ab.

Vision und Expansion

Die Software der Münchener Firma ist gefragt. Sie wird heute von mehr als 300.000 Kunden aus 142 Ländern genutzt. Angefangen hat alles 1963, als Prof. Georg Nemetschek ein Ingenieurbüro gründete. Waren seinerzeit vor allem Papier, Bleistift und Taschenrechner die wichtigsten Arbeitsutensilien, gesellten sich wenige Jahre später die ersten Computer hinzu. Bereits 1968 – als eine der ersten Firmen in der Baubranche – setzte Nemetschek die damaligen, aus heutiger Sicht vorsintflutlichen Rechenmaschinen in der Konstruktion und Planung von Bauwerken ein. Die dazu nötige Software entwickelten er und seine Mitarbeiter selbst. Ende der 1970er Jahre werden Computer dann für einen größeren Kreis von Anwendern erschwinglich. Georg Nemetschek nutzte die sich bietenden Chancen und verkauft 1977 ein Softwareprodukt für den konstruktiven Ingenieurbau. Seine Vision: Das Dreieck von Kosten, Terminen und Qualität entlang der Wertschöpfungskette von Gebäuden durch den Einsatz von Informationstechnologie zu optimieren. Diese Idee ist bis heute die treibende Kraft bei Nemetschek. Zudem begann das Unternehmen in den 1980er Jahren, international zu expandieren. Zum Zeitpunkt des Börsenganges im Jahre 1999 war es bereits in 53 Ländern vertreten. 2006 wurden dann die Firmen Graphisoft (Ungarn) und SCIA International (Belgien) übernommen, wodurch sich der Konzern als führender Anbieter von AEC-Software in Europa positionierte.

Weltweit liegt Nemetschek auf Rang zwei - kein Grund, sich auszuruhen. Erklärtes Ziel ist es, weiter zur weltweiten Nummer 1, dem US-Anbieter Autodesk, aufzuschließen. Im Gegensatz zu den größten Wettbewerbern setzt Nemetschek dabei nahezu ausschließlich auf den AEC-Markt. Er ist damit der Branchenspezialist, der sich voll und ganz darauf konzentriert, seine Software konsequent an die vielen verschiedenen Bedürfnisse der Kundschaft auszurichten, und kann damit der ausgeprägten Vielfältigkeit des Marktes Rechnung tragen. Das Unternehmen entwickelt Lösungen, die die zahlreichen am Bauprozess beteiligten Disziplinen sowie die regional unterschiedlichen Vorgaben und Normen abdecken, und passt zudem die Software individuell nach Kundenwünschen an.

Positives Gesamtbild

Die Strategie geht auf, wie der seit Jahren geschäftliche Erfolg verdeutlicht. Im Geschäftsjahr 2012 erzielte Nemetschek abermals einen Rekordumsatz. Er kletterte zum Vorjahr um 6,8 Prozent auf 175,1 Millionen Euro. Davon entfielen 85,8 Millionen Euro, 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr, auf den Verkauf neuer Softwarelizenzen. Die Umsätze aus Wartungsverträgen legten um 7,9 Prozent auf 80,1 Millionen Euro zu. Diese wichtigen, weil wiederkehrend und daher gut planbaren Einnahmen machen inzwischen mehr als 45 Prozent der Umsätze aus. Ferner stimmte die Ertragsentwicklung. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg auf 40,7 Millionen Euro. Der Rekord von 2011 wurde damit um 3,5 Prozent übertroffen. Zudem lag die EBITDA-Marge mit 23 Prozent erneut über der Marke von 20Prozent. Unter dem Strich verdiente Nemetschek mit 18,8 Millionen Euro allerdings 8,8 Prozent weniger. Dies lag jedoch an einer deutlich höheren Steuerquote. Im ersten Quartal 2013 setzte sich die positive Geschäftsentwicklung fort, Umsatz und Gewinne legten erneut zu. Ein starker operativer Cashflow sowie die Tatsache, dass der Konzern praktisch schuldenfrei ist, runden das positive betriebswirtschaftliche Gesamtbild ab.

Prognosen bekräftigt

Firmenchefin Tanja Tamara Dreilich bekräftigte angesichts der „ordentlichen Entwicklung“ zum Jahresauftakt sowie des „positiv erwarteten Marktumfeldes“ zudem die Prognosen für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll auf 185 bis 190 Millionen Euro steigen. Die EBITDA-Marge wird zwischen 22 bis 24 Prozent erwartet, was einem absoluten EBITDA von etwa 42 bis 44 Millionen Euro entspräche. Wachstumstreiber sollen Internationalisierung und Kooperationen sein. Hier setzt der Konzern vor allem auf die USA, Lateinamerika und Asien, die als die Wachstumsmärkte gelten. Europa bleibt aber nach wie vor größte Absatzregion. Traditionell stark ist man vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz, was laut Firmenangaben auch im derzeitigen weltweit unsicheren wirtschaftlichen Umfeld nachhaltiges Wachstum garantiert.

Innovationen

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg sind außerdem Innovationen. Nemetschek investiert konsequent und substantiell in die Neu- und Weiterentwicklung seiner Produkte. In den vergangenen Jahren wurden etwa 25 Prozent des Umsatzes dafür ausgegeben. Daran will man künftig anknüpfen, um den Innovationsvorsprung zu sichern und damit die Basis für langfristiges profitables Wachstum zu festigen. Schließlich zählt der Konzern seit Jahrzehnten zu den Pionieren in der Branche, wie bei der Entwicklung von CAD-Systemen für die Bauplanung. Vorreiter ist nun auch beim so genannten Building Information Modeling (BIM), das als wichtiger Pfeiler der weiteren Wachstumsstrategie gilt. Hinter diesem abstrakten Begriff verbirgt sich eine Planungsmethode für digitale Bauwerksmodelle, die eine grenzenlose und durchgängige Zusammenarbeit aller Beteiligten beim Planen, Bauen und Bewirtschaften von Gebäuden ermöglicht. Mit dem Konzept Open BIM geht Nemetschek nun einen Schritt weiter. Dank offener Datenstandards kann die Software von Nemetschek reibungslos mit der von anderen Anbietern kombiniert werden. Alle Beteiligten an einem Bauprojekt können somit unabhängig von ihrer jeweiligen Software reibungslos zusammenarbeiten. Als entscheidend für die weltweite Etablierung des Open-BIM-Konzeptes könnte China sein. Gemeinsam mit einem chinesischen Softwareanbieter soll das Unternehmen im Auftrag der chinesischen Regierung einen landesweit verbindlichen Standard für BIM-Prozesse entwickeln. Die Kooperation ist damit für Nemetschek eine ideale Plattform, die eigenen Softwarelösungen in diesem wichtigen Wachstumsmarkt zu etablieren.

Fazit

Innovativ und geschäftlich erfolgreich mit vielversprechenden Perspektiven, so lässt sich Nemetschek kurz und knapp charakterisieren. Die Aktie bleibt daher trotz der jüngst erreichten neuen Kursrekorde ein aussichtsreiches Investment und spekulative Käufe sind erwägenswert. Vielleicht auch vor dem Hintergrund der in der nächsten Woche beginnenden Roadshow in den USA, die weitere Anleger auf das Unternehmen mit der schlauen Software für die Realisierung von Bauvorhaben aufmerksam machen könnte.