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Oracle-Aktie nach KI-Hype und Crash: Bildet sich jetzt ein Boden?

| Thomas Behnke

Serverracks mit LED-Statusanzeigen in einem modernen Rechenzentrum
Serverracks mit leuchtenden Statusanzeigen in einem modernen Rechenzentrumsgang. Solche Anlagen bilden die technologische Grundlage für Cloud- und KI-Infrastruktur, in die Oracle derzeit massiv investiert. (Foto: Shutterstock)

Nach KI-Hype und einem Kurssturz von über 60 Prozent sucht die Oracle-Aktie einen Boden. Starke Cloud-Zahlen stützen den Kurs – doch Milliardeninvestitionen und steigende Schulden bleiben ein Risiko.

Die Oracle-Aktie (ISIN: US68389X1054) ist in den letzten zwölf Monaten Achterbahn gefahren. Als gehypter KI-Profiteur zwischenzeitlich massiv gestiegen, folgte nach dem Allzeithoch im September 2025 ein brachialer Kurseinbruch. In den vergangenen Wochen deutet sich nun im Chart eine potenzielle Bodenbildung an – zumindest kurzfristig. Diese Annahme könnte durch die positive Reaktion auf die am 10. März vorgelegten Geschäftszahlen zusätzlichen Auftrieb erhalten haben. Die Frage ist, ob es sich dabei nur um ein kurzes Strohfeuer in einem weiterhin intakten Abwärtstrend handelt. Eine Spurensuche.

KI- und Cloud-Fantasie trieb den rasanten Kursanstieg im Jahr 2025

Es war Anfang April 2025, als der KI-Funke auf die Oracle-Aktie übersprang. Die verstärkte KI- und Cloud-Wachstumsfantasie führte zu einem dynamischen Kursanstieg. Wesentliche Treiber waren die steigende Nachfrage nach der Cloud-Infrastruktur des Unternehmens sowie der Hype um generative KI, also jener Form künstlicher Intelligenz, die aus gelernten Daten neue Inhalte wie Texte, Bilder, Musik oder Code selbst erzeugen kann, statt nur vorhandene Informationen auszuwerten. Als maßgeblicher Profiteur galt der Cloud-Bereich, in dem sich der Konzern mit der Sparte OCI (Cloud-Infrastruktur) als spezialisierter Anbieter für datenintensive KI-Workloads mit enger Integration zur eigenen Datenbank positioniert hat und seinen Kunden Rechenleistung, Speicher, Netzwerke und GPU-Cluster für KI, Datenbanken und Unternehmensanwendungen zur Verfügung stellt.

Nach dem Allzeithoch folgte eine massive Korrektur um mehr als 60 Prozent

So groß die anfängliche Euphorie des Marktes über die Geschäftsperspektiven im Bereich Cloud-Infrastruktur auch war, nach dem Allzeithoch im September bei 345,72 US-Dollar setzte Ernüchterung ein. Auf den zuvor erzielten Anstieg seit April von fast 200 Prozent folgte bis zum Verlaufstief im Februar 2026 ein Kursrückgang von über 60 Prozent.

Die durch KI-Großaufträge und starke Zahlen in der Cloud-Sparte ausgelöste Wachstumsfantasie wich zunehmender Skepsis wegen der enormen Investitionen (Capex), die Oracle in den Ausbau seiner Cloud-Infrastruktur stecken musste, um die steigende Nachfrage seitens der Kunden bedienen zu können. Hierzu gehören Rechenzentren, die mit entsprechender KI-Hardware wie Hochleistungsservern mit GPUs ausgerüstet sind. Es handelte sich dabei auch nicht um punktuelle Ausgaben, sondern um strukturelle Großprojekte, für die man zunächst in Vorleistung gehen muss. Und diese Ausgaben stiegen massiv. Sie kletterten von 6,9 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2023/24 auf 21,2 Milliarden US-Dollar in 2024/25. Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 liegt die Capex-Prognose bei rund 50 Milliarden US-Dollar.

Steigende Verschuldung macht Oracle zum KI-Kreditrisikoindikator

Das Kernproblem dieses enormen KI-Investitionsprogramms ist, dass die dafür benötigten finanziellen Mittel bei weitem nicht vollständig aus dem operativen Cashflow beglichen werden können. Eine Entwicklung, die sich weiterhin fortsetzen könnte. Daher musste weiteres Fremdkapital aufgenommen werden, wodurch die Verschuldung deutlich gestiegen ist. Allein in den letzten zwölf Monaten legte sie von 96,3 auf 162,2 Milliarden US-Dollar zu. Die Nettoverschuldung erhöhte sich von 78,5 auf 123 Milliarden US-Dollar. Die damit verbundenen zunehmenden Sorgen schlugen sich am Markt in kräftig gestiegenen Kreditausfallversicherungen, den CDS (Credit Default Swaps), nieder. Damit entwickelte sich Oracle, auch wenn sicherlich nicht gewollt, zu einem KI-Kreditrisikoindikator. Das Ausfallrisiko war zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit 2009 gestiegen. Eine Entwicklung, die auch den Aktienkurs entsprechend belastete. Inzwischen hat sich jedoch eine spürbare Entspannung eingestellt, nachdem das Unternehmen im Februar seinen Finanzierungsplan vorstellte und damit erst einmal die Unsicherheit auflöste, wie viele neues Fremdkapital man aktuell aufnehmen würde.

Technische Stabilisierung nährt Hoffnung auf eine mögliche Bodenbildung

Diese Entspannung bei den CDS spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Seit dem markanten Korrekturtief Anfang Februar zeigt sich der Versuch einer Stabilisierung, und zumindest kurzfristig scheint ein Boden gefunden zu sein. So wurde beim Rückgang in der zweiten Februarhälfte ein höheres Tief ausgebildet. Mit der positiven Reaktion auf die am 10. März vorgelegten Geschäftszahlen wurde zudem das Zwischenhoch vom 10. Februar bei 165,39 US-Dollar getestet und zwischenzeitlich überschritten. Allerdings steht noch ein nachhaltiger Ausbruch aus. Ein solcher wäre jedoch nötig, damit sich die Wahrscheinlichkeit für eine Bodenbildung erhöht. Die Chancen dafür scheinen vor dem Hintergrund des positiv aufgenommenen Geschäftsberichts jedoch vorhanden, sollte sich die damit verbundene Zuversicht des Marktes verstetigen.

Oracle

Oracles Cloud-Sparte wächst deutlich schneller als der Gesamtkonzern

Vor allem die Cloud-Sparte als Oracles größtes und vor allem wachstumsstärkstes Geschäftsfeld hat abgeliefert. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 war der Umsatz in diesem Segment im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 24,1 Milliarden US-Dollar gestiegen. Er wuchs damit deutlich stärker als der Konzernumsatz, der um 16 Prozent auf 48,2 Milliarden US-Dollar zulegte. Gleichzeitig erhöhte sich der Umsatzanteil von 43 auf 50 Prozent, was den wachsenden Stellenwert dieser Sparte für das Unternehmen verdeutlicht.

Eine große Rolle spielt zudem die vom Markt betrachtete Kennzahl RPO (remaining performance obligations), die vertraglich zugesicherten, aber noch nicht abgerechneten Umsätze umfasst. Sie drückt im Wesentlichen den Auftragsbestand aus und gilt als entscheidender Indikator für die zukünftige Nachfrage und die Gesundheit von Oracles KI-Strategie. Der Wert war im Vorjahresvergleich um beeindruckende 325 Prozent auf 553 Milliarden US-Dollar gestiegen. Diese Entwicklung könnte wohlwollend als Beweis dafür gesehen werden, dass die KI-Infrastrukturstrategie von Oracle erfolgreich skaliert, angetrieben durch große, kapitaleffiziente KI-Verträge. Ob diese Rechnung vor dem Hintergrund der hohen Investitionen auch nachhaltig trägt, bleibt jedoch offen.

Immerhin wirtschaftet Oracle weiterhin profitabel. Im Neunmonatszeitraum wurden ein operativer Gewinn von 14,5 und ein Nachsteuergewinn von 12,8 Milliarden US-Dollar erzielt. Die operative Gewinnmarge lag damit bei 30 Prozent und damit auf einem starken Niveau. Die Frage ist, ob dieses Niveau gehalten werden kann.

Margendruck durch den Wandel vom Software- zum Cloudgeschäft

Oracles Kernsoftwaregeschäft erzielt deutlich höhere Margen als das neue Cloud-Infrastrukturgeschäft. Im Jahr 2021 lag die Konzernbruttomarge noch bei 77 Prozent. Inzwischen sind es 62 Prozent. Das hat sich auch auf die operative Marge ausgewirkt, die ebenfalls eine Erosion zeigt, auch wenn der Rückgang hier dank Kostendisziplin nicht ganz so stark ausfällt. Allerdings könnte der Prozess sinkender Margen durch die zunehmende Verlagerung des Geschäfts von der hochmargigen Software auf die weniger profitable Cloud-Infrastruktur noch nicht abgeschlossen sein. Das Margenprofil hängt somit stark von disziplinierter Preisgestaltung, schneller Kapazitätsauslastung und einem stabilen Softwaregeschäft ab. Kostensteigerungen oder eine langsamere Auslastung der neuen Rechenzentren würden die Marge als Erstes treffen. Und die weitere Entwicklung bei der Profitabilität ist angesichts der damit verbundenen Unsicherheit nicht das einzige Risiko, das man bei Oracle berücksichtigen muss.

Starker Wettbewerb und Abhängigkeit von Großkunden bleiben zentrale Risiken

Der Wettbewerb schläft nicht. Andere große Hyperscaler wie AWS, Microsoft Azure und Google Cloud investieren ebenfalls massiv in KI-Infrastruktur, was sowohl zu steigenden Kosten für notwendige Technologien (z. B. GPUs) als auch zu Preisdruck im Vertrieb führen kann. Gleichzeitig könnten große KI-Entwickler eigene Rechenzentren bauen und so die Abhängigkeit von Drittanbietern wie Oracle reduzieren. Schwierigkeiten bei der Beschaffung von GPUs und anderen Technologiekomponenten, Engpässe bei der Rechenzentrumskapazität, Cybersicherheitsrisiken, staatliche Regulierung sowie wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten einschließlich Zöllen und Handelskonflikten sind weitere Herausforderungen.

Und selbst der beeindruckende Auftragsbestand stellt einen Unsicherheitsfaktor dar. Denn selbst kleine Verschiebungen im Zeitpunkt der Umsatzrealisierung haben große Auswirkungen auf die Ergebnisse und das erwartete Wachstum. Ein entscheidender Knackpunkt ist hierbei, dass mit über 57 Prozent ein Großteil des RPO auf OpenAI, den Anbieter von ChatGPT, entfällt. Dieser mit Abstand wichtigste Kunde könnte zwar in diesem Jahr einen Börsengang vollziehen und sich damit frisches Geld beschaffen. Dennoch besteht das Risiko, dass OpenAI seinen Verpflichtungen gegenüber Oracle verzögert nachkommt.

Positive Marktreaktion stützt Oracle-Aktie bei weiterhin offenen Langfristrisiken

Die positive Reaktion des Marktes auf die jüngsten Geschäftszahlen und die Kurserholung der Oracle-Aktie seit Anfang Februar zeugen von einem verbesserten Sentiment. Die Zuversicht über eine erfolgreiche Umwandlung des Unternehmens zu einem wachstumsstarken Cloud-Infrastrukturanbieter scheint wieder gestiegen. Die Ergebnisse des Quartals zeigten eine Beschleunigung von Umsatz und Rentabilität, unterstützt durch erhebliche Investitionen in KI-Infrastruktur und strategische Initiativen. Sie geben damit Anlass zu der Hoffnung, dass die Strategie langfristig fruchtet. Oracle selbst betont, dank seiner integrierten KI-Fähigkeiten, flexiblen Finanzierungsmodelle und strategischen Erfolge für weiteres Wachstum und Wettbewerbsvorteile in der sich wandelnden Unternehmenslandschaft gut positioniert zu sein. Alles zusammen könnte den Aktienkurs kurzfristig weiter stützen, weshalb die Oracle-Aktie in den nächsten Wochen für ausgewählte Trading-Aktivitäten infrage kommen könnte.

Aber reicht das verbesserte Stimmungsbild aus, um das Unternehmen nun auch als langfristiges Investment in Erwägung zu ziehen? Die oben beschriebenen Risiken bleiben bestehen. Außerdem ist eine essenzielle Frage noch nicht beantwortet: Wie geht es mit den Capex-Investitionen weiter? Spätestens im Juni, wenn die Zahlen für das Schlussquartal 2025/26 veröffentlicht werden, wird Oracle konkrete Angaben über seine weiteren Investitionspläne machen müssen. Je nachdem, wie viele weitere zig Milliarden in den Ausbau der eigenen Infrastruktur gesteckt werden müssen, könnten neue Sorgen über Verschuldung und Cashflow auftreten, verbunden mit der Kernfrage, ob sich die Investitionen tatsächlich irgendwann rechnen werden. Damit bleibt abschließend festzuhalten: So vielversprechend die strategische Ausrichtung auf das Megathema unserer Zeit, Künstliche Intelligenz, auf dem Papier auch aussieht, so ungewiss ist der Erfolg in der Realität. Und vor diesem Hintergrund scheint die Bewertung noch nicht attraktiv genug, auch wenn Kennziffern wie KGV und KCV in den vergangenen Monaten wieder deutlich zurückgekommen sind.

Die wichtigsten Fragen zur Oracle-Aktie im Überblick

  1. Bildet die Oracle-Aktie gerade einen Boden?
    Es gibt Anzeichen für eine kurzfristige Stabilisierung. Für eine belastbare Bodenbildung wäre aber ein nachhaltiger charttechnischer Ausbruch nötig.
  2. Was stützt den Kurs der Oracle-Aktie aktuell?
    Vor allem das starke Wachstum im Cloud-Geschäft, der kräftig gestiegene Auftragsbestand und die positive Marktreaktion auf die jüngsten Geschäftszahlen.
  3. Welche Risiken bleiben für Oracle besonders wichtig?
    Die hohen KI-Investitionen, die steigende Verschuldung, möglicher Margendruck sowie die Abhängigkeit von Großkunden und der starke Wettbewerb im Cloud-Markt.
  4. Ist die Oracle-Aktie eher etwas für Trader oder für Langfrist-Anleger?
    Kurzfristig kann die Aktie bei anhaltend positivem Sentiment für Trading interessant sein. Für ein langfristiges Investment bleiben zentrale Fragen zu Capex, Cashflow und Profitabilität noch offen.

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