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PULSION Medical Systems: Einträgliche Nische

Die jüngst präzisierten und teilweise angehobenen Ziele für das abgelaufene Geschäftsjahr unterstreichen einmal mehr, dass sich die kleine Medizintechnikfirma bester Gesundheit erfreut. 2012 profitabel gewachsen und neue Spitzenwerte erzielt, sollte PULSION Medical Systems angesichts des vielversprechenden Geschätsmodells die positive Entwicklung auch künftig fortsetzen.

BÖRSE am Sonntag

 

Wer kennt sie nicht, die blinkenden, mit Kurven und Zahlen gespickten Monitore an Krankenbetten, die in Filmen oder Serien immer wieder gerne als Spannung förderndes Mittel in Szene gesetzt werden? In der Realität liefern diese Systeme Pflegekräften und Ärzten wichtige Informationen, die sich damit schnell ein komplettes Bild über den Zustand des Patienten machen können. Außerdem schlagen sie bei kritischen Parametern Alarm und ermöglichen so ein rechtzeitiges Gegensteuern. Die 1990 gegründete Firma hat sich auf solche Monitorlösungen im Bereich der erweiterten Überwachung des Herz-Kreislauf-Systems (hämodynamisches Monitoring) spezialisiert.

Besser als der Standard

Mit den von ihr entwickelten Technologien lässt sich eine Vielzahl an Parametern messen und berechnen, die die Blut- und Sauerstoffversorgung des Körpers und den Zustand wichtiger Organsysteme präzise widerspiegeln. In dem traditionellen Kerngeschäftsfeld Critical Care produziert das Unternehmen dabei Medizinprodukte für Diagnostik und Überwachung von Patienten mit kritischem Gesundheitszustand, die bisher schwerpunktmäßig auf der Intensivstation und mit Einführung der neuen Produktlinien vermehrt auch im Operationssaal eingesetzt werden. Sie liefern umfangreiche Informationen über den aktuellen Zustand des Herz-Kreislauf-Systems, das verantwortlich für die ausreichende Versorgung der Organe mit Sauerstoff ist, sowie über weitere wichtige Organsysteme. Laut PULSION überwachen die eigenen Produkte schwerkranke Patienten dabei wesentlich umfassender als Standard-Monitorsysteme. Daraus resultiert ein Zeit- und Informationsvorsprung, wodurch frühzeitig Therapien begonnen und Komplikationen vermieden werden können.

Durchblutung auf der Spur

Neben diesem Bereich baut das Unternehmen mit der Perfusionsdiagnostik mittels bildgebender Verfahren ein zweites Geschäftsfeld auf, für das es vielversprechende Perspektiven ausgemacht hat. PULSION macht hier die Durchblutung von Geweben und Organen sichtbar, um damit beispielsweise krankhafte Veränderungen der Blutgefäße zu visualisieren oder während und nach Operationen die ausreichende Blutversorgung von Geweben zu überprüfen. Die Gesellschaft nutzt dazu ein eigenes Diagnostikum (ICG-PULSION), das nach Eingabe in die Blutbahn zur Fluoreszenz angeregt wird. Ein optisch-bildgebendes System macht die Gefäße schließlich sichtbar. Laut Gesellschaft ist diese Technologie eine echte Alternative zu bildgebenden Röntgenverfahren und kommt zudem ohne Strahlenbelastung aus. Aufgrund seiner Eigenschaften ist das Arzneimittel ICG-PULSION dabei in verschiedenen Bereichen anwendbar und das Verfahren wird auch in der Augenheilkunde, in der Neurochirurgie sowie in der Viszeral- und plastischen Chirurgie eingesetzt.

Überzeugendes Geschäftsmodell

In der mehr als 20-jährigen Firmengeschichte hat sich PULSION inzwischen zu einem starken mittelständischen Unternehmen gemausert, das sich insbesondere in Europa als einer der führenden Anbieter im Bereich des hämodynamischen Monitorings bei schwerkranken Patienten positioniert hat. Es vertreibt seine Produkte dabei nicht nur selbst, sondern versucht durch Partnerschaften mit den führenden Herstellern von integrierten Patienten-Monitoringsystemen (u. a. Dräger, GE Healthcare, Philips Healthcare) die eigenen Technologien weiter zu etablieren. Eine plausible Strategie. Darüber hinaus überzeugt das Geschäftsmodell dadurch, dass die Gesellschaft zunehmend weniger abhängig vom Verkauf der eigentlichen Monitore ist, was gerade vor dem Hintergrund des Spardrucks in Europa und den daraus möglichen resultierenden Kürzungen von Investitionen im Gesundheitssektor ein wichtiger Aspekt ist. Hier kommen dem Unternehmen die bereits installierte Monitorpräsenz sowie der Umstand zugute, dass nach dem Monitorverkauf immer wiederkehrende Umsätze mit Verbrauchsartikeln (Monitoring-Katheter, Messsonden, Sensoren, ICG-PULSION) erzielt werden, die sich zudem durch höhere Gewinnmargen auszeichnen. Inzwischen machen diese wiederkehrenden Umsätze mehr als 80% der gesamten Konzernerlöse aus.

Neue Rekorde

Auch die Entwicklung der Ergebnisse spricht für die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells. In den ersten neun Monaten 2012 erhöhte sich der Umsatz zum Vorjahreszeitraum um 5,3% auf 25,4 Mio. Euro. Dazu trug insbesondere das kräftige Wachstum im Bereich Perfusion von 24,8% auf 4,6 Mio. Euro bei, während das größte Geschäftsfeld Critical Care mit 1,9% auf 20,9 Mio. Euro weitaus weniger üppig expandierte. Überproportional zu den Einnahmen stiegen die Erträge, was auch an dem zunehmenden Umsatzanteil an Verbrauchsmaterialien sowie an gesunkenen Kosten lag. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) nahm daher um 34,4% auf fast 7 Mio. Euro zu. Nach Steuern verdiente PULSION mit 5,1 Mio. Euro 18,8% mehr. Zu der starken Entwicklung in den ersten neun Monaten beigetragen hat ein beschleunigtes Wachstum im dritten Quartal. Auch im Schlussquartal scheinen die Geschäfte gut gelaufen zu sein, wie die jüngst präzisierten und angehobenen Prognosen für das Gesamtjahr implizieren. PULSION geht nun von einem Anstieg der Umsätze zum Vorjahr von 32,9 auf 34,5 bis 34,7 Mio. Euro aus, nach bislang 34 bis 34,7 Mio. Euro. Das EBIT soll gegenüber 2011 von 6,8 auf 9,5 Mio. Euro klettern. Bisher hatte die Prognose bei 8,6 bis 9,4 Mio. Euro gelegen. Erhöht wurde ferner das Ziel für das Ergebnis je Aktie (EPS) von bislang 0,70 bis 0,76 auf nun 0,75 bis 0,81 Euro. 2011 hatte die Gesellschaft 0,51 Euro je Aktie verdient. PULSION dürfte damit 2012 erneut Rekordwerte bei Einnahmen und Profit erzielt und damit die Serie an Jahren mit neuen Spitzenwerten auf drei ausgebaut haben.

Kerngesund

Hier dürfte noch nicht Schluss sein. Auch künftig sollte das Unternehmen sein profitables Wachstum fortsetzen können. Eine kerngesunde Bilanzstruktur sowie ein starker operativer Cashflow geben ihm den Spielraum, weiter in den Ausbau des Geschäfts zu investieren, sei es durch die Entwicklung neuer Produkte als auch durch Ausbau und Stärkung der internationalen Präsenz.

Fazit

Bezüglich seiner Größe kann PULSION Medical Systems zwar nicht mit den Riesen der Medizintechnikbranche mithalten, in Sachen Profitabilität braucht es sich aber nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Das Unternehmen ist hoch profitabel. Es hat sich ferner in einer einträglichen Nische sehr gut positioniert und sollte diese Stellung auch künftig weiter festigen und ausbauen können. Ein wichtiger Punkt ist ferner, dass die Gesellschaft nicht stark vom Verkauf der Monitore abhängig ist, sondern inzwischen mehr als 80% der Einnahmen mit seinen attraktiven höhermargigen Verbrauchsartikeln erlöst, die von den Nutzern immer wieder angeschafft werden müssen. Insgesamt betrachtet bleibt die Aktie damit trotz der sehr positiven Kursentwicklung in den vergangenen Jahren ein aussichtsreiches Investment. Inklusive des aktuellen chartechnischen Bildes könnten derzeit daher spekulative Käufe erwägenswert sein. Beim Management eventueller Positionen zu beachten ist, dass der Wert von einem vergleichsweise sehr geringen Handelsvolumen geprägt ist.