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QIAGEN: Beschleunigtes Wachstumstempo

Mit rund 33% Plus seit Jahresbeginn kann sich die Kursperformance des niederländischen Biotech-Konzerns sehen lassen. QIAGEN schneidet damit besser ab als der TecDAX und setzt die seit dem Mehrjahrestief von Oktober 2011 auszumachende Aufwärtsbewegung fort. Zwar gab es im Zuge der jüngsten Korrektur am Gesamtmarkt auch hier einen Rücksetzer; die vorgelegten Ergebnisse für das zweite Quartal und die erhöhten Prognosen für das Gesamtjahr, hoben dann aber wieder die Kauflaune.

BÖRSE am Sonntag

 

QIAGEN hat solide Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Den Umsatz steigerte der Konzern um 9% auf 307,2 Mio. US-Dollar. Bereinigt um negative Wechselkurseffekte waren es sogar 14% Plus. Rund 9 Prozentpunkte entfielen dabei auf die Konsolidierung der jüngsten Übernahmen (Ipsogen: Juli 2011, Cellestis: August 2011 und AmniSure: Mai 2012). Das ausgewiesene Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) gab indes leicht von 46,5 auf 45,4 Mio. US-Dollar nach. Allerdings sind hier etliche Sondereffekte enthalten, wie die im Zusammenhang mit Firmenkäufen anfallenden Restrukturierungskosten und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte. Angesichts der weiteren Zukäufe in der jüngsten Vergangenheit, womit die seit Jahren praktizierte Strategie, Portfolio und regionale Präsenz zu verstärken und zu erweitern, fortgesetzt wurde, haben sich diese Posten weiter erhöht und verzerren damit die tatsächliche operative Geschäftsentwicklung. Bereinigt um Sondereffekte verbesserte sich das EBIT um 10% auf 86,4 Mio. Euro. Beim Nachsteuerprofit sieht es ähnlich aus. Während er laut Rechnungslegung mit 33,3 Mio. Euro nahezu auf dem Vorjahresniveau stagnierte und dabei von geringeren Steuern profitierte, legte er bereinigt von 55 auf 60,8 Mio. US-Dollar zu.

Fortschritte bei Wachstumsinitiativen

Firmenlenker Peer M. Schatz zeigte sich bezüglich der Ergebnisse für das zweite Quartal sehr zufrieden und sprach trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen von einer soliden Performance. Er hob dabei die erreichten bedeutenden Fortschritte bei der Umsetzung der strategischen Initiativen zur Förderung von Wachstum und Innovation hervor. Die Gesellschaft hatte im November 2011 ein Projekt zur Steigerung der Produktivität gestartet, mit dem Ziel, effizienter und effektiver zu wachsen. Neben Einsparungen haben diese Maßnahmen zum Ziel, QIAGENs Führungsposition bei Proben- und Testtechnologien zu nutzen, um die Marktdurchdringung der eigenen Produkte weiter voranzutreiben, das eigene Portfolio zu erweitern sowie die geografische Präsenz, besonders in aufstrebenden Märkten, auszubauen.

Breites Sortiment

Die Gesellschaft zählt sich selbst bereits zu den weltweit führenden Anbietern von sogenannten Probenvorbereitungs- und Testtechnologien. Erstere werden eingesetzt, um Nukleinsäuren wie DNA und RNA oder Proteine aus biologischen Proben wie Blut oder Gewebe zu isolieren und für Analysen vorzubereiten. Die Testtechnologien dienen dann zum Sichtbarmachen dieser Biomoleküle, damit sie ausgewertet werden können. Das Sortiment umfasst bislang mehr als 500 verschiedene Produkte, darunter Verbrauchsmaterialien, die also kontinuierlich von den Kunden nachgekauft werden müssen, und Systeme zur Automatisierung. Erstere machen mit einem Anteil von etwa 86% den Großteil des Sortiments aus. Letztere gelten als ein Schlüsselelement der Wachstumsstrategie von QIAGEN. Der Fokus liegt dabei auf dem weltweiten Ausbau der Installationen des Automationssystems „QIAsymphony“, dem branchenweit ersten modularen System, das sowohl kommerzielle Tests als auch eine Vielzahl von im Labor entwickelter Nachweisverfahren von der Probe bis zum klinischen Ergebnis verarbeiten kann. Das Unternehmen ist laut eigener Angaben auf einem guten Weg, das Ziel zu erreichen, die Anzahl der bereits installierten Systeme von 550 Stück Ende 2011 auf 750 bis Ende 2012 zu erhöhen. Gliedern lässt sich das Geschäft zudem nach vier Kundengruppen: Molekulare Diagnostik (Gesundheitsfürsorge), Angewandte Testung (Forensik, Veterinärdiagnostik und Lebensmitteltestung), Pharma (pharmazeutische und biotechnologische Unternehmen) sowie Akademische Forschung.

Optimistischer Ausblick

QIAGEN war aber nicht nur zufrieden mit den im zweiten Quartal erzielten Ergebnissen, sondern zeigte sich auch optimistisch für die weitere Geschäftsentwicklung. Der Vorstand erhöhte daher die Prognosen für das Gesamtjahr 2012 leicht. War bislang ein wechselkursbereinigtes Umsatzplus von 6 bis 8% angepeilt, sollen es nun etwa 8 bis 9% werden. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) wird in einer Spanne von 1,04 bis 1,06 US-Dollar erwartet, nach zuvor 1,03 bis 1,05 US-Dollar. Der Vorstand betonte ferner, dass das Unternehmen gut aufgestellt sei, das Ziel zu erreichen, sein Wachstumstempo im Jahr 2012 zu beschleunigen. Im Vorjahr hatte QIAGEN den Umsatz um 7,5% auf 1,17 Mrd. US-Dollar erhöht. Das bereinigte EBIT legte um 4% auf 319,6 Mio. US-Dollar zu. Nach Steuern blieb ein bereinigter Profit von 234,4 Mio. US-Dollar (+5%) übrig, sodass das bereinigte EPS von 0,93 auf 0,98 US-Dollar zunahm.

Aktienrückkauf

Solide Quartalszahlen und angehobene Prognosen waren aber nicht die einzigen guten Nachrichten, die der Vorstand für Investoren im Gepäck hatte. Er kündigte außerdem noch das erste Aktienrückkaufprogramm der Firmengeschichte an. Konkret will die Gesellschaft eigene Papiere für etwa 100 Mio. US-Dollar zurückkaufen. „Das zeigt, dass wir von den Zukunftsaussichten überzeugt sind, und dies gerade in einer Zeit, in der die QIAGEN-Aktie unserer Einschätzung nach unterbewertet ist“. Die Bewertung an der Börse des hoch profitablen und kontinuierlich solide wachsenden Unternehmens ist tatsächlich attraktiv. Legt man das für 2012 angepeilte bereinigte EPS zu Grunde, lässt sich daraus ein KGV (2012e) von rund 14 ableiten.

Fazit

Der Biotech-Konzern arbeitet weiterhin konsequent daran, Produktportfolio und regionale Präsenz auszuweiten, entweder durch eigene neue Entwicklungen oder durch Zukäufe, um seine führende Position in den von ihm bedienten Märkten zu festigen und auszubauen. Die Früchte dieser Arbeit spiegeln sich, ebenso wie die Fortschritte der Ende 2011 eingeleiteten Initiativen zur Steigerung von Effizienz und Effektivität, in den jüngst vorgelegten soliden Quartalszahlen wider. Ein zuversichtlicher Ausblick mit den leicht angehobenen Prognosen für das Gesamtjahr 2012 sowie auch das angekündigte Aktienrückkaufprogramm können ferner als weitere, ermutigende Hinweise auf eine auch künftig erfolgreiche Geschäftsentwicklung interpretiert werden. Zusammen mit einer attraktiven Bewertung sowie dem weiterhin intakten Aufwärtstrend der Aktie seit Oktober 2011 können daher spekulative Käufe in Erwägung gezogen werden.