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Sartorius: Auf profitablem Wachstumskurs!

Die Aktien des Anbieters von Labor- und Prozesstechnologie stemmten sich in der vergangenen Woche lange gegen das allgemein sehr schwache Gesamtmarktumfeld. Letztendlich konnten sie die zwischenzeitlich relativ starken Zuwächse aber nicht halten und gaben zur Vorwoche nach. Zunächst hatten die starken Halbjahreszahlen aus der Vorwoche nachgewirkt, was weiter Investoren anlockte. Zudem schien es, als wenn die Verschnaufpause der vergangenen Monate beendet werden kann.

BÖRSE am Sonntag

Hatte die Aktie in der Vorwoche kräftig zugelegt und sich damit dem Widerstand von 36,80 Euro (Vorzugsaktien) genähert, wurde jüngst ein Versuch unternommen, diese aus dem Zwischenhoch von Ende April dieses Jahres resultierende Hürde nachhaltig zu knacken. Gelänge dies, wäre damit aus längerfristiger Sicht wohl der Weg frei bis zum bisherigen Allzeithoch von 47,15 Euro. Unterstützung gab es von der fundamentalen Seite. Sartorius hatte mit den in der Vorwoche vorgelegten Halbjahreszahlen nicht nur starke Ergebnisse abgeliefert, sondern auch die Prognosen für das Gesamtjahr 2011 erhöht.

Prognosen angehoben

Der Anbieter von Labor- und Prozesstechnologie geht nun für beide Sparten (Biotechnologie und Mechatronik) und somit auch für den Konzern von einem währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen 8% und 10% aus. Bislang hatte er 6% bis 8% angepeilt. Im Vorjahr hatte es hier einen Zuwachs von 6,4% auf 659,3 Mio. Euro gegeben. Firmenchef Dr. Joachim Kreuzburg erläuterte mit Blick auf die zweite Jahreshälfte, dass sich zwar die herausragenden Wachstumsraten in der zyklischeren Mechatroniksparte allmählich wieder normalisieren sollten. Für die Biotechnologiesparte, die rund zwei Drittel des Konzernumsatzes erzielt, rechnet er aber mit einer Fortsetzung des dynamischen Wachstums. Wie der Vorstand weiter erklärte, wird ferner ein stärkerer Anstieg der Profitabilität erwartet. Demnach dürfte sich die Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBITA) bei konstanten Wechselkursen in der Biotechnologiesparte auf 17% bis 18% (bisher: rund 17%) und in der Mechatroniksparte auf 10% bis 11% (bisher: rund 8%) erhöhen. Konzernweit wird mit einem Anstieg der EBITA-Marge auf 14,5% bis 15,5% (bisher: rund 14%) gerechnet. 2010 war das währungsbereinigte EBITA um 40,4% auf 85,5 Mio. Euro geklettert, was zu einem Anstieg der entsprechenden Marge von 10,1% auf den neuen Höchstwert von 13% führte. Zudem geht Sartorius im Gesamtjahr 2011 weiterhin von einem deutlich positiven operativen Cashflow aus.

Zweistellige Zuwächse

Basis für die zuversichtlichen Aussichten und angehobenen Prognosen ist die erfreuliche Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2011, in dem es zweistellige Zuwachsraten bei Umsatz und Profit gab. „Wir sind in beiden Konzernsparten und allen Geschäftsregionen dynamisch und profitabel gewachsen“, freute sich Firmenlenker Kreuzburg. So legte der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten um 13,6% (wechselkursbereinigt +14,6%) auf 382,3 Mio. Euro zu. Der Umsatz erhöhte sich um 12,2% auf 353,7 Mio. Euro. Wechselkursbereinigt waren es 13,1% Plus. Regional erwies sich einmal mehr das Asiengeschäft als größter Wachstumstreiber. Dort stieg der Umsatz um 28,7% auf 80,1 Mio. Euro.

Wachstumsmarkt Einwegprodukte

Mit Blick auf die Konzernsparten entwickelten sich beide prächtig. Im größeren Bereich Biotechnologie konzentriert sich Sartorius auf Einwegprodukte (Single-use-Produkte) für biopharmazeutische Anwendungen. Diese Erzeugnisse waren im ersten Halbjahr 2011 besonders gefragt, was sich in einem Auftragsplus der Sparte von 16,2% (wechselkursbereinigt: +17,4%) auf 257,2 Mio. Euro sowie einem Umsatzanstieg um 9,7% (wechselkursbereinigt: +10,8%) auf 229,4 Mio. Euro widerspiegelte. Dem Bereich Einwegprodukte wird ein kräftiges Wachstum in den nächsten Jahren prophezeit, dürfte der bereits in vollem Gang befindliche Technologiewechsel von Mehrweg- zu Einweglösungen doch fortschreiten und sich Letztere schließlich als Standard in der Pharma- und Biotechnologieindustrie durchsetzen. Im Vergleich zu den herkömmlichen fest installierten Edelstahlanlagen in der Biotechproduktion sind Einweglösungen flexibel einsetzbar und weniger zeit- und kostenintensiv. Beispielsweise entfällt der Aufwand für die Reinigung. Sartorius bietet dabei ein umfangreiches Technologie-, Produkt- und Serviceportfolio, mit dem das Unternehmen der Kundschaft hilft, Medikamente und Impfstoffe auf biologischer Basis sicher und effizient zu entwickeln und herzustellen. Eigenen Angaben zufolge besetzt der Konzern weltweit führende Positionen in Bioprozessfiltration, Fermentation, Fluid-Management-Technologie und der Membranchromatografie sowie bei verschiedenen weiteren Aufarbeitungstechnologien.

Neuausrichtung fruchtet

Ebenfalls sehr erfreulich hat sich die Mechatroniksparte entwickelt, in der insbesondere Geräte und Systeme der Wäge-, Mess- und Automationstechnik für Labor- und Industrieanwendungen hergestellt werden. Hier trägt offenbar die 2009 begonnene strategische Neuausrichtung weiter Früchte. Sartorius will hier künftig durchgängig, das heißt von der Entwicklung bis in den Vertrieb, stärker anwendungsorientiert und weniger produkt- bzw. technologieorientiert auftreten. Konkret will sich der Konzern darauf konzentrieren, den Kunden bei der Qualitätssicherung und der Produktivitätssteigerung ihrer Herstellungsprozesse zu helfen. Der Schwerpunkt liegt den Angaben zufolge auf der Nahrungsmittel- und der Pharmaindustrie, die beide relativ gering von der Konjunktur abhängig sind und als langfristige Wachstumsbranchen gelten. Im ersten Halbjahr 2011 kletterte in dieser Sparte der Auftragseingang um 8,7% (wechselkursbereinigt: +9,2%) auf 125,1 Mio. Euro. Der Umsatz verbesserte sich sogar um 17,2% (wechselkursbereinigt: +17,6%) auf 124,3 Mio. Euro. Zu dieser positiven Entwicklung trugen laut Firmenangaben sowohl das Geschäft mit Laborinstrumenten als auch das Geschäft mit industrieller Wäge- und Kontrolltechnik bei.

Kräftig steigende Gewinne

Die gute Geschäftsentwicklung in den ersten sechs Monaten schlägt sich auch positiv in den Erträgen nieder. Sie legten sogar überproportional zu den Umsätzen zu. Das um Sonderaufwendungen bereinigte EBITA erhöhte sich um 40,7% auf 51,1 Mio. Euro. Die entsprechende EBITA-Marge verbesserte sich von 11,5% auf 14,4%. Maßgeblich für diese erhebliche Steigerung waren neben dem Plus auf der Einnahmeseite auch die optimierten Kostenstrukturen in der Mechatroniksparte. Der bereinigte Profit nach Anteilen anderer Gesellschafter erhöhte sich von 15,9 auf 24 Mio. Euro.

Fazit

Mit den kräftigen Ergebnissteigerungen sowie den angehobenen Prognosen scheint das 1870 gegründete Traditionsunternehmen den 2010 nach der davor auszumachenden rezessionsbedingten Schwächephase wieder eingeschlagenen profitablen Wachstumstrend fortzusetzen. Die Entwicklung im ersten Halbjahr 2011 unterstreicht dabei die gute Marktposition in beiden Sparten sowie die insgesamt vielversprechenden Aussichten des zukunftsträchtigen Geschäftsmodells. Zusammen mit der nicht zu teuren Bewertung, das KGV (2011e) liegt bei etwa 14, könnte dies spekulative Käufe rechtfertigen, sodass eventuelle Rücksetzer Einstiegschancen bieten. Zudem könnte ein nachhaltiger charttechnischer Ausbruch über die Hürde von 36,80 Euro, der kurzfristig weiterhin denkbar ist, ein Kaufsignal darstellen. Bei eventuellen Investitionen in Sartorius wäre die im Gegensatz zur Stammaktie weitaus liquidere Vorzugsaktie vorzuziehen.