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Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment: Momentum stimmt

Die Aktie des Herstellers von Hochpräzisionsteilen für die Ölfeld-Serviceindustrie verzeichnete im August die beste Performance innerhalb des österreichischen Leitindex ATX. Sie kletterte dabei zur Monatsmitteüber das bisherige Allzeithoch von Oktober 2007 und erreichte in den darauf folgenden Wochen jeweils neue Rekorde. So auch in der vergangenen. Das charttechnische Bild und die fundamentalen Faktoren könnten weiterhin für die Aktie sprechen.

BÖRSE am Sonntag

 

Die Aktie von Schoeller-Bleckmann (SBO) verzeichnete im August mit 11% nicht nur die beste Entwicklung innerhalb des ATX, sondern es kletterte auch über den Widerstand bei 70,56 Euro. Darüber hinaus wurde das bisherige Allzeithoch übertroffen, das mit den jüngsten Zuwächsen nun nachhaltig überschritten worden zu sein scheint. Obendrein generierte die Aktie im Point-and-Figure-Chart ein Kaufsignal (Triple-Top-Buy). Zusammen mit dem zuletzt starken Momentum – seit dem Aktien Zwischentief Ende Juni bei 58,80 Euro ging es um rund 35% aufwärts – könnte dies aus charttechnischer Sicht für weitere Zuwächse sprechen. Das Momentum stimmt aber nicht nur beim Preisverlauf. Auch die aktuell glänzend laufenden Geschäfte könnten für anhaltendes Investoreninteresse sorgen und die Aktie weiterhin positiv beeinflussen.

Positives Branchenumfeld

Die im August vorgelegte Halbjahresbilanz war grandios und wurde zu Recht mit kräftig steigenden Kursen honoriert. SBO profitierte auch im zweiten Quartal von dem guten wirtschaftlichen Branchenumfeld und knüpfte damit an die erfolgreiche Geschäftsentwicklung der vorangegangenen Vierteljahre an. So gab es nach der bereits sehr starken Aufwärtsentwicklung bei den Auftragseingängen im ersten Quartal auch im zweiten einen weiteren Zuwachs. Mit einem Volumen von 147,7 Mio. Euro erreichten die Bestellungen sogar einen neuen, absoluten Quartalsrekord. Im ersten Halbjahr insgesamt verzeichnete der Konzern mit 276,9 Mio. Euro einen um 33,1% höheren Auftragseingang. Der Auftragsbestand Ende Juni lag mit 208,7 Mio. Euro um 52,2% über dem Vergleichswert und beinhalte Aufträge für 2012 sowie bereits teilweise für 2013. Basis für die positive Entwicklung waren laut Firmenangaben die robuste Ölnachfrage der Emerging Markets sowie die weltweit insgesamt steigende Bohraktivität, sodass die Branchenkonjunktur in der Ölfeld-Serviceindustrie von der globalen Konjunkturschwäche unbeeindruckt ihren Aufwärtstrend auch im ersten Halbjahr 2012 fortsetzte.

Rekordergebnisse

Abgesehen von den Bestellungen wird das zuträgliche Umfeld für SBO auch bei Umsatz und Profit ersichtlich. Hier gab es im ersten Halbjahr ebenfalls neue Rekorde. Der Umsatz legte um 31,5% auf 255,7 Mio. Euro zu. Sämtliche Segmente verzeichneten dabei eine erfreuliche Entwicklung. Überproportional zu den Einnahmen erhöhten sich die Erträge. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich um 37,9% auf 77,5 Mio. Euro. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) waren es mit 58,4 Mio. sogar 45,6 Mio. Euro mehr. Dies führte zu einer von 20,6% auf 22,9% gestiegenen EBIT-Marge. Nach Steuern verdiente der Konzern 37,2 Mio. Euro (+57,2%).

Positiver Ausblick

Mit diesen glänzenden Zahlen sowie dem hohen Auftragsbestand im Rücken zeigte sich Konzernchef Gerald Grohmann zuversichtlich für das zweite Halbjahr und geht weiterhin von einem positiven Geschäftsumfeld aus. Sofern es zu keiner wesentlichen Eintrübung der Ölnachfrage in den Emerging Markets, dem Wachstumstreiber der Energienachfrage, kommt und keine substanzielle Verschlechterung der globalen Wirtschaftsentwicklung eintritt, dürfte auch eine schwache Konjunktur in Europa und in den USA keine nachhaltigen negativen Auswirkungen auf den globalen Energieverbrauch haben, hieß es im Firmenausblick. Darüber hinaus seien die Ölpreise hoch genug, um selbst technologisch komplexe und teure Bohrungen, insbesondere die steigende Anzahl an Offshore-Bohrungen (auf dem Meer), wirtschaftlich attraktiv zu gestalten. Dies lasse für den weiteren Jahresverlauf auch eine Fortsetzung der intensiven Schiefergestein-Bohraktivitäten in Nordamerika erwarten. Als Risiko sieht SBO eine zunehmende Verunsicherung über die Konjunkturentwicklung über das Jahr 2012 hinaus, was in einem etwas vorsichtigeren Investitionsklima der Öl- und Gasindustrie münden könnte.

Aussichtsreiche Perspektiven

Und nicht nur kurzfristig scheinen die Perspektiven zu stimmen, sondern auch mittel- bis langfristig. SBO setzt auf den erwarteten weltweit steigenden Bedarf an individueller Mobilität. Damit einher geht eine steigende Nachfrage nach Öl für die Herstellung von Kraftstoff, auch wenn verstärkt nach Alternativen (z. B. Biosprit, Elektro-, Erdgas oder Wasserstoffantriebe) gesucht wird und auch die Entwicklung immer sparsamerer Motoren in vollem Gange ist. Die Erdölindustrie steht damit vor der großen Aufgabe, den steigenden Ölbedarf zu decken, was angesichts der rückläufigen Fördermengen in den erschlossenen Ölquellen nicht gerade einfach ist. Schließlich muss die sinkende Menge aus bestehenden Produktionskapazitäten überkompensiert werden, um den wachsenden Bedarf zu befriedigen. Ölkonzerne bauen daher ihre Förderkapazitäten aus, indem sie die Ausbeuteraten bestehender Vorkommen verbessern und neue Quellen erschließen. Es ist jedoch immer aufwendiger und wird immer teurer, an die begehrten Rohstoffe heranzukommen. Dank der hohen Ölpreise rechnet sich aber auch die Erschließung der schwer zugänglichen Lagerstätten. Dazu benötigt werden jedoch immer ausgefeiltere Techniken und das Erfordernis nach zunehmend komplexeren Technologien stellt einen stabilen, langfristigen Wachstumstreiber für SBO dar. Das Unternehmen hat sich auf die dazu benötigten Hochpräzisionskomponenten spezialisiert und bezeichnet sich in diesem Bereich als unangefochtener Weltmarktführer. Es stellt Bohrstrangkomponenten aus nicht magnetisierbarem Stahl, Motoren und Bohrwerkzeuge her und fertigt Gehäuse (Collars) für Messgeräte, Sensoren, Antennen und Generatoren sowie Hochpräzisionsteile (Internals), an denen elektronische Komponenten und andere Teile für Messung und Analyse befestigt sind. Wartungs- und Reparaturdienstleistungen runden das Tätigkeitsspektrum ab.

Fazit

Ein positives Branchenumfeld sorgt derzeit für kräftig sprudelnde Gewinne. Darüber hinaus sind die langfristigen Perspektiven angesichts der erwarteten steigenden weltweiten Nachfrage nach Erdöl und Erdgas vielversprechend, dürfte SBO als Weltmarktführer bei Hochpräzisionskomponenten und Hochleistungs-Bohrmotoren für die Ölfeld-Serviceindustrie doch ein Nutznießer dieser Entwicklung sein. Zusammen mit dem aktuell verheißungsvollen charttechnischen Bild könnte dies spekulative Käufe rechtfertigen. Das Momentum scheint derzeit einfach zu stimmen.