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Semperit gibt Gummi

Während der österreichische Leitindex ATX noch mehr als 40% von seinem Allzeithoch entfernt ist, gibt es innerhalb des Kursbarometers zwei Werte, die zuletzt neue Rekordhochs erreichten. Einer davon ist der Kautschuk- und Kunststoffspezialist Semperit, der in der vergangenen Woche ohne neue Nachrichten weiter zulegte.

BÖRSE am Sonntag

Mit den jüngsten Zuwächsen setzte sich die seit dem Zwischentief von August dieses Jahres auszumachende Rallye fort. Seither ging es um rund 47% aufwärts. In der Vorwoche wurde dabei das bisherige Allzeithoch von April 2007 bei 35,00 Euro recht dynamisch überwunden. Jüngst folgten Anschlusskäufe, sodass es wieder neue Spitzenwerte gab. Die zuletzt beobachtete Stärke könnte spekulative Long-Positionen gemäß der Darvas-Strategie rechtfertigen. Bei diesem Handelsansatz werden getreu dem Motto „der Markt hat immer recht“ nur Aktien gekauft, deren Kurse sich auf Mehrjahres- oder Allzeithoch befinden. Zugrunde liegt die Annahme, dass steigende Aktien dazu neigen, weiter zu steigen, da kaum noch Verkaufsdruck auftritt. Bei Anwendung dieser Strategie ist jedoch eine dem eigenen Risiko angemessene Absicherung mittels Stop-Loss unabdingbar. Aus charttechnischer Sicht spräche ein Rückfall unter 35,00 Euro für eine Auflösung des bullishen Szenarios, sodass spätestens knapp unter dieser Marke entsprechende Long-Positionen glattzustellen sind.

Gute Geschäfte

Neben den charttechnischen Aspekten macht Semperit auch aus fundamentaler Sicht eine gute Figur. Die Geschäfte in den ersten neun Monaten liefen bestens. Bei den Umsätzen verbuchte die Gesellschaft ein Plus von 17,3% auf 519,3 Mio. Euro. Damit ist sie auf einem sehr guten Weg, im Gesamtjahr den Vorjahreswert von 588,1 Mio. Euro zu übertreffen. Vielleicht schafft es der Konzern sogar, den bisherigen Rekordumsatz aus dem Jahr 2008 von 655,3 Mio. Euro zu erreichen oder gar zu knacken. Dazu fehlen 136 Mio. Euro, die im Schlussquartal locker zu schaffen sein sollten. Allein im dritten Quartal hatte das Unternehmen Umsätze von 188,9 Mio. Euro erwirtschaftet. Erfreulich entwickelte sich in den ersten neun Monaten außerdem die Ertragssituation, ungeachtet der in einigen Bereichen sinkenden Margen aufgrund steigender Material- und Rohstoffpreise sowie teilweise verschärften Wettbewerbsbedingungen und damit einhergehenden rückläufigen Verkaufspreisen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 52,8 auf 61,2 Mio. Euro. Unter dem Strich verdiente Semperit 49,8 Mio. Euro, was einem Plus von 18,2% entspricht.

Wachstumstreiber Gummihandschuhe

Ein starker Wachstumstreiber bei den Einnahmen in den ersten neun Monaten 2010 war insbesondere die Division Sempermed, die selbst im Krisenjahr 2009 zulegen konnte. Im Zeitraum Januar bis September stiegen hier die Erlöse um 20,3% auf 245,2 Mio. Euro. In der größten Konzernsäule (Umsatzanteil: 47,2%) stellt die Gesellschaft Untersuchungs- und Operationshandschuhe her, die in der Medizin, der Lebensmittel- und der chemischen Industrie eingesetzt werden. Eigenen Aussagen zufolge ist Semperit bei den Operationshandschuhen mit einem Anteil von 20% bis 25% Marktführer in Europa. Weltweit liegt der Marktanteil bei mehr als 10%. Bei den Untersuchungshandschuhen sind es 15% in Europa sowie 10% weltweit. Mit den jüngsten Zuwächsen dürfte sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fortsetzen. Von 1997 bis 2009 kletterten die Spartenerlöse von 85 auf 271,4 Mio. Euro.

Kräftige Erholung

Aber nicht nur die Geschäfte mit Gummihandschuhen liefen in den vergangenen Monaten bestens. Kräftige Zuwächse und damit eine deutliche Erholung verzeichnete auch das zweitgrößte Geschäftsfeld Semperflex (Umsatzanteil: 20,5%). Dieser stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängige Bereich hatte 2009 einen herben Umsatzeinbruch von 36,6% auf 105,3 Mio. Euro zu verzeichnen, nachdem er von 1997 (52,5 Mio. Euro) bis 2008 (166 Mio. Euro) kontinuierlich von Jahr zu Jahr zulegen konnte. Der Konzern produziert in diesem Segment Hydraulik-, Waschgeräte- und Industrieschläuche sowie Elastomer- und Verschleißschutz-Platten. Zu den Abnehmern gehören Maschinenbauer, die Bauwirtschaft und der Bergbau. Angesichts der weltweiten konjunkturellen Erholung waren die Produkte in den vergangenen Monaten wieder deutlich stärker gefragt. Der Umsatz kletterte von Januar bis September um 36,8% auf 106,3 Mio. Euro. Ebenfalls zulegen konnte das Geschäftsfeld Semperform (Umsatzanteil: 16,1%). Hier erhöhten sich die Erlöse um 8,7% auf 83,8 Mio. Euro. In dem Bereich stellt der Konzern Handläufe, Skifolien, Formteile für Kfz und Industrie, Rohr- und Sanitärdichtungen sowie Seilbahnringe und Dichtungsprofile für Türen, Fenster und Fassadenbau her. In vielen Bereichen ist er dabei deutlicher Marktführer. Bei den Handläufen kommt er auf einen weltweiten Marktanteil von rund 30 bis 40%, bei Seilbahnringen sind es 40 bis 50% und bei Skifolien sogar 80 bis 90%. Ebenfalls Spitzenpositionen nimmt Semperit in der vierten Division Sempertrans (Umsatzanteil: 16,1%) mit seinen Transport- und Förderbändern für Bergbau und Materialbeförderung ein. In Europa ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von 20% führend. Weltweit kommt man auf 8%. In den ersten neun Monaten setzte der Konzern hier 83,9 Mio. Euro um und damit 0,5% weniger als im Vorjahreszeitraum.

Einige Herausforderungen

Angesichts eines guten Auftragsbestands rechnet Semperit für das Gesamtjahr 2010 mit einer zufriedenstellenden Entwicklung bei Umsatz und Ertrag. Allerdings sieht sich der Konzern weiterhin mit einer instabilen Wirtschaftslage konfrontiert und bezeichnet sowohl Verfügbarkeit als auch starke Preisanstiege bei einigen Rohstoffen als wesentliche Herausforderungen. Allerdings wurde betont, sich angesichts der Flexibilität in den eigenen Produktionsstätten rasch den unterschiedlichen Rahmenbedingungen sowie den schwankenden Marktbedürfnissen anpassen zu können. Dies zeigte sich bereits während der Krise, sodass die Gesellschaft insgesamt eine robuste und elastische Figur macht. Neben den jüngsten operativen Ergebnissen überzeugen außerdem die aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik sowie die gesunde Bilanz. Die Eigenkapitalquote lag Ende September bei gut 72%. Zudem ist der Konzern netto praktisch schuldenfrei.

Fazit

Der Trend bei Semperit zeigte in den vergangenen Monaten klar aufwärts. Dies gilt nicht nur für den Aktienkurs, sondern auch für die Ergebnisse. Zwar gibt es bezüglich der weiteren operativen Geschäftsentwicklung einige Punkte, die belasten könnten, wie weiter steigende Rohstoffpreise oder eine weitere Verschärfung des Wettbewerbs, Semperit hat in den vergangenen Jahren jedoch seine Hausaufgaben gemacht. Beispielsweise wurden die Produktionskapazitäten im Ausland ausgebaut und durch ergänzende Zukäufe erweitert, sodass der Konzern nun dank seiner weltweiten Präsenz sehr flexibel bei Beschaffung, Produktion und Absatz agieren kann. Hinzu kommen konsequentes Kostenmanagement und eine stetig erhöhte Produktivität, was ihm in vielen Bereichen die weltweite Kostenführerschaft sichert. Entsprechend ist Semperit auch für schwierige Zeiten gut gerüstet und die Aktie insgesamt ein vielversprechendes Investment. Davon scheinen auch die Investoren überzeugt, wie die Rallye seit August zeigt. Der Kurs scheint zwar schon recht heiß gelaufen, allerdings sind weitere Zuwächse denkbar, sodass konsequent abgesicherte spekulative Long-Positionen nach wie vor in Erwägung gezogen werden können.