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SolarWorld: Risikoreiches Schnäppchen

Photovoltaik erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Laut aktuellen Umfragen sprechen sich über 90% der Deutschen für eine stärkere Nutzung von Solarenergie aus. Zudem geht über die Hälfte der Bevölkerung davon aus, dass sich die Solarenergie in Deutschland auf lange Sicht zum wichtigsten Energieträger entwickeln wird. Davon sollte auch der Bonner Solarkonzern SolarWorld profitieren, der unlängst seine Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt hat. Unangenehm könnte aber die Verschlechterung der politischen Rahmenbedingungen werden.  

BÖRSE am Sonntag

In den ersten 6 Monaten 2010 wuchs der Konzernumsatz um 50,8% auf 608,4 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank allerdings gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht auf 81,2 Mio. Euro, die EBIT-Marge lag bei 13,3%. Vorstandschef Frank Asbeck sieht sein Unternehmen im Plan: „Die weltweiten Produktionsstandorte arbeiten mit Vollauslastung, der Ausbau läuft planmäßig. Die SolarWorld ist fit für die Märkte der Zukunft“. Einige Analysten sehen die Perspektiven des Konzerns allerdings weit skeptischer. So stuft beispielsweise Matthew Yates von der US-Investmentbank Merrill Lynch den TexDAX-Boliden nach den Zahlen unverändert mit „Underperform“ ein und belässt auch das Kursziel bei 6 Euro. Yates zweifelt daran, dass das Unternehmen im Vergleich zu seinen asiatischen Konkurrenten seine Kostenbasis wettbewerbsfähig gestalten kann. Denn SolarWorld investiert vorrangig in den USA und in Deutschland. 

In Kürze will das Unternehmen in Hillsboro/Oregon die Maschinen für die neue Modulfertigung hochfahren. Ziel ist eine anvisierte Jahresendkapazität von 350 MW. Die Zellproduktion wurde bereits in den ersten sechs Monaten um über 30% gesteigert und wird die Vollauslastung im 1. Quartal 2011 erreichen. Auf dem US-Markt wirbt seit einigen Wochen der aus der US-Serie „Dallas“ bekannte Schauspieler Larry Hagman für SolarWorld sowie die Energiewende in den Vereinigten Staaten.

Ausbau der Kapazitäten in Deutschland

Auch die Kapazitäten hierzulande wurden jüngst aufgestockt. In Freiberg/Sachsen wurde vor einigen Monaten die neue 250-MW-Waferfertigung eingeweiht, die Kapazität kann nach Unternehmensangaben allein in Freiberg auf insgesamt 1 GW gesteigert werden. Im Sommer wurde dann noch der Grundstein für eine weitere Modulfertigung Solar Factory III gelegt. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Asbeck bemerkte hierzu: „Die europäischen Märkte werden stark wachsen, allen voran Italien, aber auch Frankreich und die osteuropäischen Märkte. Unsere Freiberger Produktion liegt im Herzen Europas und sichert uns kurze Transportwege in all diese Märkte.“ Die Realität engt aber diese ehrgeizigen Ziele ein. Ähnlich wie in Deutschland haben auch andere europäische Länder auf eine umfangreiche Förderpolitik für Solarenergie gesetzt, werden diese jedoch wegen der Wirtschaftskrise reduzieren müssen. Jüngstes Beispiel ist Frankreich: Die Regierung Sarkozy plant eine massive Senkung der Förderung. Bereits im vergangenen Jahr hatte Spanien drastische Kürzungen vorgenommen.

Aktie fundamental nicht teuer, aber technisch angeschlagen

Die politischen Probleme belasten seit Monaten massiv die Kurse der meisten Branchenvertreter. Besonders hart traf es die Konzerne, die mit asiatischen Wettbewerbern im intensiven Wettbewerb stehen. Vor allem in den Bereichen Zellenfertigung (Q-Cells) und Modulproduktion (Solon) herrscht massiver Margendruck. SolarWorld als integrierter Konzern, der vom Wafer bis zum Modul auf allen Stufen der Fertigung tätig ist, konnte sich bisher recht ordentlich schlagen. Doch die Perspektiven werden düsterer. Die enormen Investitionen werden die Finanzen auf Jahre hinaus erheblich strapazieren, während die operative Marge spürbar sinkt. Andererseits hat die Aktie bereits einen erheblichen Teil der negativen Aussichten eskomptiert. Immerhin verlor das Unternehmen seit dem Hoch im Herbst 2007 um vier Fünftel an Wert.

Außerdem ist die Auftragslage exzellent und der Gewinn durchaus zufriedenstellend. Deshalb hob zum Beispiel Nomura nach den Halbjahreszahlen das Kursziel auf 10 Euro an. Burkhard Weiss von HSBC hält sogar 12,50 Euro für gerechtfertigt. Denn SolarWorld habe seine Gewinnziele für 2010 und 2011 nach oben korrigiert. Zudem könne die Aktie durch die Photovoltaik-Konferenz in Valencia einen positiven Impuls erhalten. Auf jeden Fall würde dann über die Nachfrageentwicklung im kommenden Jahr mehr Klarheit herrschen. Noch ist nämlich äußerst ungewiss, wie sich der Markt 2011 entwickeln wird. Die erneut sinkenden Einspeisevergütungen erfordern rückläufige Modulpreise, um potenziellen Anlagenkäufern eine auskömmliche Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals zu sichern.

Aus fundamentaler Sicht ist die Aktie nicht teuer, historisch betrachtet sogar ein richtiges Schnäppchen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2011 von knapp 15 ist für einen Wachstumswert günstig. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt weniger als 1,3 – eine beeindruckend günstige Relation. Allerdings kostet das Unternehmen an der Börse immer noch mehr als einen Jahresumsatz. Die Erlöse müssen daher auch künftig rasant zulegen, zumal die Umsatzrendite eher sinken als steigen dürfte.

Fazit

SolarWorld ist als integrierter  Photovoltaikkonzern eines der führenden Unternehmen der Branche. Obwohl das operative Ergebnis unter dem harten Wettbewerb mit asiatischen Herstellern leiden wird, könnte es durchaus zu einer rasanten Kurserholung kommen. Dafür spricht die extrem negative Stimmung am Kapitalmarkt für Solartitel. Die vorgelegten Halbjahreszahlen und die angehobenen Geschäftsziele könnten für einen Stimmungsumschwung sorgen, gleichwohl sollten die beachtlichen Risiken nicht unterschätzt werden. Dazu zählt auch die kritische technische Lage: Nach dem Absturz im ersten Quartal versucht sich der Kurs seit einigen Monaten an einer Stabilisierung zwischen 8 und 12 Euro. Weder die 100- noch die 200-Tage-Durchschnittlinie konnte bisher nachhaltig nach oben durchbrochen worden. Solange beiden Linien fallen, ist der Abwärtsdruck unvermindert groß. Deshalb sollten Spekulanten unbedingt ein Stop-Loss setzen und einhalten. Gelingt jedoch ein Ausbruch über die Widerstandszone bei 12 Euro, winken deutlich höhere Notierungen.