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Symrise: warum der DAX-Titel nach Einstieg riecht

| Thomas Behnke

Mann riecht an einem Bündel Vanilleschoten.
Ein Mitarbeiter prüft Vanilleschoten, einen wichtigen natürlichen Rohstoff in der Aromenproduktion von Symrise. Die Aktie des DAX-Wertes riecht aktuell nach einer Einstiegsgelegenheit. (Foto: Symrise)

Die Symrise-Aktie befindet sich zwar weiter im Abwärtstrend, doch das gesunkene Bewertungsniveau, ein stabiles Geschäftsmodell und starke Marktpositionen lassen eine interessante Einstiegschance entstehen.

Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Jahreswechsel und der DAX ist auf Kurs, erneut mit einem sehr guten Gewinn über die Ziellinie zu gehen. Bei den Indexmitgliedern ist die Bilanz jedoch sehr durchwachsen. Zu den bislang größten Verlierern im Jahresverlauf zählt die Symrise-Aktie (ISIN: DE000SYM9999), die sich aktuell mit dem adidas-Papier um den Platz mit dem größten Minus streitet. Der Verlust beträgt aktuell mehr als 30 Prozent, was zusammen mit dem vor kurzem markierten Mehrjahrestief den klaren Abwärtstrend verdeutlicht. Charttechnisch betrachtet sieht es damit derzeit nicht gerade verlockend aus. Positiver Nebeneffekt des Kursdebakels ist jedoch eine nun erreichte attraktive Bewertung. Ein Grund, sich den Spezialisten für Duft- und Geschmacksstoffe näher anzuschauen. Es riecht nach einer guten Kaufgelegenheit für Value-Investoren.

Symrise

Bewertung rückt in den Fokus der Anleger

Die Aktie von Symrise wurde an der Börse lange Zeit als Qualitätstitel bewertet. Ein relativ hohes Wachstum und die starke Marktpositionierung führten seit dem Börsengang im Dezember 2006 überwiegend zu einem Bewertungsaufschlag an der Börse, was sich in relativ hohen Kennziffern niederschlug. Werte bei KGV und KCV von teilweise über 50 bzw. 40 waren an der Tagesordnung. Das spiegelt sich auch in den langjährigen Durchschnitten von noch immer über 30 beim KGV und über 20 beim KCV wider. Vor diesem Hintergrund wirkt die aktuelle Bewertung damit chancenreich. So liegt das KGV bei 20. Besondere Aufmerksamkeit verdient jedoch der niedrige KCV-Wert von 12,4. Aus diesem lässt sich eine potenzielle Rendite des Geschäftsmodells von über 8 Prozent ableiten, wenn man den Cashflow ins Verhältnis zum aktuellen Börsenwert setzt. Das liegt damit über dem Sweetspot von 7 Prozent, ab dem etablierte und defensive Geschäftsmodelle als attraktiv bewertet angesehen werden können. Symrise ist damit zweifelsohne einen näheren Blick wert.

Was Symrise eigentlich macht

Das Unternehmen schätzt, dass Verbraucher im Durchschnitt 20 bis 30-mal täglich mit Produkten in Berührung kommen, die Inhaltsstoffe von Symrise enthalten, ohne sich dessen bewusst zu sein. Diese Annahme klingt plausibel. Der DAX-Konzern entwickelt, produziert und vertreibt heute über 35.000 Produkte, die überwiegend auf natürlichen Rohstoffen basieren, etwa Vanille, Zitrusfrüchten, Zwiebeln, Fisch und Fleisch sowie pflanzlichen Materialien. Die daraus gewonnenen Aromen, Duftstoffe, Parfümöle und funktionellen Inhaltsstoffe sind zentrale Komponenten zahlreicher Alltagsprodukte von Zahnpasta über Erfrischungsgetränke, Süßwaren, Milch und Fertigprodukten bis hin zu Parfüms, Kosmetik, Sonnenschutz, Heimtierfutter, Babynahrung und Nahrungsergänzungsmitteln. Rund 61 Prozent des Umsatzes entfallen dabei auf Nutritional Ingredients für Lebensmittel, Getränke oder Tiernahrung. Die übrigen rund 39 Prozent stammen aus dem Segment Perfumes and Flavours, das Düfte, Menthol, Aromamoleküle sowie Duft und Aromalösungen für Parfüm, Körperpflege, Haushalt und Kosmetik umfasst.

Der Clou an diesen Produkten ist, dass sie für die Wahrnehmung und Kaufentscheidung der Endkunden oft entscheidend sind, aber nur einen kleinen Anteil an den Gesamtherstellungskosten der fertigen Produkte ausmachen. Entsprechend gering ist in der Regel der unmittelbare Einspardruck auf diese Komponenten, während die Bedeutung für Differenzierung, Markentreue und Produkterlebnis hoch ist. Das stützt grundsätzlich die Preissetzungsmacht und die relative Stabilität des Geschäfts.

Oligopol, Know-how und globale Präsenz als Burggraben

Hinzu kommt die starke Marktposition. Symrise zählt mit einem Marktanteil von rund 12 Prozent im globalen Aroma-, Duft und Funktions-Ingredients-Markt zu den weltweiten Top-4-Anbietern neben Givaudan, DSM Firmenich und International Flavors & Fragrances. Sie kommen zusammen auf einen Marktanteil von über 67 Prozent. Daraus ergibt sich eine Oligopol-Struktur, die zu dem Burggraben des Geschäftsmodells beiträgt.

Andere Faktoren sind, dass multinationale Konsumgüterkonzerne meist mit einem kleinen Kern an bevorzugten Zulieferern arbeiten. Zu diesen zählt auch Symrise und ist dabei teilweise direkt in die Entwicklungsprozesse der Abnehmer involviert. Daraus resultieren hohe Wechselkosten. Ebenfalls Teil des Burggrabens sind ein großes Know-how, eine hohe Innovationskraft sowie zahlreiche patentierte Moleküle und proprietäre Prozesse aber auch hohe Anforderungen an Dokumentation, toxikologische Daten, Rückverfolgbarkeit, Compliance und robuste globale Lieferketten.

Gerade die globale Präsenz mit über 100 Standorten weltweit ist entscheidend, um lokale Geschmacks und Duftpräferenzen sowie große Kunden mit globalen Roll-outs zu bedienen. Aus der Größe ergeben sich zudem Skalenvorteile in der Beschaffung von Rohstoffen, aber auch in Produktion sowie Forschung und Entwicklung. Damit liegt insgesamt ein Geschäftsmodell vor, das weiterhin funktionieren sollte. Weltweit nehmen Kaufkraft und die Zahl der Konsumenten zu. Daraus resultieren grundsätzlich positive Wachstumsperspektiven. Auch weil Symrise konsequent Verbrauchertrends aufgreift und beispielsweise auf die Trends zu gesünderen, natürlichen Inhaltsstoffen sowie nachhaltig erzeugten Rohstoffen setzt und das Geschäft in wachstumsstarke Regionen ausweitet.

Wachstumsdynamik lässt nach

Damit sieht eigentlich alles sehr gut aus, was die Frage aufwirft, warum die Symrise-Aktie seit ihrem Allzeithoch im November 2021 bei 132,65 Euro so schlecht performt hat und im November mit 68,60 Euro das niedrigste Kursniveau seit Januar 2019 erreichte. Das liegt wohl in erster Linie an den nachlassenden Wachstumsraten. Symrise musste 2025 mehrfach seine Prognosen nach unten schrauben. Obwohl das Unternehmen operativ profitabel bleibt, wird die nachlassende Dynamik an der Börse abgestraft und führt nach den hohen Bewertungen in den Boom-Jahren zu einer signifikanten Anpassung, was sich entsprechend im Aktienkurs niedergeschlagen hat.

Befeuert wurde diese Entwicklung in den vergangenen Monaten auch durch ein grundsätzlich schwieriges Umfeld für Werte aus den Bereichen Basiskonsumgüter. Symrise selbst zählt zwar zu den Spezialchemieanbietern, ein Großteil der Kundschaft stammt jedoch aus dem Basiskonsumgütersektor, der seit einiger Zeit unter einer schwächeren Nachfrage sowie einer nachlassenden Preissetzungsmacht leidet. Dieses schwache Sentiment könnte auch auf Zulieferer wie Symrise durchschlagen.

Zwischen Anpassungsdruck und neuen Wachstumsquellen

Auch wenn das Wachstum zuletzt enttäuschte und sich in einer Bewertungsanpassung niedergeschlagen hat, erscheint die Symrise-Aktie jedoch zunehmend attraktiv. Anleger werden sich zwar künftig auf eine neue Normalität mit geringeren Wachstumserwartungen einrichten müssen. Zu den Risiken zählen eine schwächere Konsumneigung der Verbraucher sowie eine daraus resultierende nachlassende Volumenentwicklung bei Kunden aus Bereichen wie Lebensmittel, Getränke oder Kosmetik.

Weitere Herausforderungen bilden der Wettbewerbsdruck im Oligopol, steigende Rohstoff- und Energiekosten sowie die strenge Regulierung im Lebensmittel-, Kosmetik- und Chemikalienrecht, die zusätzliche Kosten, Reformulierungen oder Produktauslistungen erzwingen können. Langfristig besteht zudem das Risiko, dass Symrise bei Technologie- und Trendwandel wie GLP-1-bedingten Ernährungsumstellungen oder steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen nicht schnell genug reagiert und Marktanteile oder Preissetzungsmacht verliert. Diese Herausforderungen könnten jedoch bereits größtenteils im aktuellen Aktienkurs eingepreist sein.

Zudem ergeben sich Chancen aus Maßnahmen zu Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen, die durch dauerhaft niedrigere Kosten, eine bessere Auslastung und vereinfachte Strukturen die Profitabilität sowie die Widerstandsfähigkeit in schwächeren Nachfragephasen erhöhen könnten. Bei der strategischen Ausrichtung stärkt außerdem der wachsende Anteil von Tiernahrung, kosmetischen Inhaltsstoffen und funktionalen Health und Nutrition Lösungen auf inzwischen rund ein Drittel des Umsatzes die Position von Symrise in strukturell wachsenden, margenstarken Segmenten. Das könnte langfristig die Wachstumserwartungen stützen.

Fazit: Fundamental attraktiv, charttechnisch heikel

Die Symrise-Aktie ist aktuell in einem klaren Abwärtstrend. Hier nun auf der Long-Seite aktiv zu werden ist mit großen Risiken verbunden, weil sich nicht prognostizieren lässt, wann es zu einem Trendwechsel kommt. Der Chart spricht damit klar gegen ein Investment. Die Frage ist, ob das aktuelle Kursniveau jedoch so attraktiv ist, um den DAX-Wert als langfristiges Value-Investment in Erwägung zu ziehen.

Die deutlich reduzierte Bewertung ist hierbei ein klarer Ansatzpunkt, insbesondere mit Blick auf das inzwischen niedrige KCV. Für ein Investment sprechen auch das etablierte Geschäftsmodell, die starke Marktstellung sowie die nach wie vor positiven Geschäftsperspektiven. Allerdings sollten sich Anleger darauf einstellen, dass die hohen Bewertungsaufschläge der letzten Jahre der Vergangenheit angehören dürften.

Symrise hat zwar gute Voraussetzungen, weiter profitabel zu wachsen, dürfte es hierbei jedoch schwer haben, eine überdurchschnittliche Dynamik zu erreichen. Vielmehr ist mit einer Normalisierung der Wachstumsraten zu rechnen. Deshalb wird sich die Bewertung wahrscheinlich auf einem niedrigeren Niveau einpegeln. Diese Entwicklung könnte aber noch nicht abgeschlossen sein, was weitere Kursverluste nach sich ziehen kann. Wer sich von diesen Risiken nicht abschrecken lässt und darauf setzt, dass die Produkte von Symrise grundsätzlich gefragt bleiben, für den könnte das aktuelle Kursniveau aber nicht nur nach einer Einstiegsgelegenheit riechen, sondern tatsächlich eine bieten.

Häufig gestellte Fragen zur Symrise-Aktie

Warum ist die Symrise-Aktie zuletzt so stark gefallen?
Der deutliche Kursrückgang hängt vor allem mit nachlassenden Wachstumsraten und mehrfach gesenkten Prognosen zusammen. Zusätzlich belastet das schwache Umfeld im Basiskonsumgütersektor, in dem viele Symrise-Kunden aktiv sind. Die Kombination aus geringerer Dynamik und einer zuvor hohen Bewertung führte zu einer deutlichen Neubewertung der Aktie.

Ist Symrise trotz Abwärtstrend fundamental attraktiv bewertet?
Ja. Nach dem Kursrückgang liegt das KGV mit rund 20 unter dem langfristigen Durchschnitt, das KCV mit 12,4 sogar deutlich darunter. Diese Kennzahlen deuten auf ein attraktiveres Bewertungsniveau hin, das für Value-orientierte Anleger interessant sein kann.

Welche langfristigen Chancen bietet Symrise?
Wachstumstreiber sind unter anderem der Ausbau margenstarker Segmente wie Tiernahrung, kosmetische Inhaltsstoffe und Health- und Nutrition-Lösungen. Dazu kommen strukturelle Trends wie steigende Nachfrage nach natürlichen Aromen, funktionalen Inhaltsstoffen und nachhaltigen Rohstoffen. Effizienzprogramme könnten zudem die Profitabilität stabilisieren.

Welche Risiken sollten Anleger im Blick behalten?
Kurz- bis mittelfristig bestehen Risiken aus schwächerer Nachfrage bei Konsumgüterkunden, steigenden Energie- und Rohstoffkosten sowie strenger Regulierung in Lebensmittel- und Kosmetikindustrie. Langfristig könnte Symrise bei technologischen oder ernährungsbezogenen Trends unter Druck geraten, falls das Unternehmen nicht schnell genug reagiert.

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