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Aktien > Zukunftsdeal trifft Margendruck

VW-Aktie: Trump-Deal, Bewertung, Dividende – Einstieg mit Risiko?

| Thomas Behnke

Volkswagen ID. Buzz 2025 auf der Chicago Auto Show, Elektroauto vor Publikum
Volkswagen zeigt den ID. Buzz 2025 auf der Auto Show in Chicago – Symbol für die E-Strategie und geplante Milliardeninvestitionen im US-Markt. (Foto: shutterstock)

Trump-Deal, gesenkte Prognose, Dividendenfrage: Ist die VW-Aktie nach dem Kursrücksetzer ein Kauf? Fundamentaldaten und Charttechnik geben Hinweise auf Chancen und Risiken.

Ein Konzern zwischen politischer Strategie und operativen Problemen: Volkswagen kämpft mit Zöllen, schwächelnden Premium-Marken und sinkenden Margen. Gleichzeitig will CEO Blume mit einem Sonderdeal in den USA neue Wachstumschancen eröffnen. Der Kurs reagierte am Freitag positiv und zeigte damit eine gewisse Stärke. Ist die VW-Aktie nun ein Kauf, auch mit Blick auf die auffällig günstige Bewertung und technische Signale?

Volkswagen sucht Nähe zu Trump: Milliardendeal statt Strafzölle

Volkswagen (ISIN: DE0007664039) hat offenbar die Zeichen der Zeit erkannt. Die US-Handelspolitik mit hohen Einfuhrzöllen ist ein Belastungsfaktor für den deutschen Autobauer, für den die USA nach China ein strategisch bedeutender Absatzmarkt sind. Statt Konfrontation verfolgt der Konzern nun eine diplomatische Wende im transatlantischen Zollkonflikt und sucht gezielt den Schulterschluss mit der US-Regierung. Vorstandschef Oliver Blume stellte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen ein Modell vor, das Investitionen in Milliardenhöhe gegen Zollnachlässe tauschen soll. Der Vorschlag: Für jeden Dollar, den VW in den USA investiert, soll ein Dollar an Strafzöllen entfallen. Dieses Konzept wurde bereits dem US-Handelsministerium und Präsident Trump vorgestellt – laut Blume mit positiver Resonanz.

Voraussetzung für diesen spezifischen Deal sei jedoch eine grundsätzliche Einigung zwischen den USA und der EU. Erst danach wolle VW eigene Verhandlungen wieder aufnehmen. Denkbar seien Investitionen in die neue Marke Scout, das Software-Projekt mit Rivian sowie möglicherweise der Bau eines eigenen Audi-Werks in den USA. Die strategische Stoßrichtung ist klar: Arbeitsplätze schaffen, Lieferketten lokalisieren – und gleichzeitig Marktanteile sichern.

Gewinnwarnung dämpft Erwartungen: Premium-Marken unter Druck

Trotz dieser langfristigen Perspektive bleibt die operative Realität für VW herausfordernd. Der Konzern hat am Freitag seine Jahresziele 2025 spürbar gesenkt – sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz. Die operative Marge soll nur noch zwischen 4,0 und 5,0 Prozent liegen. Zuvor war ein Zielkorridor von 5,5 bis 6,5 Prozent ausgegeben worden. Der Umsatz wird nun nur noch auf Vorjahresniveau erwartet. Bislang lag das Ziel bei bis zu 5 Prozent Plus.

Die Hauptgründe: hohe US-Zölle in Höhe von 27,5 Prozent, die alleine im zweiten Quartal Kosten von 1,2 Milliarden Euro verursachten, sowie Umbaukosten bei Audi, Porsche und der Kernmarke VW. Hinzu kommt, dass Elektroautos zwar gut verkauft werden, aber noch margenschwach sind. Vor allem Audi und Porsche verzeichneten massive Gewinneinbrüche: Porsche verdiente nur noch 154 Millionen Euro im Autogeschäft, nach 1,7 Milliarden im Vorjahr. Audi kam auf 550 Millionen Euro, ein Minus von zwei Dritteln. Im Gegensatz dazu erzielte die Kernmarke VW mit 991 Millionen Euro ein kräftiges Plus und übertraf damit beide Premium-Schwestermarken zusammen.

Diese operative Divergenz innerhalb des Konzerns führt zur nächsten zentralen Frage: Wie ist die Aktie aktuell bewertet – und wie stabil ist die Substanz?

VW-Aktie auffälig günstig bewertet – aber Risiken bleiben

Und wie steht es aktuell um die Bewertung der VW-Aktie? Die Fundamentaldaten deuten klar auf eine Unterbewertung hin. Mit einem aktuellen KGV von knapp 5 liegt Volkswagen unter dem historischen Durchschnitt von rund 8. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) beträgt sogar nur 2 und liegt damit ebenfalls unter dem langjährigen Schnitt von 4,2. Beides ist auffällig günstig, weshalb die VW-Aktie einer näheren fundamentalen Analyse unterzogen werden könnte. Dabei sind auch die Risiken zu berücksichtigen, wie der vorsichtige Ausblick. Hinzu kommen branchenspezifische Risiken wie eine steigende Wettbewerbsintensität, volatile Rohstoff-, Energie- und Devisenmärkte sowie verschärfte emissionsbezogene Anforderungen. Der Gewinneinbruch im zweiten Quartal verdeutlicht die Herausforderungen.

Sollten sich diese Belastungsfaktoren fortsetzen, könnte dies auch die Gewinn- und Cashflow-Prognosen beeinträchtigen – und damit die günstige Bewertung relativieren.

Dividende 2025 unter Druck: Attraktive Rendite bleibt fraglich

Offen ist auch die Frage, ob Volkswagen die Dividende auf einem attraktiven Niveau halten kann. Für das Geschäftsjahr 2024 hatte der Konzern eine Dividende von 6,30 Euro je Stammaktie und 6,36 Euro je Vorzugsaktie gezahlt. Das entsprach einer Ausschüttungsquote von rund 30 Prozent und damit der Zielmarke, die der Autobauer im Rahmen seiner Dividendenpolitik auf Basis des Konzernergebnisses nach Steuern anstrebt. Gemessen am aktuellen Kurs und auf Basis der Vorjahresausschüttung beträgt die Dividendenrendite mehr als 6 Prozent für die VW-Vorzugsaktie.

Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass diese Höhe auch für 2025 erzielt werden kann. Denn die Ausgangslage ist wie folgt: 2024 hatte das Unternehmen bei Umsätzen von 324,7 Milliarden Euro eine operative Marge von 5,9 Prozent erzielt. Die Nettomarge lag bei 3,3 Prozent. Für 2025 erwartet Volkswagen nach der nun erfolgten Prognosesenkung eine Umsatzstagnation sowie eine sinkende operative Marge. Wenn es keine positiven Effekte hinsichtlich Steuern und Finanzergebnis gibt, ist von einem rückläufigen Nachsteuerergebnis auszugehen, was die absolute Basis für die Ausschüttung senken würde. Unterfüttert wird diese Annahme von einer auf 2,5 Prozent gesunkenen Nettomarge im ersten Halbjahr 2025. Die Dividende für 2025 wird somit vermutlich absolut gesehen geringer ausfallen – das genaue Ausmaß des Rückgangs lässt sich aktuell kaum beziffern. Deshalb sollten sich Anleger nicht allein von der aktuell hohen Dividendenrendite ködern lassen.

Technische Analyse: Kurs mit starkem Rebound

Am Freitag zeigte die Aktie von Volkswagen eine interessante Entwicklung mit einem signifikanten Trendwechsel im Handelsverlauf. Sie war im Vergleich zum Vortagesschlusskurs zunächst mit einem deutlicheren Verlust gestartet, drehte nach Handelsbeginn jedoch schnell die Richtung. Es kam zu einer dynamischen Erholung, wodurch der Kurs auch gegenüber dem Vortag ein kräftigeres Plus verzeichnete. Vom Tagestief liegt der Kurs bis zum Tageshoch um mehr als 7 Prozent zu, was die Stärke des Comebacks verdeutlicht. Durch den Kursanstieg am Freitag hat sich die Aktie wieder von der 200-Tage-Linie nach oben abgesetzt, die zwischenzeitlich getestet wurde. Damit sieht es nach einem erfolgreichen Ausbruch über diesen gleitenden Durchschnitt aus, der zur Beurteilung des langfristigen Trends dienen kann. Mit Kursen über der 21-Tage- und 50-Tage-Linie liegen zudem ein kurz- und mittelfristiger Aufwärtstrend vor. Gleichzeitig könnte die Aktie nun auch die Abwärtstrendlinie nachhaltig überwunden haben, die sich aus der Verbindung der Hochpunkte von März und Mai dieses Jahres ergibt. Bei einem fortgesetzten Anstieg könnte als nächstes das Maihoch bei 105,30 Euro ein nächstes mögliches Ziel sein. Wird es überwunden, würde das Märzhoch bei 114,20 Euro als weitere potenzielle technische Anlaufstelle in den Fokus rücken.

Günstig, aber nicht risikolos: Wie Anleger Volkswagen jetzt einschätzen sollten

Volkswagen steht derzeit zwischen ambitionierter Neuausrichtung und operativer Realität. Der geplante Sonderdeal mit der US-Regierung zeigt, dass der Konzern bereit ist, geopolitische Hürden aktiv anzugehen – ein positives Signal für die langfristige Positionierung im wichtigen US-Markt. Gleichzeitig belasten schwache Quartalszahlen, sinkende Margen und Unsicherheit bei der Dividende das kurzfristige Bild. Technisch hat die Aktie jüngst Stärke gezeigt, fundamental wirkt sie günstig bewertet. Doch ob daraus eine nachhaltige Aufwärtsbewegung entsteht, hängt maßgeblich davon ab, ob es dem Konzern gelingt, sowohl strategisch als auch operativ zu liefern und damit auch das Interesse der institutionellen Investoren nachhaltig zu wecken. Anleger sollten daher nicht nur auf Bewertungen und Charttechnik blicken, sondern auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten, die das Risiko schneller Stimmungseintrübungen beinhalten.

Volkswagen Vz.

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