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Zehnder Group: gesundes Raumklima, gesunde Zahlen!

Die Aktie der Zehnder Group gehörte in der vergangenen Woche zu den gefragtesten am schweizerischen Aktienmarkt. Bei den Investoren sorgte offenbar die Bilanz für 2009, in der ein Rekordgewinn ausgewiesen wurde, aber auch die deutlich angehobene Dividende für Kauflaune. Grund genug, die Firma einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

BÖRSE am Sonntag

Zehnder Group entwickelt und produziert Heizkörper sowie Lüftungssysteme. In beiden Segmenten gehört der Konzern eigenen Angaben zufolge zu den Marktführern. Er zielt auf den Bedarf in den gemäßigten und kälteren Klimazonen der Erde. Dort verbringen die Menschen den Großteil ihres Lebens in geschlossenen Räumen, sei es zu Hause oder am Arbeitsplatz. Das physische Wohlbefinden wird dabei maßgeblich durch ein behagliches Raumklima beeinflusst, wobei eine angenehme Wärme und frische Luft wichtige Bestimmungsfaktoren sind, heißt es im Firmenporträt.

Gesund und energieeffizient

Zehnder hat sich auf diese Faktoren spezialisiert und will nach eigenen Angaben mit seinen Produkten zu einem gesunden und energieeffizienten Raumklima beitragen. Für traditionell isolierte Bauten bietet der Konzern ein breites Spektrum formschöner Heizkörper, Systeme für Strahlungsheizung und -kühlung sowie Lüftungsgeräte und -systeme (mit oder ohne Wärmerückgewinnung). Für hoch isolierte und dichte Wohnbauten sowie kleinere Büro- und Gewerbebauten sind Komfortlüftungssysteme und Haustechnikzentralen im Sortiment. Als Erfinder des Stahlheizkörpers führt die Gesellschaft mit vielen erfolgreichen Innovationen die Heizkörperindustrie seit 70 Jahren an. Eine fortwährende Forschung und Entwicklung sind die Basis für immer wieder verbesserte Technologien, wie die Niedertemperaturheizkörper, die Heizwärme bei sehr geringen Systemtemperaturen zur Verfügung stellen. Wichtigstes Absatzgebiet ist Europa, Zehnder ist aber auch in China und in Nordamerika aktiv.

Lukrative Nische

Das Unternehmen ist in einer lukrativen Nische tätig, wie die gute Geschäftsentwicklung 2009 eindrucksvoll untermauert. Trotz weltweiter Wirtschaftskrise fiel das Umsatzminus mit 4% auf 436,5 Mio. Euro vergleichsweise gering aus. Bei den einzelnen Bereichen verbuchte das Segment Lüftungen, dank der guten Nachfrage nach Wärmerückgewinnungsgeräten, einen erfreulichen Zuwachs von 10%. Mit 118,7 Mio. Euro steuerte dieser Bereich nun mehr als 27% zum Konzernumsatz bei. Größtes Standbein sind aber nach wie vor Heizkörper, die einen Rückgang bei den Erlösen um 8% auf 317,8 Mio. Euro verzeichneten. Während in den Kernmärkten Frankreich und Deutschland nur geringfügige Einbußen zu verzeichnen waren, lief es in Spanien, Großbritannien, Italien und Russland deutlich schlechter und auch Preiserhöhungen auf einzelnen Märkten konnten diese Entwicklung nicht kompensieren. Eigenen Angaben zufolge ist es dem Konzern jedoch gelungen, den eigenen Marktanteil bei Heizkörpern weiter auszubauen.

Rekordgewinn

Trotz sinkender Einnahmen stiegen ferner die Gewinne. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte um 28% auf 43 Mio. Euro. Die EBIT-Marge legte von 7,4% auf 9,9% zu. Und auch unter dem Strich sieht es glänzend aus. Mit 33,4 Mio. Euro erzielte der Konzern einen Rekordprofit. Im Vorjahr lag der Überschuss bei 2,8 Mio. Euro und wurde durch eine einmalige Belastung aus dem Verkauf des Geschäfts mit Aluminiumheizkörpern beeinträchtigt. Die deutlich gestärkte Ertragskraft ist neben niedrigeren Beschaffungspreisen vor allem verschiedenen operativen und organisatorischen Maßnahmen zu verdanken, die 2008 eingeleitet wurden und im Berichtsjahr erste Früchte trugen, erläuterte der Vorstand. Von den Gewinnsteigerungen sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Gesellschaft setzt ihre Dividendenpolitik der vergangenen Jahre fort, die 2008 wegen der Einmalbelastungen unterbrochen war. 2007 noch 45 Schweizer Franken (CHF) je Inhaberaktie gezahlt, waren es für 2008 nur 4,30 CHF. Für 2009 schlägt der Vorstand mit 52 CHF nun wieder deutlich mehr vor.

Zurückhaltender Ausblick

Beim Ausblick 2010 zeigte sich Zehnder zurückhaltend. Der Geschäftsverlauf des Konzerns ist erfahrungsgemäß maßgeblich vom Umsatzverlauf in der Periode Frühsommer bis Spätherbst geprägt, erläuterte das Management. Auch erschwert die kurzfristige Natur des Geschäfts Vorhersagen zur Umsatzentwicklung, da zwischen Auftragseingang und Auslieferung in der Regel nur wenige Wochen liegen. Hinzu kommen die nach wie vor unsicheren globalen Konjunkturperspektiven, wobei der spätzyklische Charakter des Geschäfts zu berücksichtigen ist. Entsprechend geht das Unternehmen von einer nochmaligen, wenn auch moderaten Abnahme des Umsatzes aus. Diese Einschätzung scheint jedoch eher konservativer Natur. Zudem hat die Gesellschaft 2009 gezeigt, wie man trotz rückläufiger Einnahmen seine Erträge steigern kann. Außerdem sind die mittel- bis langfristigen Aussichten weiterhin vielversprechend.

Setzt auf Modernisierung

Zehnder ist vor allem stark in der Modernisierung von Heizkörpern und Lüftungssystemen. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird in diesem Bereich erwirtschaftet. Die Gesellschaft setzt gezielt vor allem auf dieses Marktsegment, da es in den nächsten Jahren stärker wachsen dürfte, hat sich in vielen Ländern Europas doch ein Modernisierungsstau gebildet, den es aufzulösen gilt. Als Beispiel nannte man den zweitwichtigsten Absatzmarkt Deutschland. Dort sind demnach rund 80% sämtlicher Wohngebäude älter als 40 Jahre,womit das Potenzial für Modernisierungen weiterhin hoch bleibt. Gleichzeitig hat die aktuellere Klima- und Energiediskussion im Verbund mit staatlichen Unterstützungsprogrammen in zahlreichen Ländern zur Folge, dass zusehends mehr Hauseigentümer ihre bestehenden Liegenschaften energetisch sanieren, um den Heizwärmebedarf zu senken. Dank dichter Fenster, isolierter Fassaden und Dächer können die bisherigen Heizkörper durch Niedertemperaturausführungen ersetzt werden. Um ein angenehmes Raumklima zu gewährleisten, sind ferner intelligente Lüftungssysteme gefragt, die beispielsweise überschüssige Feuchtigkeit energieeffizient abführen. Ein weiterer Vorteil, gezielt auf den Modernisierungsmarkt zu setzen, ist nach Firmenangaben, dass dieser deutlich weniger konjunkturanfällig ist als der Neubau. Um das sich bietenden Marktpotenzial möglichst gut auszuschöpfen, will Zehnder die Aktivitäten der zwei Standbeine Heizkörper und Lüftungen noch enger verzahnen, um Synergien zu realisieren. Außerdem kann der Konzern dadurch stärker als Systemanbieter auftreten und Lösungen für ein energieeffizientes, gesundes und gleichzeitig komfortables Raumklima aus einer Hand anbieten.

Fazit

Effiziente Heizkörper und intelligente Lüftungssysteme sind wichtige Bestandteile bei der energetisch sinnvollen Modernisierung von Gebäuden. Damit lässt sich gutes Geld verdienen und Zehnder dürfte auch in den nächsten Jahren von den Bemühungen, Energie einzusparen, profitieren. Nicht zuletzt auch durch staatlich geförderte Programme sowie weitere eigene Neuentwicklungen. Dies sollte sich auch in den Zahlen widerspiegeln. Zusammen mit einer moderaten Bewertung (KGV 2010e: 14) sowie soliden Bilanzkennziffern, ist die Aktie daher langfristig interessant. Zum Timing eines Kaufs könnte im Chart auf CHF-Basis ein nachhaltiger Ausbruch über die Widerstandszone von 1.650 bis 1.699 CHF infrage kommen, an der man jüngst bereits kratzte. In Euro (siehe Chart) wurde die entsprechende Marke bereits deutlicher geknackt.