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Das ist der Gipfel

Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe von „BÖRSE am Sonntag“ ist nicht abzusehen, wohin der europäische Tanker treibt – denn steuerlos und gefahrgutbeladen ist er allemal. Das ist nun seit Wochen unser Thema und lustiger wird es einfach nicht.

BÖRSE am Sonntag

Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe von „BÖRSE am Sonntag“ ist nicht abzusehen, wohin der europäische Tanker treibt – denn steuerlos und gefahrgutbeladen ist er allemal. Das ist nun seit Wochen unser Thema und lustiger wird es einfach nicht.

Die erbitterten Streitigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland, die eine rührend infantile CDU-Fraktion noch wegdiskutieren wollte, offenbaren die tiefe Kluft, die zwischen den beiden Nationen besteht. Diese Kluft gibt es seit mehreren 100 Jahren. Es ist der Etatismus auf der einen Seite, der Glaube an die soziale Marktwirtschaft auf der anderen. Man kann der unerquicklichen Diskussion natürlich auch etwas Positives abgewinnen: nämlich die Tatsache, dass in einer Demokratie die Entscheidungen niemals ganz einfach sind. Andererseits sollte Demokratie niemals als faule Ausrede herhalten, wenn es um notwendige Entscheidungen geht. Denn eine gewählte Regierung ist ja nun mal dazu da, Entscheidungen zu treffen. Sollten es erkennbar die falschen sein,  wird sie nicht noch einmal gewählt werden. Soweit die Theorie. An diesem Wochenende nun treffen sich Spitzenpolitiker, die zu einem großen Teil niemals gewählt, sondern ernannt wurden (von anderen Spitzenpolitikern). Es geht um nicht weniger als die Zukunft Europas. Das wäre ja mal eine Anstrengung wert, aber nichts da: Bis zuletzt wird gestritten, gehadert, gepokert. Die beteiligten Spitzenpolitiker haben offenbar nicht begriffen, welches Werk sie da aufs Spiel setzen. Von der Europäischen Union für Kohle und Stahl (1951) bis hin zur Währungsunion verläuft ein unvergleichlicher Pfad des Vertrauens, der gegenseitigen Aussöhnung und wer weiß nicht noch alles. Die Schmalspurpolitiker hüben wie drüben, die das jahrzehntealte europäische Einigungswerk nun gerade zu opfern bereit sind, gehören öffentlich gebrandmarkt. Wenn man sich in der gegenwärtigen Krise nicht zusammenraufen kann, dann hat man verloren.