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Die merkwürdige Ruhe vor der Veränderung

Veränderung liegt in der Luft. Nur scheinbar strahlt die Sommersonne wie im August. Die ersten Blätter färben sich, die Länge der Tage ändert sich deutlich. Und bunte Wahlplakate stehen an den Straßenecken. Sind sie gelb und orange, signalisieren sie ein „weiter so“. Sind sie rot und grün und knackeblau, werben sie für ein „alles anders“. Indes – auch wenn der Souverän, der Wähler, bei der Bundestagswahl die bisherige Koalition bestätigen sollte, werden Karten neu gemischt, werden Stühle gerückt. Neue Gesichter werden kommen. So oder so.

BÖRSE am Sonntag

Veränderung liegt in der Luft. Nur scheinbar strahlt die Sommersonne wie im August. Die ersten Blätter färben sich, die Länge der Tage ändert sich deutlich. Und bunte Wahlplakate stehen an den Straßenecken. Sind sie gelb und orange, signalisieren sie ein „weiter so“. Sind sie rot und grün und knackeblau, werben sie für ein „alles anders“. Indes – auch wenn der Souverän, der Wähler, bei der Bundestagswahl die bisherige Koalition bestätigen sollte, werden Karten neu gemischt, werden Stühle gerückt. Neue Gesichter werden kommen. So oder so.

Doch bei aller lauten Rhetorik, trotz bunter Plakate – die Zeit vor der Wahl ist eine Zeit des Abwartens. Gibt es eine Fortsetzung des Bekannten? Oder einen rot-grünen Umschwung? Oder vielleicht, bei einer strukturellen Mehrheit links von der Mitte, eine feigenblättrige Wartezeit in schwarz-rot vor dem dann doch unvermeidlichen rot-rot-grünen Umschwung? Und dümpeln nicht auch die Finanzmärkte in ganz Europa nicht zuletzt mit Blick auf die Wahl in Deutschland seit Wochen seitwärts?

Einige Veränderungen werden, da sind Analysten mehrheitlich sicher, eintreffen. So wird die Euro-Krise wiederkommen. Die Mittelmeer-Anrainer bleiben Sorgenkinder. In Griechenland fehlen vier Milliarden, und das wird nicht das Ende sein. Italien leidet nicht nur unter hohen Schulden, sondern zudem unter einer latenten Regierungskrise, und auch wenn das Mittelmeer-Minus kleiner wird, ausgetrocknet ist es noch lange nicht. Auch Frankreich hat – ein Blick auf die Landkarte genügt – eine lange Mittelmeerküste.

Die Politik jenseits des Großen Teiches deutet noch dramatischer auf Veränderungen. Führt Obama einen Krieg in Syrien, wird das eine harte Probe für die internationalen Märkte. Kassiert er hingegen eine Niederlage im Kongress, bleibt den Anlegern zwar die Ausweitung der Syrienkrise und ein möglicher Krieg im Nahen Osten erspart, aber Obama wird für volle drei Jahre zur lame duck. Das ist erst recht Gift für die Märkte! Positive Veränderungen erwarten hier nur die größten Optimisten.   

Doch die Politik ist nicht alles. Transatlantische Veränderung ist auch beim Mobilfunk absehbar. Hier zahlt der US-Riese Verizon seinem Ex-Partner Vodafone ein horrendes Trennungsgeld, dort beginnt der Gigant AT&T augenblicklich, sein riesiges Maul aufzureißen, um Vodafone seinerseits zu verschlucken. Die Software übernimmt andernorts die Hardware: rund 32.000 Nokianer werden über Nacht zu Microsofties. Derweil versucht ein mexikanischer Milliardär, der sein Geld wohl nicht wie ein schwäbischer Bäckermeister – also mit seiner Hände Arbeit – verdient hat, sich selbst für 7,2 Milliarden Euro die Krone des holländischen Mobilfunks aufzusetzen. Das ist den in der Tradition ehrlicher Kaufleute stehenden Niederländern höchst suspekt. Und welche Auswirkungen soll dies alles auf uns, auf die Mobilfunkkunden haben? Nun, billiger wird’s wohl nicht werden.

September 2013. Die ersten Blätter fallen. Veränderung liegt in de Luft.