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Flügelkampf

Die Lufthansa weckt seit jeher besonderes Interesse beim Publikum: zum einen natürlich, weil das Wunder des Fliegens immer noch fasziniert (wobei nach Loriot der Mensch auch das einzige Lebewesen ist, das beim Fliegen eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann), zum anderen wohl auch, weil Fluglinien eng an Nationalstolz gekoppelt sind, weshalb ja auch gescheiterte Staatswesen als Letztes auf einen eigenen Carrier verzichten würden, viel eher schon auf die eigene Bevölkerung.

BÖRSE am Sonntag

Die Lufthansa weckt seit jeher besonderes Interesse beim Publikum: zum einen natürlich, weil das Wunder des Fliegens immer noch fasziniert (wobei nach Loriot der Mensch auch das einzige Lebewesen ist, das beim Fliegen eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann), zum anderen wohl auch, weil Fluglinien eng an Nationalstolz gekoppelt sind, weshalb ja auch gescheiterte Staatswesen als Letztes auf einen eigenen Carrier verzichten würden, viel eher schon auf die eigene Bevölkerung.

Das Schicksal des deutschen, schon seit Äonen nicht mehr staatseigenen Lufttransporteurs geht den Menschen also weiterhin nahe, und wenn es der Lufthansa wie in diesen Tagen nicht gut geht, dann leidet nicht nur die Börse. Die hat im Übrigen schon ein Viertel vom Kurs abgezwackt allein in den letzten zwölf Monaten. Nur zum Teil hat das mit der explosiven Preisentwicklung bei ölbasierten Produkten zu tun, die sich in Form von teuerem Kerosin, und sei es noch so steuerbegünstigt, teuer beim Fliegen bemerkbar macht. Es ist auch vieles zu teuer, was der Lufthansa und ihren Passagieren lieb ist, das Personal beispielsweise. Die Konkurrenten von der billigen Zunft haben in vielen Bereichen nur noch Autopiloten, was für den Kunden unbequem, fürs Urlaubsbudget aber wohltuend ist. Die Zumutungen eines Ferienfluges mit einer ruppig veranlagten Airline, die einem das Gefühl vermittelt, nur lästiger Ballast zu sein, ist vermutlich bei vielen schnell vergessen, hat man es erst einmal an den Strand geschafft. Am anderen Ende der Skala betreiben arabische und asiatische Flieger ihr Konkurrenzgeschäft, indem sie fein und feiner daherkommen und auch kaum merklich teuerer anbieten als die Deutschen. Der Spagat also zwischen diesen Polen fällt nicht leicht. Kaum eine Airline in Europa ist gesund, so LH-Chef Christoph Franz auf der Jahres-Pressekonferenz seines Unternehmens in Frankfurt. Was da noch an Bereinigung kommt, wird er wohl in etwa schon sehen können, verrät es aber nicht. Im eigenen Haus dürfte es in der unmittelbaren Zukunft auch heftig zur Sache gehen, vor allem was die österreichische AUA angeht, wo vielfach noch Gehälter gezahlt werden, die es in Deutschland selbst über den Wolken nicht mehr gibt. Aber rote Zahlen sind ein bestechendes Argument vonseiten des Arbeitgebers. Ansonsten kann und will Franz nicht darauf verzichten, bis 2018 seine Flotte heftig zu modernisieren (für mehr als das Zwanzigfache des Jahresgewinns 2011), und sein Finanzvorstand verteidigt eine wenn auch geschrumpfte Dividende: Die halte die LH-Aktie in den Dividenden-Aktienfonds und trage zur Kursstabilisierung bei. Auch schüttelt man den Kopf über die Recheneigenarten der Börsianer: Allein die Flotte sei doch schon viermal so viel wert wie die heutige Marktkapitalisierung … Wo der Vorstand staunt, der Laie sich wundert, da ist der Anleger vorsichtig: wie viele wertvolle Flugzeuge schon so eingemottet werden mussten in der Wüste von Arizona, die ebenso teuer wie unverkäuflich waren. So also wäre es den Aktionären sicher lieber, man fliegt damit, und zwar Gewinn ein. Und trotzt den Stürmen, den Nachtflugverboten und den fliegenden Teppichen der Scheichtümer mit ihren Staatslinien. Bisher ist die Lufthansa jedenfalls noch immer wieder hochgekommen.