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Das Multimilliardenunternehmen facebook will alles: Am besten das ganze Internet mit allem Drum und Dran samt seiner Nutzer. Fast mag man gar nicht mehr glauben, dass es da nur ums Geld gehen soll, denn mit rund 100 Mrd. Dollar hochgerechneten Firmenwert und einem unglaublichen Hype um einen möglichen Börsengang 2012 hätte der Kontaktladen schon ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 100. Früher war weniger schwindlig.

BÖRSE am Sonntag

Das Multimilliardenunternehmen facebook will alles: Am besten das ganze Internet mit allem Drum und Dran samt seiner Nutzer. Fast mag man gar nicht mehr glauben, dass es da nur ums Geld gehen soll, denn mit rund 100 Mrd. Dollar hochgerechneten Firmenwert und einem unglaublichen Hype um einen möglichen Börsengang 2012 hätte der Kontaktladen schon ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 100. Früher war weniger schwindlig.

Der jugendliche Gründer Mark Zuckerberg verfügt seinerseits neben einem unerschütterlichen Selbstvertrauen und klar unterentwickelter Gewissenserforschung seinerseits über mehr Milliarden, als er vermutlich ausgeben kann, da er erkennbar sich nur im Netz aufhält und so viel Shopping da gar nicht möglich wäre angesichts der Knappheit von Stunden am Tag. Jedenfalls gelingt es facebook, seine Nutzer immer länger auf seinen und angeschlossenen Seiten verweilen zu lassen. Den jüngsten Schub brachte die Möglichkeit, seine gesamte Lebenschronik dort einzubauen und seinen Freunden (und wer weiß wem noch) zugänglich zu machen. Angesichts der schieren Masse der Nutzer, und die Chinesen kommen wohl erst noch, fällt es heute nicht nur Privatpersonen, sondern allen namhaften Firmen schwer, bei facebook nicht mit einer Präsenz vertreten zu sein. Die Expansion aber wirkt mehr und mehr einfach nur unheimlich. So etwa versuchte das Zuckerberg-Imperium vor einiger Zeit, mit einer Umkehrung der Datenschutzlage seine Nutzer den Werbetreibenden leichter tischfertig zubereitet zu übergeben: Indem nämlich jeder seine persönlichen Daten explizit für Fremde sperren statt, wie früher,  freigeben musste. Nach geharnischten Protesten machte das große F dann zwar einen Rückzieher, die Umkehr der Last blieb für neue Mitglieder allerdings gleich. Doch Vorsicht: Noch jedes große Imperium musste sich irgendwann mit echten und gefährlichen Angriffen auseinandersetzen, die Arroganz der Macht fordert das heraus. Google mutierte vom netten, bunten Helfer der Menschheit zum Datenkraken, wobei man da für facebook wohl gar kein angemessenes Wort mehr finden dürfte. Die gefeierten Gutscheinhändler von Groupon gingen unter Jubel an die Börse – und verloren heftig. Gleiches gilt für das Netzwerk LinkedIn. Interessanterweise verraten uns heute viele jener jubelnden Börsengangbegleiter, dass deren Geschäftsmodelle ja fragwürdig seien. Empfehlen aber facebook. Man darf raten, was sie heute in einem Jahr dazu sagen werden. Unnötig zu erwähnen, dass derart hohe Bewertungen an den unseligen Neuen Markt erinnern – wer war noch mal gleich Infineon, und was war der Laden wert? Wer unbedingt bei sozialen Netzwerken finanziell sein Glück suchen will, kann sich vielleicht auf all die Spielebetreiber konzentrieren, die wie Satelliten rund um facebook kreisen und ihr Geschäft machen. Sie leben von den Daten, die sie dort abgreifen können – im Ernstfall wären sie aber vielleicht auch ohne ihren Wirt überlebensfähig. Wer, wie Zynga mit „Farmville“, seinen Spielkunden virtuelle Ackergeräte für reale Euros verkaufen kann, der hat es zumindest vorerst geschafft.