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Verkehrte Welt?

Wieder einmal zeigt sich ein von Krisen und Katastrophen belastetes Umfeld – und was macht die Börse? Die Kurse steigen gerade auch in Tokio, wo noch immer die Schäden durch das Erdbeben und die folgende Monsterwelle auch nicht annähernd feststellbar sind. Eine ganze Region könnte unbewohnbar werden und das Wüten der Natur war, wie sich nun herausstellte, nicht allein verantwortlich für die Katastrophe – auch Fehler und Vertuschungen des Kraftwerkbetreibers ließen die Ausmaße erst so ungeheuerlich werden.

BÖRSE am Sonntag

Zur gleichen Zeit, auf der anderen Seite des Globus, ringen die Europäer um ihre gemeinsame Währung, nehmen sich unvorstellbare Hilfsbeträge vor. Allein Deutschland wird fünf Jahre lang jeweils 4,3 Mrd. Euro in den dann endgültigen Rettungsfonds einzahlen müssen. Die Börse scheint auch das nicht zu bekümmern, ja nicht einmal die weitere Herabstufung der portugiesischen Bonität, nachdem dort über die internen Sparmaßnahmen eine veritable Regierungskrise ausgebrochen war. Mit der nun auf den Status „BBB“ heruntergestuften Bonität durch Standard & Poor’s dürfte die nächste Finanzierungsrunde für Portugal nur zu einem hohen Preis zu haben sein. Damit wird die Nutzung des europäischen Hilfsprogramms also noch einmal wahrscheinlicher. Schließlich hält sich der Euro trotz dieser düsteren Aussichten stabil. Und dann noch das: Die Reaktorkatastrophe in Japan sorgt nun schon für Produktionsausfälle bei europäischen Autoherstellern, so zum Beispiel Peugeot-Citroën und Opel. Weil wichtige Teile aus Japan nicht geliefert werden, fallen an den Bändern ganze Schichten aus. Gleichzeitig aber zeigt sich der ifo Geschäftsklimaindex robust, mit einem nur ganz geringen Abschlag deuten die Aussagen der 7.000 vom ifo Institut für seine Konjunkturprognose befragten Firmen auf einen unvermindert starken Aufschwung in Deutschland hin. Keine Angst also zu spüren, obwohl man das hätte erwarten müssen. Schließlich gibt es noch das Thema Libyen, es gibt immer wieder Proteste in anderen arabischen Ländern, die ein erhebliches Gefährdungspotenzial haben. Kaum einer der in der Region herrschenden Diktatoren dürfte sich still und friedlich verabschieden, nur weil das Volk es will. Und je nach Ausmaß der Unruhen könnte es in der Tat geschehen, dass das militärische Eingreifen in Libyen kein Einzelfall bleiben wird. Ob die Gelassenheit an den Märkten auch dann noch halten wird, ist mehr als fraglich. Jedenfalls ist an potenziell verstörenden Nachrichten kein Mangel und mancher tanzt offenbar auf einem Vulkan.