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Zwitschern statt plappern

In einem von Douglas Adams‘ Büchern, „Per Anhalter durch die Galaxis“, fand sich in den Weiten des Universums ein überaus nerviges Wesen, der „gefräßige Plapperkäfer von Traal“, der einem buchstäblich die Haare vom Kopf frisst und dabei unaufhörlich blubbernd blödes Zeug von sich gibt. Douglas Adams konnte von Twitter noch nichts wissen, er ist leider viel zu früh verstorben. Aber er hätte sicher eine Meinung gehabt zu diesem Kurznachrichtendienst, nur dass sie nicht in 140 Zeichen gepasst hätte. Jetzt also gibt es nervige Plapperorganisationen auch an der Börse. 500 Millionen sogenannter Tweets sondern die eingeschriebenen und eingefleischten Fans des Ladens täglich ab. Sie alle zu lesen, schafft nur die NSA oder vielleicht der Supercomputer aus dem „Anhalter durch die Galaxis“. Für beide ist das sicherlich die Höchststrafe: Man stelle sich vor, in einem finsteren Keller der amerikanischen Geheimdienstzentrale in Utah (schlimm genug) sitzt das Bataillon der Strafversetzten, ein Platz ist für Edward Snowden freigehalten - und alle lesen unaufhörlich Tweets. Nur wer nachweislich rezitieren kann, was Justin Bieber zum Frühstück hatte und welches Kleid Paris Hilton zum Shopping ausgewählt hat, darf zehn Minuten Mittagspause machen. Aber: Es twittern ja die Spatzen von den Dächern, dass man mit möglichst banalem und weitgehend sinnentleertem Geschwätz den Reibach machen kann. Twitter hatte in weiser Voraussicht den Ausgabepreis kurz vor dem Börsengang noch zweimal angehoben - Ende der Bescheidenheit: Gesunde Gier bekam die Oberhand, denn wer weiß, wann es das nächste Mal was gibt. Auch weil Twitter kaum das Problem gelöst hat, 232 Millionen Nutzern genügend Werbung unterzujubeln, die jene auch wahrnehmen. Manche Auguren sehen schon einen Twitter-Burnout, es gibt gar Prominente, die keine Lust mehr haben – wohl auch in der anrührenden Erkenntnis, dass der Jubel der Massen schnell in einen Stuhlgang-Sturm umschlagen kann, wenn es die Gerüchtelage hergibt. Miley Cyrus ist ein gebranntes amerikanisches Kind; ein Popstar namens John Mayer soll Schreibhemmung gekriegt haben dadurch, dass all seine Gedanken nur um Twitter kreisten – nun hat er gekündigt und kann unter Zuhilfenahme jener drei bis vier freigewordenen Gedanken hoffentlich wieder dichten und komponieren oder was er sonst so macht. Die Anleger setzen derweil darauf, dass Twitter seine Anziehungskraft behält und es öfter mal Gelegenheit gibt, ein landendes Flugzeug in einem Fluss dieser Welt zu vermelden und nicht nur eine unmaßgebliche Meinung über das laufende Fernsehprogramm. 26 Dollar also kostete eine Aktie des Unternehmens, das im ersten Dreivierteljahr 132 Millionen Dollar Verlust machte, und dessen Geschäft vom Börsengang nichts hat, weil das Geld an die bisherigen Investoren geht, und die können sich freuen, denn die Twitter-Aktie schoss durch die Decke. Der leicht verhaltensauffällige Twitter-Gründer Jack Dorsey übrigens hat schon das nächste große Ding erfunden – also Obacht, wenn sein Bezahldienst „Square“ an die Börse geht. Dabeisein ist alles. Wir freuen uns auf folgende News: Twitter wird kostenpflichtig, und bezahlt werden muss über „Square“. Das wird ein Fischzug!

BÖRSE am Sonntag

In einem von Douglas Adams‘ Büchern, „Per Anhalter durch die Galaxis“, fand sich in den Weiten des Universums ein überaus nerviges Wesen, der „gefräßige Plapperkäfer von Traal“, der einem buchstäblich die Haare vom Kopf frisst und dabei unaufhörlich blubbernd blödes Zeug von sich gibt. Douglas Adams konnte von Twitter noch nichts wissen, er ist leider viel zu früh verstorben. Aber er hätte sicher eine Meinung gehabt zu diesem Kurznachrichtendienst, nur dass sie nicht in 140 Zeichen gepasst hätte. Jetzt also gibt es nervige Plapperorganisationen auch an der Börse. 500 Millionen sogenannter Tweets sondern die eingeschriebenen und eingefleischten Fans des Ladens täglich ab. Sie alle zu lesen, schafft nur die NSA oder vielleicht der Supercomputer aus dem „Anhalter durch die Galaxis“. Für beide ist das sicherlich die Höchststrafe: Man stelle sich vor, in einem finsteren Keller der amerikanischen Geheimdienstzentrale in Utah (schlimm genug) sitzt das Bataillon der Strafversetzten, ein Platz ist für Edward Snowden freigehalten - und alle lesen unaufhörlich Tweets. Nur wer nachweislich rezitieren kann, was Justin Bieber zum Frühstück hatte und welches Kleid Paris Hilton zum Shopping ausgewählt hat, darf zehn Minuten Mittagspause machen. Aber: Es twittern ja die Spatzen von den Dächern, dass man mit möglichst banalem und weitgehend sinnentleertem Geschwätz den Reibach machen kann. Twitter hatte in weiser Voraussicht den Ausgabepreis kurz vor dem Börsengang noch zweimal angehoben - Ende der Bescheidenheit: Gesunde Gier bekam die Oberhand, denn wer weiß, wann es das nächste Mal was gibt. Auch weil Twitter kaum das Problem gelöst hat, 232 Millionen Nutzern genügend Werbung unterzujubeln, die jene auch wahrnehmen. Manche Auguren sehen schon einen Twitter-Burnout, es gibt gar Prominente, die keine Lust mehr haben – wohl auch in der anrührenden Erkenntnis, dass der Jubel der Massen schnell in einen Stuhlgang-Sturm umschlagen kann, wenn es die Gerüchtelage hergibt. Miley Cyrus ist ein gebranntes amerikanisches Kind; ein Popstar namens John Mayer soll Schreibhemmung gekriegt haben dadurch, dass all seine Gedanken nur um Twitter kreisten – nun hat er gekündigt und kann unter Zuhilfenahme jener drei bis vier freigewordenen Gedanken hoffentlich wieder dichten und komponieren oder was er sonst so macht. Die Anleger setzen derweil darauf, dass Twitter seine Anziehungskraft behält und es öfter mal Gelegenheit gibt, ein landendes Flugzeug in einem Fluss dieser Welt zu vermelden und nicht nur eine unmaßgebliche Meinung über das laufende Fernsehprogramm. 26 Dollar also kostete eine Aktie des Unternehmens, das im ersten Dreivierteljahr 132 Millionen Dollar Verlust machte, und dessen Geschäft vom Börsengang nichts hat, weil das Geld an die bisherigen Investoren geht, und die können sich freuen, denn die Twitter-Aktie schoss durch die Decke. Der leicht verhaltensauffällige Twitter-Gründer Jack Dorsey übrigens hat schon das nächste große Ding erfunden – also Obacht, wenn sein Bezahldienst „Square“ an die Börse geht. Dabeisein ist alles. Wir freuen uns auf folgende News: Twitter wird kostenpflichtig, und bezahlt werden muss über „Square“. Das wird ein Fischzug!