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Auch im Jahr 2010 wächst der Schuldenberg weiter



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Matthias Riechert, ist Leiter Strukturierte Produkte Deutschland und Österreich Citigroup

Wer glaubt, dass die Weltwirtschaft aus dem Schlimmsten heraus ist, der irrt. Sie ist lediglich betäubt von den horrenden Geldsummen der Staaten. Wer die Folgen nicht zumindest mit einem kritischen Auge sieht, der könnte einen schweren Fehler begehen. Gegen Ende des Jahres bleibt nur die Frage offen, ob wir kommendes Jahr die Folgen bereits spüren oder die Sedierung anhält.

Viele Staaten haben gehofft durch eine Vielzahl von Eingriffen in die Wirtschaft die Krise möglichst schnell beenden zu können. Um die Maßnahmen zu finanzieren, wird eine hohe Staatsverschuldung in Kauf genommen, und zusätzlich wird die Geldmenge ausgeweitet. Jüngst bewertete der ehemalige Entscheidungsträger der Bank of England, Willem Buiter, Griechenlands Zahlungsdefizit mit „fünf vor Zwölf“. Er sieht eine realistische Gefahr, dass erstmals seit über 60 Jahren ein EULand den Staatsbankrott erklären könnte.

Dennoch wird das kommende Jahr zwei Lager sehen, was die Folgen der Finanzkrise angeht. Obwohl weltweit die Druckpresse angeworfen wurde, gehen viele Wirtschaftsexperten davon aus, dass es zunächst weitere deflationäre Tendenzen geben wird. Der Grund: Die Geldmenge wird noch nicht an die Konsumenten weitergegeben, sondern innerhalb des Bankwesens verbleiben. Ab Mitte 2010 kann sich dieses Bild jedoch wandeln, so das andere Lager. Mit Zentralbanken, die die Leitzinsen weiter niedrig halten, und Banken, welche die überschussreserven irgendwann verzinslich anlegen werden, wird die Geldmenge in den Wirtschaftskreislauf gelangen und dann zu deutlichen Preisanstiegen bei Vermögens- und Konsumgütern führen.

Die Folgen für die Anleger

Inflation ist ein Rendite-Vernichter. Anleger, die eine hohe Inflation befürchten, können sich aber dank des großen Angebots an Investmentprodukten absichern. Der Klassiker bleibt Gold. Allerdings schwankt die Wertentwicklung stark – was Ende 2009 gut verfolgt werden konnte: Der Spotpreis stieg innerhalb weniger Tage auf über 1215 US-Dollar und korrigierte darauf ebenso schnell um knapp 10 Prozent. Gold ist also nur für Anleger geeignet, die ihr Vermögen länger entbehren können. Immobilien gelten ebenfalls als Assetklasse, mit der man sich vor Inflation schützen kann. Hier müssen Anleger allerdings beachten, dass Immobilie nicht gleich Immobilie ist: Auf die Lage kommt es an. Denn das Häuschen auf dem Lande hat in den letzten Jahren eher an Wert verloren als gewonnen. Auch bindet man beim Kauf einer Immobilie sehr viel Kapital.

Eine Alternative bieten strukturierte Anleihen, die sich gerade im abgelaufenen Jahr großer Beliebtheit erfreut haben. Ihr großer Vorteil liegt darin, dass Anleger gezielt auf mögliche Auswirkungen der Finanzkrise setzen können. Beispielsweise bieten Inflationsanleihen eine überproportional hohe Rendite, wenn der of- fizielle Konsumentenpreisindex ansteigt. Auch können Anleger mit strukturierten Anleihen auf steigende Zinssätze setzen – ein wahrscheinliches Szenario bei Leitzinsanhebungen der Notenbanken.

Die Konstruktion der Anleihen ist bei allen Emittenten ähnlich: Bei den meisten Inflationsanleihen wird für das kommende Jahr, in dem die Entwicklung von Inflation und Leitzins noch unklar ist, ein fester Zinscoupon bezahlt oder zumindest eine Untergrenze festgelegt. In den Folgejahren ist die Verzinsung bestenfalls mit einem Hebel an die Inflationsrate oder an einen Referenzzins wie den Euribor gekoppelt. Je höher dieser Hebel, desto höher der Gewinn beim Eintreffen der Erwartung. Als Inhaberschuldverschreibungen sind strukturierte Anleihen immer an die Bonität des Emittenten gebunden. Dieser Hinweis gilt im übrigen auch für Staatsanleihen. Auch hier empfiehlt sich eine überprüfung desjenigen, der dem Anleger eine Rückzahlung verspricht.

 

21.01.2010 | 00:00

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