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Aussichten für Rohstoffpreise

Klaus Matthies, Rohstoffexperte, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)

Klaus Matthies, Rohstoffexperte, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)



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Klaus Matthies

Rohstoffexperte, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)

 

Seit dem Frühjahr haben sich Rohstoffe deutlich verteuert. Nach dem Sturz des HWWI-Rohstoffpreisindex zwischen Juli und Dezember 2008 um 60% (in US-Dollar) verringerte sich der Abstand bis jetzt auf ein Drittel. Ein Grund für die rasche Richtungsänderung war die Erwartung, dass die Erholung der Weltwirtschaft, unterstützt durch staatliche Konjunkturprogramme, bereits in diesem Jahr einsetzt. Auch die Abschwächung des Dollars, die zu Gewinneinbußen ausländischer Rohstoffproduzenten in deren heimischer Währung führte, trug zum Preisauftrieb bei. Die größte Wirkung entfaltete das umfangreiche Maßnahmenpaket Chinas, das den Schwerpunkt auf öffentliche Investitionen und den Aufbau von Rohstoffvorräten zu günstigen Preisen legte.

Die Preise für Industrierohstoffe werden im nächsten Jahr weiter steigen, allerdings insgesamt eher mäßig, da die konjunkturelle Erholung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften wohl noch wenig Dynamik entfalten wird. Eine wichtige Rolle spielt China, das bei etlichen Rohstoffen der mit Abstand größte Verbraucher ist. Mit den Projekten zum Ausbau der Infrastruktur steigert China seinen Bedarf weiter. Das betrifft vor allem Rohstoffe für die Bauindustrie, etwa Metalle, und Energierohstoffe. Ein relativ starker Preisanstieg ist bei Metallen zu erwarten, die in der Regel besonders rasch auf Änderungen des Wachstumstempos reagieren. Etliche Metallpreise – so die Kupferpreise, die mittlerweile wieder so hoch sind wie Anfang 2008, sowie die Nickelpreise – dürften im nächsten Jahr weiter zulegen. Allerdings hat China seine Rohstoffläger in den letzten Monaten weit über das übliche Maß aufgefüllt. Das könnte die chinesische Importe in den nächsten Monaten vermindern und so den Preisanstieg hinauszögern. Bei den Preisen für Eisenerz, die gegenwärtig zwischen den großen Produzenten und der Stahlindustrie neu ausgehandelt werden, ist für das Jahr 2010 wieder eine – im Vergleich zum laufenden Jahr – geringere Erhöhung zu erwarten.

Die Rohölpreise haben in diesem Jahr, wie schon zuvor beim Abschwung, am stärksten auf Anzeichen einer Nachfragebelebung reagiert. Auf der Angebotsseite wurden sie durch Förderkürzungen der OPEC gestützt, mittlerweile nehmen die Öllieferungen aus den Mitgliedsländern aber wieder zu. Der Spotpreis für Rohöl der Sorte Brent, der bis Ende Dezember 2008 auf 36 Dollar je Barrel gesunken war, bewegt sich inzwischen bei 75 Dollar. Zwar zeichnet sich kurzfristig angesichts wachsender Lagerbestände bei den Raffinerien in den Industrieländern und umfangreicher freier Ölförderkapazitäten eine Pause beim Ölpreisanstieg ab. Im Laufe des nächsten Jahres, mit wieder zunehmender Rohölnachfrage in der Welt, werden die Ölpreise jedoch erneut anziehen, wenn auch, abgesehen von kurzfristigen Spitzen, kaum schon über 80 Dollar. Auf mittlere Sicht wird das Tempo des Ölpreisanstiegs in hohem Maße davon abhängen, wie schnell das globale Ölangebot, das entscheidend von den Investitions- und Förderentscheidungen der OPEC-Länder bestimmt wird, der Zunahme der Ölnachfrage folgt.

18.03.2010 | 00:00

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