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Fair Trade: Rendite mit gutem Gewissen

Fair Trade: da freut sich der Kaffee! (Bild: Shutterstock)

Lars Brandau (Bild: Deutsche Derivate Verband)


Öko liegt im Trend. Kunden greifen in den Supermärkten immer häufiger zu Lebensmitteln mit einem Naturlabel. Da erstaunt es nicht, dass allein in Deutschland der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln im zurückliegenden Jahr einen neuen Rekord erzielt hat. Aber auch Anleger investieren vermehrt in Investitionsvehikel, die zumindest rein formal „grüne“ Investments sind.

Von Lars Brandau

Zehn Milliarden Euro – ein neuer Rekord. Bei dieser Art des Handels sollen sich die Schuldner dazu verpflichten, das Geld ausschließlich für umweltverträgliche und soziale Projekte einzusetzen. Das kommt insbesondere bei den jüngeren Generationen gut an. So bescheinigt eine Studie insbesondere den Millennials, dass diese bei der Geldanlage besonders großen Wert auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung legen. Die sogenannten ESG-Kriterien (Environmental, Social & Corporate Governance) spielen demnach bei Anlage-entscheidungen für Investoren zwischen 18 und 35 Jahren eine deutlich größere Rolle als für Anleger anderer Altersgruppen. Somit wächst hier die Bedeutung, die Kleinanleger Nachhaltigkeitsfragen einräumen.

Nachhaltigkeit etabliert sich zunehmend neben dem Renditeaspekt zu einem immer wichtigeren Kaufargument. Dennoch drängt sich eine Frage auf: Wie lässt sich Nachhaltigkeit in der Praxis konkret fassen? Welche Kriterien fallen wirklich darunter und wo gibt es Grauzonen? Da es noch keine eindeutigen rechtlichen Rahmenbedingungen gibt, existieren eine Vielzahl  unterschiedlicher Ansätze zum nachhaltigen Investieren. Und das macht es mitunter für Anleger etwas intransparent. In seiner monatlichen Trendumfrage unter Privatanlegern wollte der Deutsche Derivate Verband in Erfahrung bringen, inwiefern sogenannte Nachhaltigkeitskriterien bei den Anlagenentscheidungen eine Rolle spielen.

Tatsächlich gibt jeder fünfte Zertifikate-Anleger in Deutschland an, dass ethische und ökologische Kriterien im Rahmen seiner Portfolioallokation höchst bedeutsam sind. Immerhin noch etwas mehr als ein Viertel gibt an, dass sie diese Kriterien bei ihrer Entscheidungsfindung zunehmend in Betracht ziehen. Im Vergleich zur Umfrage aus dem Jahr 2015 ist dies ein signifikanter Anstieg. Für etwas mehr als die Hälfte der Investoren haben Nachhaltigkeitsaspekte bei ihrer Geldanlage jedoch nach wie vor eine geringere oder gar keine Relevanz. An der aktuellen Online-Befragung, die gemeinsam mit mehreren großen Finanzportalen durchgeführt wurde, beteiligten sich etwas mehr als 1.900 Personen. Dabei handelt es sich in der Regel um gut informierte Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren.

Damit nachhaltiges Investieren auch ein nachhaltiger Trend bleibt, bedarf es einheitlicher Definitionen und Standards. Denn nicht überall, wo ESG-Kriterien draufstehen, ist auch Nachhaltigkeit drin. Nur durch die Standardisierung wird das Konzept plausibel und eine einträgliche Rendite mit gutem Gewissen tatsächlich möglich.

Lars Brandau ist Geschäftsführer des Deutschen Derivateverbandes.

19.05.2018 | 16:27

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