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Sind Impact Investments die Zukunft?


Investieren in einen guten Zweck – lange Zeit wurde dies in der Finanzwirtschaft nicht als Investitionstätigkeit im eigentlichen Sinne betrachtet, sondern dem Bereich der Wohltätigkeit und des Mäzenatentums zugeordnet. Der Grund: die fehlende Renditeerzielungsabsicht. Doch ein Gegensatz zwischen gutem Zweck und Rendite existiert nur scheinbar: Impact Investments.

Von Barbara Rupf Bee, Head of EMEA bei Allianz Global Investors

Impact Investments – auf Deutsch etwas sperriger: wirkungsorientierte Investitionen – überbrücken die Lücke. Was zu Beginn dieses Jahrzehnts noch eine absolute Nische war, mausert sich zu einem veritablen Anlagesegment.

Zunächst zu den Charakteristika von Impact Investments. Dies sind Investitionen, die neben einer finanziellen Rendite auch positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft haben. Wichtig dabei ist, dass die angestrebten ökologischen und/oder sozialen Effekte explizit Teil der Investmentstrategie sind. Impact Investments müssen daher nach Definition des Global Impact Investing Network GIIN folgende Anforderungen erfüllen:

1. Intentionalität: Es muss die erklärte Absicht vorliegen, eine klar definierte Wirkung zu erzielen.

2. Kausalität: Die angestrebte Wirkung muss mit der Investition in einem kausalen Zusammenhang stehen.

3. Messbarkeit: Es muss anhand eindeutiger Kennzahlen ablesbar sein, ob und dass eine Wirkung erzielt wird.

4. Und schließlich Reporting: Über die Wirkung muss regelmäßig transparent Rechenschaft abgegeben werden.

Welches sind nun die Auswirkungen, die erreicht werden sollen?

Bei dieser Frage hat sich mittlerweile ein Konsens herausgebildet, dass Impact Investments auf mindestens eines – im Idealfall mehrere – der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen einzahlen müssen. Diese sogenannten Sustainable Development Goals, zu denen sich die UN 2015 mit Blick auf 2030 verpflichtet haben, umfassen ein breites Spektrum: von der Bekämpfung von Armut sowie der Sicherung von Ernährung, Gesundheit und Bildung über die Gleichstellung der Geschlechter sowie nachhaltige Wasser- und Energiebereitstellung bis hin zur Bekämpfung des Klimawandels und der Förderung des Weltfriedens.

Bleibt die Renditefrage: Sicherlich gibt es Anleger(gruppen), die aufgrund des angestrebten guten Zweckes zu einem Renditeverzicht bereit und in der Lage sind. Für die Mehrheit der Investoren dürfte dies jedoch nicht gelten. Eine gute Nachricht ist daher, dass in einer Umfrage des GIIN der überwiegende Teil der Impact Investoren – mehr als 90 Prozent – angab, dass die Renditeerwartungen erreicht oder sogar übertroffen wurden. Dies zeigt:

Wirkungsorientierte Investitionen können in der Tat die Lücke zwischen gutem Zweck und Rendite schließen!

Zurzeit ist der Markt für derartige Investitionen noch vergleichsweise klein: GIIN-Schätzungen zufolge umfasste er Ende 2018 weltweit ein Volumen von gut 500 Milliarden US-Dollar. Rechnet man Green Bonds hinzu, die aufgrund ihres Charakters als Instrument der Unternehmensfinanzierung (und nicht Investition) und aufgrund einer oftmals etwas schwächeren Erfüllung des Intentions- und Kausalitätskriteriums in dieser Zahl nicht enthalten sind, so kommt man auf etwas mehr als das Doppelte, 1,1 Billionen US-Dollar. Dies sind weniger als ein Prozent der gesamten weltweiten Aktien- und Anleihenmarktkapitalisierung. Allerdings: In den letzten Jahren ist das Volumen rapide gewachsen. Und wohl noch wichtiger: Das Potenzial ist immens. Die UN selbst gehen davon aus, dass zur Erfüllung der 17 Sustainable Development Goals bis 2030 ein mittlerer zweistelliger Billionenbetrag an Investitionen nötig sein wird. Dies können die öffentlichen Hände unmöglich alleine stemmen – privatwirtschaftliches Engagement ist unabdingbar.

Aufgrund dieses Wachstumspotenzials ist unerlässlich, die genannten hohen Standards an „echte“ Impact Investments zu stellen, um das Risiko eines „Impact Washing“ (oder „Green Washing“) zu minimieren. In einem derart dynamischen Umfeld besteht nämlich die Gefahr, dass traditionellen Investments das Label „Impact Investment“ angehängt wird, um von deren positiven Attributen und dem guten Image zu profitieren. Dies kann dann letztlich nur zu Enttäuschungen auf Seiten der Anleger führen; im Extremfall wird eine sich gerade erst etablierende Anlageklasse aus Kundensicht diskreditiert. Um dies zu verhindern, sollten bei der Auswahl der Investmentziele und bei den Kriterien Messbarkeit und Transparenz keine Kompromisse eingegangen werden.

Wie kann dies nun konkret umgesetzt werden?

Ein paar Beispiele: Nach drei erfolgreichen Erneuerbare-Energien-Fonds legte Allianz Global Investors im Sommer 2019 für institutionelle Investoren den breiter anlegenden Allianz Impact Investment Fund (AIIF) auf. Dieser Fonds investiert in Eigen- und Fremdkapital von Projekten und Unternehmen, die verschiedenste umweltbezogene und/oder soziale Auswirkungen haben. Die Due Diligence der Investitionsziele umfasst dabei neben finanziellen Standardanalysen ein Herausarbeiten der Messgrößen (KPIs), anhand derer die Wirkungen laufend gemessen werden können, sowie Vereinbarungen über die Form und Frequenz ihrer Zurverfügungstellung. Für AIIF-Erstinvestoren besteht die Möglichkeit, als Mitglied des „Impact Council“ die erzielten Wirkungen des Fonds zu diskutieren und im Dialog mit dem Fondsmanagement den wachsenden Markt für Impact Investments mit zu gestalten. Über die finanziellen und ESG-bezogenen Zwecke hinaus stärkt dies die Identifikation mit den Investitionen. Die mögliche Spannbreite der Projekte ist dabei groß: Sie reicht von Micro Finance und sozialem Wohnungsbau über nachhaltige Agrar- und Waldwirtschaft bis hin zu Energieeffizienz.

Das Interessante dabei aus Sicht europäischer institutioneller Anleger, die Solvency-II-Regelungen unterworfen sind: Der AIIF investiert zwar ausschließlich in Aktivitäten, bei denen ein messbarer Impact nachgewiesen werden kann, er maximiert in der Zielsuche aber nicht nach Impact. Für Letzteres würde sich anbieten, in Schwellenländern anzulegen, da dort erfahrungsgemäß die größten ökologischen und/oder sozialen Verbesserungen zu erzielen sind. Für regulierte Anleger kommen derartige Investitionen aber aus Gründen der hohen Bindung von Solvenzkapital oft nicht in Frage. Mit seinem Schwerpunkt auf Impact Investments in OECD-Ländern zielt der Fonds daher auf eine auch unter Solvenzkapital-Gesichtspunkten attraktive risikoadjustierte Rendite. Mit einer Laufzeit von zehn Jahren plus zweijähriger Verlängerungsoption kann er bei den Investoren darüber hinaus einen Beitrag zum Asset-Liability-Matching leisten.

Doch auch für die so dringend benötigten wirkungsorientierten Anlagen in Schwellenländern gilt es, das Kapital regulierter Investoren wie Versicherungen oder Pensionseinrichtungen zu mobilisieren. Ein gangbarer Weg könnten hierbei öffentlich-private (Investment-) Partnerschaften sein. Die Beteiligung staatlicher oder staatsnaher Fördereinrichtungen verringert dabei für die privatwirtschaftlichen Investoren das Investitionsrisiko und die Bindung von Solvenzkapital. Ein Beispiel für ein derartiges Projekt ist die Mitte November in Deutschland angekündigte Initiative „AfricaGrow“, in der das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ zusammen mit KfW DEG und Allianz Gelder investiert, die von Allianz Global Investors über einen in Deutschland aufgelegten Dachfonds breit diversifiziert in lokale Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds angelegt werden. Diese wiederum finanzieren afrikanische kleine und mittlere Unternehmen sowie Startups und fördern so eine nachhaltige ökologische und soziale Entwicklung.

Manch einer mag nun fragen, welche Investitionsmöglichkeiten Privatanlegern zur Verfügung stehen. Aus Liquiditätsgesichtspunkten – geschlossener Fonds, lange Laufzeiten – stehen die beschriebenen Vehikel nicht für Direktanlagen privater Investoren offen. Dieser Anlegergruppe steht jedoch ein anderes etabliertes Anleihesegment zur Verfügung: Green Bonds. Dies sind Anleihen, die Unternehmen oder öffentliche Institutionen zur Finanzierung wohldefinierter ökologischer Projekte begeben und die klaren Transparenz- und Reporting-Vorgaben unterworfen sind: den Green Bond Principles der International Capital Market Association ICMA. Auch bei diesen Anlagen wird somit im Sinne der Anleger höchster Wert auf Messbarkeit und Rechenschaft über die Wirkung der Investments gelegt.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich somit festhalten: Bei Impact Investments stößt ein immenser weltweiter Kapitalbedarf auf eine zunehmende Investitionsbereitschaft seitens Anleger, die mit ihrem finanziellen Engagement nicht nur auskömmliche Renditen erwirtschaften, sondern auch Gutes bewirken möchten. Dies geschieht zu einer Zeit, in der mehr und mehr gesellschaftliche Akteure die Notwendigkeit erkennen, neben dem Verfolgen des eigenen und des Shareholder-Interesses auch gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Wirkungsüberlegungen dürften daher zunehmend in jede Investitionstätigkeit integriert werden. Impact Investments können daher die Art und Weise selbst, wie künftig investiert wird, verändern und haben das Potenzial, das Anlagesegment der Zukunft zu werden.

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03.01.2020 | 11:35

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