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„Wir wollen das hohe Margenniveau noch ausbauen“

Vorstandsvorsitzender der STRATEC Biomedical: Marcus Wolfinger.

Vorstandsvorsitzender der STRATEC Biomedical: Marcus Wolfinger.


STRATEC Biomedical dürfte auch in den kommenden Jahren auf Erfolgskurs bleiben. Denn der TecDAX-Konzern profitiert von mehreren Trends, und auch Themen wie die aktuelle Ebola-Epidemie spielt für die Firma eine Rolle. BÖRSE am Sonntag sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden, Marcus Wolfinger.

BÖRSE am Sonntag:
Herr Wolfinger, seit dem Börsengang in 1998 konnte STRATEC Biomedical den Umsatz im Durchschnitt um 18 Prozent pro Jahr steigern. Welche Faktoren haben zu diesem beeindruckenden Wachstum beigetragen?


Marcus Wolfinger: Verantwortlich hierfür war unter anderem unser strategischer Ansatz, der neben der konsequenten Fokussierung auf das OEM-Geschäft die Adressierung der wichtigsten Wachstumsmärkte in der klinischen Diagnostik, wie zum Beispiel der molekularen Diagnostik, vorsieht. Weitere wichtige Faktoren sind unsere Innovationsführerschaft, eine attraktive Preisgestaltung und die nicht zuletzt auch ausgezeichnete Beziehungen zu technologie- und marktführenden Kunden. Letztendlich war es ein ganzes Bündel an Faktoren, die geholfen haben, STRATEC in eine führende Marktposition zu bringen.

Welche Trends werden Ihrer Meinung nach das Wachstum von STRATEC Biomedical mittel- bis langfristig beeinflussen?


Hier sind insbesondere die großen drei Trends zu nennen, die das Wachstum des gesamten Healthcare-Segments und insbesondere des Diagnostik-Marktes positiv beeinflussen. Als erstes sind dies die großen regionalen Wachstumsmärkte wie Brasilien und China, in denen die Regierungen verstärkt auf Diagnostik setzen, um Gesundheitsbudgets in den Griff zu bekommen. Der zweite Trend ist die deutliche Zunahme an verfügbaren Tests, insbesondere in der klinischen Diagnostik, zum Beispiel auf Grundlage der Genotypisierung oder der Sequenzierung von Tumorzellen sowie Erbkrankheiten. Heute werden therapeutische Entscheidungen, die mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten eines Gesundheitssystems ausmachen können, auf Basis klinisch diagnostischer Test getroffen, die lediglich etwa fünf Prozent der Gesamtkosten eines Gesundheitssystems ausmachen. Der für uns wichtigste Trend ist jedoch das zunehmende Outsourcing in der Diagnostikindustrie, die sich heute erst in einer Situation befindet wie die Automobilindustrie vor 20 Jahren.

Demnach erwarten Sie, dass die großen Diagnostik- und Pharmakonzerne zunehmend Verantwortung an ihre Zulieferer wie STRATEC abgeben werden?

Ja, das Outsourcing mit entsprechend konsequenter Übertragung von Verantwortlichkeiten steckt derzeit noch weitgehend in den Kinderschuhen. Nach wie vor werden rund 65 Prozent der Geräte, die heute vermarktet werden, von den großen Diagnostik- und Pharmakonzernen selbst entwickelt und hergestellt. Outsourcing-Dienstleister wie STRATEC kommen aktuell auf einen Anteil von 35 Prozent, Tendenz steigend. Wir gehen davon aus, dass der Anteil der OEM-Entwickler in den nächsten 10 bis 15 Jahren auf 40 bis 50 Prozent steigen wird. An diesem Trend wird STRATEC partizipieren, dies ist einer der großen Wachstumstreiber für uns.

In welchen Regionen wollen Sie die Präsenz von STRATEC Biomedical verstärken?

Durch die Tatsache, dass wir nahezu ausschließlich auf OEM-Geschäft spezialisiert sind, sorgen unsere internationalen Kunden für eine weltweite Distribution der Geräte. Beispielsweise haben wir Kunden, die mit unseren Produkten einen Umsatzanteil von 30 Prozent in China oder 40 Prozent in den USA erreichen. Insofern gibt es keine Notwendigkeit unsererseits, die Distribution in bestimmte regionale Märkte zu beschleunigen. Auf der anderen Seite werden wir die Beschaffung in Asien sowie Mittel- und Südamerika ausweiten.

Die im ersten Halbjahr 2014 erzielte EBIT-Marge von 16,3 Prozent kann sich sehen lassen. Glauben Sie, dass dieses hohe Margenniveau künftig gehalten werden kann?

Wir sehen unsere Marge zweigeteilt: Auf der einen Seite haben wir die unterliegende Unternehmensmarge, die sich mit Systemen und einer normalen Auslastung im Serviceteilegeschäft in einer Bandbreite zwischen 14 und 15,5 Prozent bewegt. Durch Skalierungsfaktoren wollen wir diese an das obere Ende dieser Bandbreite bringen. Daneben haben wir die Chance, durch unser Serviceteilegeschäft bei einer hohen Auslastung der Kapazitäten die Marge um weitere bis zu 250 Basispunkte auszubauen. Im Idealfall bewegt sich die Marge deshalb in Richtung 17,5 bis 18 Prozent. Wir gehen davon aus, dass wir das hohe Margenniveau des ersten Halbjahres halten und sogar noch leicht ausbauen können.

Sie sprechen das margenstarke Serviceteilegeschäft an, dass sich im ersten Halbjahr 2014 positiv entwickelt hat. Rechnen Sie damit, dass sich dieser erfreuliche Trend im nächsten Jahr fortsetzen wird?

Wir sehen im Serviceteilegeschäft nach zwei schwächeren Jahren eine fortschreitende Erholung, sind allerdings noch nicht wieder auf dem Niveau angelangt, auf dem wir in den Jahren 2011 und Anfang 2012 bereits waren. Wir sehen aktuell, dass sich diese positive Entwicklung im zweiten Halbjahr fortsetzt und wir sind positiver Dinge, dass sie sich auch 2015 fortsetzen wird.

Spüren Sie eine Auswirkung der Ebola-Epidemie auf Ihr Geschäft?


Im Vergleich zu der mindestens achtstelligen Zahl an klinisch-diagnostischen Tests, die weltweit täglich durchgeführt werden, sind die im Zusammenhang mit der Ebola-Epidemie durchgeführten zusätzlichen Tests vernachlässigbar. Insofern merken wir keine unmittelbare Auswirkung auf unser Geschäft. Allerdings konnten wir in der Vergangenheit beobachten, dass das Auftreten von Epidemien wie SARS oder auch Schweinegrippe mittelfristig zu einer spürbaren Kapazitätsausweitung in den Labors geführt hat.

Seit Aufnahme der Dividendenzahlung im Jahr 2004 hat STRATEC Biomedical die Dividende zehn Mal in Folge erhöht. Gehen Sie angesichts der positiven Geschäftsentwicklung in diesem Jahr davon aus, dass auch 2015 eine Dividendenerhöhung möglich sein wird?

Vor dem Hintergrund der erwarteten Umsatz- und Margenausweitung kann man – unter allen Gremienvorbehalten – davon ausgehen, dass wir unser Ziel der Dividendenkontinuität beziehungsweise -steigerung auch weiterhin verfolgen werden. Allerdings möchte ich auch betonen, dass STRATEC ein Wachstumsunternehmen ist. Falls sich uns Opportunitäten bieten sollten, sei es auf der Akquisitionsseite oder bei der Vorfinanzierung eines großen Entwicklungsauftrages, wollen wir uns die Option offenhalten, die Dividende gegebenenfalls auch einmal konstant zu halten oder sogar zu kürzen. Derzeit ist dies jedoch nicht geplant.

Herr Wolfinger, vielen Dank für das Gespräch.

12.10.2014 | 14:23

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