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Ausblick für 2022 - auch in Bezug auf Emergins Markets bleibt gute Selektion bei Branchen und Ländern das Gebot der Stunde



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„Schwellenländer ex-China auf Dollar-Basis nur knapp hinter den entwickelten Aktienmärkten ex-USA“, könnte das Fazit für 2021 lauten; inklusive China sieht das Bild derweil sehr viel ungünstiger aus. Was 2022 angeht, so waren bereits die ersten Wochen von rauer See geprägt. Für Anlegerinnen und Anleger sowohl in entwickelten als auch aufstrebenden Märkten heißt das bis auf weiteres: Die Schwankungen werden hoch bleiben und gute Selektion bei Branchen und Ländern bzw. Währungen und Laufzeiten bleibt ein Gebot der Stunde.

Rohstoffe sollten langfristig viele Emerging Markets Aktienmärkte weiter stützen. Zugleich hat China, das bei weitem wichtigste Schwellenland, die besten Wachstumsjahre definitiv hinter sich und wird weiterhin mit viel Gegenwind kämpfen.

Was die Aktienbewertungen betrifft, so sind Schwellenländer, absolut und insgesamt betrachtet, nicht billig, auch nicht relativ zur eigenen Historie. Sie sind aber sehr vorteilhaft bewertet im Vergleich zu den entwickelten Märkten. Allerdings gibt  es massive Unterschiede zwischen einzelnen Branchen und Ländern.

China: Die Konjunktur sollte sich weiter erholen, wenn auch eher zaghaft. Ein Immobiliencrash will man um jeden Preis zu vermeiden, bilden doch Immobilien das Rückgrat der Ersparnisbildung der Bevölkerung. Das dürfte allerdings Wirtschaftswachstum kosten. In Summe sollte sich Chinas Wachstumsdynamik stabilisieren und etwas verbessern, ohne aber auch nur ansatzweise an die Kraft der letzten Jahrzehnte heranzureichen. Die Aktien haben derweil einen Großteil der wirtschaftlichen Schwäche bereits seit längerem eingepreist. Insofern könnten chinesische Aktien, wenn die Situation sich von schlecht auf weniger schlecht verbessert, durchaus in diesem Jahr oder 2023 nach oben überraschen bzw. sich 2022 relativ zu anderen Aktienmärkten besser entwickeln.

Indien: Indien war 2021 einer der besten Aktienmärkte der Emerging Markets. Der Gegenwind wird aber 2022 zunehmen. Der Inflationsdruck nimmt zu, und die Leistungsbilanz hat sich zuletzt über Erwarten stark verschlechtert.

Brasilien: Brasilien war einer der schwächsten großen Aktienmärkte 2021. Anhaltende wirtschaftliche und innenpolitische Probleme nebst zusätzlichen wetterbedingten Belastungen und global anziehender Inflation ergaben einen sehr negativen Cocktail. Die Industrieproduktion entwickelt sich weiterhin schwächer als erwartet. In den kommenden Monaten dürften die innenpolitischen Themen weiterhin dominieren angesichts der Präsidentschaftswahl im Herbst. Weitere starke Kursausschläge sind zu erwarten.

Russland: Die Korrektur bei Öl- und Gaspreisen und mehr noch die massiv wachsenden geopolitischen Spannungen rund um die Ukraine belasteten den Markt kräftig. Aus Bewertungssicht ist der Aktienmarkt weiterhin sehr preiswert, speziell im Energiesektor. Solange jedoch jederzeit ein größerer und potenziell militärischer Konflikt zwischen Russland und dem Westen droht, dürften sich Investoren weiter stark zurückhalten bzw. könnten vorsorglich verkaufen. Volkswirtschaftlich sieht sich das Land altbekannten Herausforderungen gegenüber (Demografie, Arbeitskräftemangel in etlichen Bereichen, eine restriktive Geld- und Fiskalpolitik etc.).

Türkei: In US-Dollar etwa ergibt sich für Aktien ein Minus von über 22 % für 2021. Die Inflatioin ist regelrecht außer Kontrolle. Die Lira will Erdogan nun mit unorthodoxen Maßnahmen stabilisieren, die auf Dauer kaum helfen dürften.

CE3 (Polen, Tschechien, Ungarn): Die Aktienmärkte der drei Ländern gehörten 2021 zu stärkeren Aktienmärkten im Emerging Markets Universum. Die Notenbanken der Region stemmen sich derweil weiterhin kräftig gegen steigende
Inflation, was zwangsläufig eine dämpfende Wirkung auf das Wirtschaftswachstum hat bzw. haben wird. Gleichwohl ist der volkswirtschaftliche Ausblick für die Region weiterhin recht gut.

28.01.2022 | 13:15

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