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Europa: Böser Russe und Rezession in Italien

Ein wirtschaftlicher Aufschwung lässt sich nicht planen und befehlen, selbst mit einer extrem lockeren Geldpolitik der EZB nicht, die bislang zu keinem nachhaltigen Aufschwung geführt hat und wohl kaum dazu führen wird. (Stand: 08.08.2014)


In Europa wurde jüngst wegen der anhaltenden Talfahrt an den Aktienmärkten gejammert. Zudem war die Empörung im Blätterwald groß, zumindest bei denen, die auf medialen Kriegspfad befindlichen. Da schlägt der böse Russe doch tatsächlich mit Sanktionen zurück! Wer hätte den sowas je erahnen können?

Zudem macht sich Unbehagen breit beim genaueren Blick auf den neuen Verbündeten in Kiew. Aber egal. Wie gut, dass man einen Sündenbock hat, dem man die neuerliche konjunkturelle Schwäche in die Schuhe schieben kann, die sich immer mehr herauskristallisiert. Zum Beispiel ist die italienische Wirtschaft im zweiten Quartal erneut geschrumpft und damit faktisch wieder in einer Rezession. Putins Arm muss wirklich lang sein! Oder liegen die Ursachen ganz woanders, als in den jüngst auch von der EZB betonten wirtschaftlichen Risiken, die sich aus dem Ukraine-Konflikt ergeben?

Natürlich! Ein wirtschaftlicher Aufschwung lässt sich nicht planen und befehlen, selbst mit einer extrem lockeren Geldpolitik der EZB nicht, die bislang zu keinem nachhaltigen Aufschwung geführt hat und wohl kaum dazu führen wird. Aber warum dies einsehen? Erst recht, wo man doch einen vermeintlichen Schuldigen für das anhaltende konjunkturelle Dilemma ausgemacht hat! Die EZB bekräftigte jüngst folgerichtig, zu einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik bereit zu sein.

13.08.2014 | 11:19

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