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So alarmierend sind die Zahlen des Ifo-Institus

Nicht nur die Zahlen des ifo-Instituts prophezeien eine Krise historischen Ausmaßes. (Foto: Manuchi / Shutterstock.com)


Sowohl die Exporterwartungen als auch der Geschäftsklimaindex brechen im März in Deutschland ein und lassen historisch Düsteres erahnen. Ein BIP-Rückgang von bis zu 20 Prozent scheint möglich. Aus den USA kommen zusätzliche Hiobsbotschaften.

Man mag schon gar nicht mehr hinschauen. Ob nun Konjunkturprognose, Geschäftsklimaindex oder Exporterwartungen. Es vergeht derzeit kaum ein Tag ohne neue Horroraussichten des Ifo-Instituts. Es sind Erwartungen und Statistiken zum schwindelig werden, die da aus München  einflattern. Institutspräsident Clemens Fuest schickt sich gar an zu einer Art Matthias Sammer der deutschen Wirtschaft zu werden. Er mahnt und mahnt und mahnt. Allerdings nicht aus Gründen des Understatements und einem urkritischen Bauchgefühl heraus, wie Sammer das im Fußball gerne tat.  Fuest tut es auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das ist ein so bedeutender wie  bedrohlicher Unterschied.

„Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, prognostiziert er mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. „Je nach Szenario schrumpft die Wirtschaft um 7,2 bis 20,6 Prozentpunkte. Das entspricht Kosten von 255 bis 729 Milliarden Euro.“ Die Auswirkungen am Arbeitsmarkt könnten entsprechend verheerend ausfallen. Es seien massive Verwerfungen zu erwarten, die die Zustände auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in den Schatten stellten, so Fuest weiter. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts könnten 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Stellen wegfallen und über sechs Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt werden.

„Dimensionen wie in der Finanzkrise eher noch etwas schlechter“


„Es ist davon auszugehen, dass es mindestens zwei Quartale lang eine schwere Rezession geben wird“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Interview mit Reuters. Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg sieht „Dimensionen wie in der Finanzkrise, eher noch etwas schlechter“. Der März sein eine Katastrophe, der April bisher eine Drohung, frühestens der Mai könne wieder ein Versprechen werden.   

Entsprechend verschlechtert hat sich die Stimmung deutscher Unternehmen. Im März ist der ifo-Geschäftsklimaindex von 96,0 auf 86,1 Punkte eingebrochen. Das ist der stärkste jemals gemessene Rückgang im wiedervereinigten Deutschland und der niedrigste Wert seit Juli 2009. „Der Rückgang der Erwartungen ist mit Blick auf 70 Jahre Umfragen in der Industrie historisch einmalig“, sagte Ifo-Chef Fuest. Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator so stark gefallen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2005. Dies gilt sowohl für die Einschätzung der Geschäftslage als auch für die Erwartungen.

Exporterwartungen mit stärkstem Rückgang seit Wiedervereinigung

Apropos Erwartungen: Die haben sich auch bei Deutschlands Exporteuren massiv eingetrübt. Der Ifo-Statistik nach von minus 1,1 auf minus 19,8 Punkte – der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung und der niedrigste Wert seit Mai 2009. Die Corona-Pandemie bremst den weltweiten Handel aus. Die länderübergreifende Logistik wird schwieriger. Deutschland als Exportnation ist besonders davon betroffen. Die Exporterwartungen sind in nahezu allen Industriebranchen gesunken, teilweise deutlich. Besonders hart trifft es die Autoindustrie, welche mit deutlichen Rückgängen bei den Exporten rechnet. Auch im Maschinenbau ist der Ausblick düster.

Zahlen zum Fürchten aus den USA

Was aktuelle Statistiken aus den USA anbelangt, zeichnet sich ein ähnlich desaströses Bild ab. Die Analysten von Morgan Stanley sehen das BIP der größten Volkswirtschaft der Welt im zweiten Quartal um 30 Prozent sinken. Zum Vergleich: Seit 1947 hat es kein Quartal mehr gegeben, in dem die US-Wirtschaft um mehr als zehn Prozent sank.

Das zwei Billionen US-Dollar schwere Konjunkturpaket dürfte daran kurzfristig wenig ändern, da die Wirtschaft schließlich stillstehen muss, bis die Lage rund um das Virus unter Kontrolle ist. Am US-Arbeitsmarkt droht bereits ein Fiasko. Die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in dieser Woche auf über drei Millionen gestiegen. In der davor waren es noch 281.000 gewesen. James Bullard, Präsident der Federal Reserve Bank of St. Louis hält eine Arbeitslosenquote von 30 Prozent für möglich. Das würde bedeuten, dass 48 Millionen Amerikaner keine Job mehr besäßen.

OG


26.03.2020 | 15:00

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