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So bereiten Anleger ihr Portfolio auf verschiedene Inflationsszenarien vor

(Foto: Gorodenkoff / Shutterstock)



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Entgegen der Beteuerungen vieler Konjunkturbeobachter und politischer Entscheider, die Inflationsraten würden später im Jahr wieder fallen, steigen diese munter weiter. Für Anleger lohnt es sich deshalb darüber nachzudenken, inwieweit die längerfristigen Risiken deutlicher zutage treten könnten und wie sich ihre Portfolios auf unterschiedliche Szenarien vorbereiten lassen.

Von Steve A. Rodosky, Portfoliomanager und Lorenzo Pagani, Head of Government Bond and European Rates Desk EMEA, PIMCO

Unser kurzfristiger Ausblick geht davon aus, dass die Inflationsrate für eine befristete Zeit steigen wird. Der Grund hierfür ist ein höheres Preisniveau im Zuge der Erholung der Weltwirtschaft von den Auswirkungen der Pandemie. Tatsächlich legte der US-Verbraucherpreisindex (CPI) im April um fast ein Prozent gegenüber dem Vormonat zu und übertraf damit selbst die höchsten Prognosen, zumal der Anstieg für die Kernrate normalerweise nicht so deutlich ausfällt.

Ob der CPI nach dem Abklingen dieser Basiseffekte in der zweiten Jahreshälfte wieder zum (langfristigen) Trend zurückkehren wird, bleibt abzuwarten. Viele Prognosen von der Wall Street, der Federal Reserve und aus dem Weißen Haus gehen davon aus, dass genau das eintreten wird.

Im April unternahm das Weiße Haus einen ungewöhnlichen Schritt und veröffentlichte einen Blog-Beitrag, um die Sorgen der Öffentlichkeit über den Inflationsdruck zu zerstreuen. Demnach erwartet das Weiße Haus, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten steigen wird. Der Grund hierfür seien vorübergehende Einflüsse wie Basiseffekte, Unterbrechungen der Wertschöpfungskette und ein genereller Nachholbedarf. Nach Abebben dieser Einflüsse würde die Inflation wieder zurückgehen.

Die US-Notenbank hat wiederholt signalisiert, dass sie einem kurzfristigen Anstieg keine allzu große Bedeutung schenken werde. Stattdessen konzentriere sie sich auf die Frage, ob die Inflationsrate dauerhaft über der Zwei-Prozent-Marke liegen wird – gemessen am Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), einem Konjunkturindikator, der tendenziell etwas niedriger als der CPI ausfällt. Erst dann, wenn der PCE längere Zeit über der Zwei-Prozent-Marke notiere, stünde eine Straffung der Geldpolitik auf der Agenda. (Weitere Informationen zu den Einschätzungen der Fed zur Inflation finden Sie in unserem aktuellen Blog-Beitrag mit dem Titel „Realigning Inflation Expectations“.)

Der kurzfristige Ausblick mag sich zunehmend deutlicher abzeichnen. Doch es besteht erhebliche Unsicherheit, was die längerfristigen Inflationstendenzen angeht. Wir erwarten zwar, dass wir in den kommenden zehn Jahren eine höhere Inflation haben werden als in der zurückliegenden Dekade. Allerdings haben die Kosten für die Absicherung gegen diesen erwarteten Anstieg – die marktbasierten Inflationserwartungen – derzeit gerade einmal die Zielmarken für die Teuerung erreicht. Wir denken, die Break-even-Inflationsraten werden über kurz oder lang das neue Paradigma der Fed widerspiegeln, und zwar in dem Maß, wie sich die Wirtschaft erholt.

Mögliche Treiber einer höheren Inflation

In den USA hat Präsident Joe Biden massive Ausgaben- und Investitionspläne vorgelegt. Wir erleben dadurch einen der seltenen Fälle, wo eine ausgabenfreudige Fiskalpolitik auf eine lockere Geldpolitik trifft. Das hat Inflationsängste geschürt. Anders als bei früheren Schocks war die wirtschaftliche Schwächeperiode nicht auf eine übermäßige Verschuldung innerhalb des Systems zurückzuführen. Vielmehr sind die Bilanzen der privaten Haushalte, der Unternehmen und des Finanzsektors viel gesünder als in früheren Zeiten nach einer Rezession.

Längerfristig bleibt der Preisdruck auf Rohstoffe und Lieferketten bestehen. Das schließt die Möglichkeit ein, dass Unternehmen größere Teile der Produktion an inländische Standorte verlagern könnten. Darüber hinaus ist der neue geldpolitische Rahmen der Fed nicht mehr präventiver Natur. Das bedeutet, die Verantwortlichen könnten die Inflation eine Weile über dem Zielwert laufen lassen, um das Unterschreiten der Schwelle in der Vergangenheit zu kompensieren.

Anleger haben eine längere Ära moderater Inflation erlebt. Ihre Portfolios sind deshalb unter Umständen nicht ausreichend vorbereitet selbst auf relativ bescheidene Veränderungen der Inflation als auch der Inflationserwartungen. Es lohnt sich deshalb, den Zustand der verschiedenen Märkte genauer zu analysieren, wenn man sich gegen Inflation absichern möchte.

Globale inflationsgebundene Anleihen

Covid-19 war eine globale Pandemie. Verschiedene Länder und Weltregionen durchlebten den wirtschaftlichen Abschwung und die Erholung jedoch in unterschiedlichem Tempo.

In Europa erwarten wir eine Normalisierung des BIP auf das Niveau vor der Pandemie im Jahr 2022, wobei die Inflation niedrig bleiben und in den nächsten zwölf bis 18 Monaten allmählich ansteigen dürfte. Blicken wir fünf Jahre in die Zukunft, so zeigt die (implizite) Break-even-Rate: Die Märkte erwarten, dass die durchschnittliche Inflation zwischen 2026 und 2031 etwa 60 Basispunkte unterhalb des Ziels der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent liegen dürfte.

Auf dem aktuellen Niveau bieten inflationsgebundene Anleihen (ILBs) unserer Meinung nach eine relativ kostengünstige Absicherung gegen höhere Inflationsraten. Diese Art der Absicherung könnte jedoch teurer und schwieriger zu bekommen sein, sobald es wieder mehr Anzeichen für Inflation gibt.

Inflationsgeschützte US-Staatsanleihen (TIPS)

Fortschritte bei den Impfungen und die Öffnung vieler Bereiche der Wirtschaft sollten den USA helfen, die konjunkturelle Erholung auch in anderen Regionen anzuführen und anzukurbeln. Da die Fed aktiv versucht, die Inflation anzuheizen, fällt die Fünf-Jahres-Break-even-Inflationsrate höher aus. Allerdings liegt die auf Sicht von fünf Jahren prognostizierte Inflationsrate nur bei 2,3 Prozent und damit genau über dem Ziel der Fed.

Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS) unterscheiden sich von herkömmlichen US-Anleihen dadurch, dass der Nennwert über die Laufzeit der Anleihe angepasst wird, um Änderungen des CPI auszugleichen. Die Spezifika und Eigenheiten der CPI-Messung sind häufig Gegenstand einer kritischen Debatte. Es geht dabei um Reporting-Probleme, die Rolle des Internets für die CPI-Messung, aber auch um die Frage, inwiefern hedonische Anpassungen des Preisindex notwendig sein könnten: ob man also ein Gut oder eine Dienstleistung nach seinen intrinsischen und extrinsischen Werten beurteilt. Wir glauben, dass Anleger häufig davon profitieren, wenn sie TIPS mit anderen Vermögenswerten kombinieren, weil das eine bessere Inflationsabsicherung bieten kann.

Rohstoffe und Währungen

Die Preise für Rohstoffe wie Weizen, Gold und Öl korrelieren in der Regel stark mit der Inflation. Wenn deren Preise steigen, ziehen im Allgemeinen auch die Kosten für Waren und Dienstleistungen an. Folglich bieten Investments in Rohstoffe mit den besten Inflationsschutz sämtlicher Anlageklassen überhaupt, obwohl die Preise von Rohstoffen auch schwankungsanfällig sein können.

Eine Diversifizierung der Anlagen über verschiedene Währungen hinweg kann ebenfalls dazu beitragen, sich gegen inflationäre Kräfte in einem Land oder einer Region abzusichern. Langfristig tendieren die Währungen von Ländern mit höheren Inflationsraten zu einer Abwertung im Vergleich zu Ländern mit niedrigeren Teuerungsraten. Da die Inflation den Wert der Investmentrenditen im Lauf der Zeit schmelzen lässt, könnten Anleger ihr Geld in Märkte mit niedrigeren Inflationsraten umschichten.

Jegliches Investment erfordert, sich auf eine Vielzahl möglicher Szenarien vorzubereiten. In vielen Fällen fallen die aktuellen Kosten zur Abfederung der Inflation ziemlich gering aus. Als besonders effektiv haben sich Strategien erwiesen, die unterschiedliche reale Vermögenswerte und deren spezifische Stärken bei der Inflationsabsicherung kombinieren.

Weiterführende Informationen finden Sie unter „Ein Modell für die Dimensionierung von realen Vermögenswerten zum Management von Inflationsrisiken“.

Steve A. Rodosky ist Managing Director in der PIMCO-Zentrale in Newport Beach und Portfoliomanager für „Real-Return“- und „U.S. Long-Duration“-Strategien. Lorenzo Pagani ist Managing Director und Portfoliomanager mit einem Schwerpunkt auf europäische Staatsanleihen.


01.06.2021 | 10:04

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