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USA: Wenn die Taube lieblich gurrt

U.S. Dollar Index, Stand: 18.12.2014.


Janet Yellen, die Obertaube des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank (Fed) hat wieder einmal die richtigen Töne getroffen. Diesen Schluss legt die sehr positive Reaktion am US-Aktienmarkt nahe, die auf die Äußerungen der Fed-Chefin zur weiteren US-Geldpolitik nach der zweitägigen Fed-Sitzung folgte.

Wie erwartet hält die Fed an ihren Plänen fest, 2015 mit der Anhebung der Leitzinsen zu beginnen, die während der Finanzkrise gen Null geschraubt wurden und seither auf Rekordtiefs verharren. Sie blieb bei ihrem Vorhaben jedoch weiterhin sehr schwammig und hält sich damit ihre Optionen offen, um sich nicht selbst unter Handlungsdruck zu setzen. Allerdings hat sie in Sachen Zinsversprechen ihre Formulierung geändert. Bislang wurde zugesichert, die Leitzinsen eine beträchtliche Zeit nach den ausgelaufenen Wertpapierkäufen nahe Null zu halten. Dieser Passus wird nun ersetzt durch: „Auf der Grundlage der aktuellen Bewertung geht der Ausschuss davon aus, dass er beim Beginn der geldpolitischen Normalisierung geduldig sein kann.“

Warum die Phrase geändert wurde, bleibt das Geheimnis der Fed. Vielleicht war einfach Zeit für etwas Neues. Schließlich muss man die Märkte bei Laune halten. An der geldpolitischen Aussage hat sich jedoch nichts geändert. Selbst die Fed wies darauf hin, dass die neue Formulierung inhaltlich deckungsgleich mit ihrer bisherigen Zusicherung sei. Was also soll das Ganze?

Den Märkten gefiel jedoch die Vorstellung. Zumal Yellen auch sonst versöhnliches zu gurren wusste. Demnach wird es frühestens im zweiten Quartal zu einer ersten Anhebung der Leitzinsen kommen. Genauer wollte sie sich jedoch nicht festlegen und blieb bei ihren altbewährten Worten, wonach Zeitpunkt und Tempo einer straffen Geldpolitik von den wirtschaftlichen Bedingungen abhängen. Und zu guter Letzt betonte sie, dass die Geldpolitik auch nach dem Beginn der Zinsanhebungen für einen längeren Zeitraum sehr locker sein wird und es wahrscheinlich nur zu einer graduellen Anhebung kommen wird.

22.12.2014 | 23:10

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